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Ernährung
Bei den Hauptsache gut gegessen

 Hmmh, schmeckt: Die Schüler finden gesunde und und mit Hilfe des Kochbusses selbstgemachte Brotaufstriche oder Müsliwaffeln echt lecker.
Hmmh, schmeckt: Die Schüler finden gesunde und und mit Hilfe des Kochbusses selbstgemachte Brotaufstriche oder Müsliwaffeln echt lecker. FOTO: TV / Hans-Peter Greven
Daun. Die Mensa des Thomas-Morus-Gymnasiums Daun gilt für die Deutsche Gesellschaft für Ernährung als Praxisbeispiel für vorbildliches Essen. Das kommt auch bei den Kindern und Jugendlichen an. Von Angelika Koch

Die beiden Siebtklässler Finja Pflüger und Lukas Janischewsk bekommen leuchtende Augen, wenn sie an Vollkorn-Müsliwaffeln, Hummus und Rote-Bete-Sonnenblumenkernaufstrich denken. Wer da an „fake news“ glaubt und meint, in Wirklichkeit gierten sie nach fleischlichem oder zuckrigem Fast Food, erliegt den typischen Vorurteilen Älterer über moderne Kids. Dass die es auch ganz anders mögen, beweisen die beiden Dauner Teenager nicht nur in Worten, sondern auch in Aktion: Sie waren mit von der Partie, als im Kochbus Mahlzeiten für die Schüler zubereitet wurden: „Wir sind auf den Geschmack gekommen!“ Eigentlich, so erzählen sie, mochten sie vorher Zutaten wie Rote Bete gar nicht. „Aber es hat viel Spaß gemacht und uns gezeigt, dass man gesunde Sachen total lecker hinkriegen kann.“

Die Schülerinnen und Schüler wollen nun auch verstärkt mit den eigenen Eltern darüber reden, wie gutes Essen entsteht, über die Vorteile von saisonalen und regionalen Zutaten oder über den Sinn, nicht so viele Lebensmittel in den Müll zu werfen.

„Dank unserer Schulpartnerschaft mit Ruanda wissen sie viel darüber, welche Auswirkungen unser normaler Konsum hat, und können vergleichen“, sagt Susanne Stumm, im TMG Leiterin der Ganztagsschule und der Mensa. „Die Kinder interessieren sich viel mehr für gesunde Ernährung, als wir Erwachsenen denken, und sie wissen, wo und wie sie entstehen.“

Auch Finja und Lukas können nur lachend den Kopf schütteln über die Annahme, dass sie und Ihresgleichen glauben würden, Kühe seien lila. „Meine Verwandten leben im Ruhrgebiet“, erzählt Lukas, „auch meine Cousins und Cousinen wissen Bescheid, wo Lebensmittel wirklich herkommen.“ Das ist vorbildlich, wie Susanne Stumm und Schulleiter Christoph Susewind finden: „Es gibt Eltern, die können Gemüsesorten nicht voneinander unterscheiden“, haben sie erfahren, „dabei sind doch die Elternhäuser enorm wichtig, um Kinder an gutes Essen heranzuführen.“ Viele Kinder auch in der Eifel leiden nach ihrer Beobachtung unter Übergewicht oder gar Fettleibigkeit, die mit falscher Ernährung zusammenhängen.

Das TMG hat einen Bienenstock und freilaufende Hühner im Schulgarten, in dem auch Kartoffeln, Radieschen, Salat, Tomaten oder Erdbeeren angebaut werden. Rund ein Dutzend Schüler kümmern sich darum. Und gern hätten die Jugendlichen eine eigene Schulküche für eine nachmittägliche Arbeitsgruppe, man hofft auf einen Sponsor für eine Küchenzeile und Gerätschaften.

Zwar werden die Schüler von der St.-Martin-Gastronomie in Ulmen als Caterer der Schulmensa so gut versorgt, dass es dafür die Auszeichnung der Deutschen Gesellschaft für Ernährung gab. Auch die Schule selbst ist DGE-zertifiziert, sie bietet zum Beispiel genug Zeit für die Mahlzeiten, hält permanent Mineralwasser vor und klärt auf. „Es ist jedoch noch etwas anderes, wenn wir selbst kochen, das haben wir jetzt am Kochbus gemerkt“, begeistern sich Finja und Lukas für ihre eigene Kreativität.

Dietmar Johnen, Kreistagsmitglied und zugleich Angestellter des Umweltministeriums, ist seit 2013 gemeinsam mit anderen Hobbyköchen und Ernährungsberatern per Kochbus unterwegs zu Schulen, Kindergärten, Gesundheitstagen oder Ferienzeltlagern. Mittlerweile geht das Team rund 80 Mal pro Jahr auf Tour. „Wir werden immer öfter nachgefragt und müssen manche Termine schon ablehnen“, schildert er ein schnell und stark gestiegenes Interesse an der gesunden Ernährung, die der Kochbus samt seiner voll ausgestatteten Küche überall in Rheinland-Pfalz vermitteln will. Kein Catering, sondern Bildung steht auf dem Programm. „Wir kochen überwiegend vegetarisch und mit saisonalen Zutaten. Darüber hinaus machen wir darauf aufmerksam, wie man Reste zu leckeren Gerichten verarbeitet oder dass die Lebensmittel möglichst kurze Transportwege und möglichst wenig Verpackung haben.“ Die Schulen oder Kindergärten, die den Bus anfordern, kaufen im Vorfeld die Zutaten selbst ein.  „Das Ganze passt sehr gut zu den ‚Fridays for Future‘“, ist Johnen überzeugt, „die bestätigen nämlich, dass gerade die ganz Jungen deutlich mehr Bewusstsein haben und einfordern für Umwelt und Natur.“