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"Bei uns ist Zukunft drin"

"Bei uns ist Zukunft drin"

Die neue Kreisvorsitzende der FWG, Karin Pinn aus Wiesbaum, die nun auch den Vorsitz ihrer Fraktion im Kreistag übernommen hat, spricht im TV-Interview über ihre politischen Auffassungen und Ziele und gibt einen - wenn auch nur klitzekleinen - Einblick in ihr Privatleben.

Die erste Kreistagssitzung als Fraktionsvorsitzende haben Sie hinter sich gebracht. Wie fühlen Sie sich?Pinn: Gut. Aber ich bin, ehrlich gesagt, auch erleichtert. Es war auch aufregend, vor dieser Gruppe zum ersten Mal zu sprechen - vor allen Dingen zu einem so wichtigen Thema wie der KSK-Fusion.Weshalb gibt es so wenige Frauen, die sich das zutrauen oder überhaupt in der Kommunalpolitik mitmachen?Pinn: Weil Frauen sich anders engagieren, zum Beispiel in Elternausschüssen und anderen Ehrenämtern, in denen sie viel bewegen, aber eben in stillerem Umfeld. Ich vermute einfach, dass Frauen eher das machen, was sie am ehesten berührt. Und Kommunalpolitik ist das in der Regel nicht. Da denken viele, das ist weit weg, da kann man wenig bewegen.Welches sind Ihre politischen Ziele?Pinn: Mir liegt viel daran, die Verkrustungen und alten Mehrheitsverhältnisse aufzubrechen. Dabei möchte ich unabhängig von großen Brüdern und Schwestern agieren können, die auf Landes- und Bundesebene den Weg schon vorgeben. Aus diesen Gründen bin ich in der FWG. Als sehr wichtig erachte ich die Nähe zum Bürger und zu Betroffenen. Die Zusammenarbeit mit Vereinen oder zum Beispiel Elternausschüssen, wenn es um Schulpolitik geht. Das wollen wir verstärken. Es geht mir auch ums Einmischen. Ich habe mir in den vergangenen Wochen und Monaten oft die Frage anhören dürfen: Warum tust du dir das an, bei der Politik geht es doch nur um Machtspielchen. Doch wo kommen wir hin, wenn wir die Politik denen überlassen, denen es wirklich nur um die Macht geht? Mein Ziel ist Meinungsvielfalt und die offene Diskussion an der Sache. Jeder soll so seine Meinung sagen können - fernab der Fraktionsdisziplin.Dennoch braucht auch die FWG Geschlossenheit, um ihre Ziele durchsetzen zu können. Wie passt das für Sie zusammen?Pinn: Na klar, in jeder Sitzung wild durcheinander zu stimmen, bringt uns überhaupt nicht weiter. Man muss organisiert sein, man muss sich absprechen, man muss sich einig sein. Ich möchte meine Mitstreiter aber nicht zwingen, sondern überzeugen.Wo sehen Sie ihre Stärken?Pinn: Ich kann gut organisieren, moderieren, teamorientiert und strukturiert arbeiten.Was müssen Sie noch lernen?Pinn: Ich weiß nicht, ob ich das noch lernen muss, und ich weiß auch nicht, ob diese Art der Auseinandersetzung, wie sie teilweise im Kreistag geführt wird, der richtige Weg ist. Aber: Solche Streitgespräche sind nicht meine Sache. Ich setzte mehr auf Argumente.Was stört Sie denn an der Auseinandersetzung?Pinn: Ich finde, da ist sehr viel Polemik drin. Und sehr viele persönliche Angriffe.Und was bringt Sie auf die Palme?Pinn: Wenn man einander nicht zuhört. Was würden Sie sich im politischen Geschäft wünschen?Pinn: Beweglichkeit in der Diskussion, Aufgeschlossenheit gegenüber anderen Meinungen.Innerhalb der Kreis-FWG wie auch in der Fraktion hat es große personelle Veränderungen gegeben. Wofür steht die neue FWG?Pinn: Wir stehen für eine offene Politik - mit dem Bürger, mit Vereinen, mit Betroffenen. Wir wollen noch aktiver in der Öffentlichkeit sein, und wir werden uns intern besser vernetzen. Daher gehört dem neuen Kreisvorstand nun ja auch je ein Vertreter aus den Verbandsgemeinden an. Ich denke, wir sind gut aufgestellt mit unserer neuen Riege. Da ist Zukunft drin.Welches Ziel peilt die Kreis-FWG für die Kommunalwahl 2009 an?Pinn: Mein Ziel ist, gemeinsam mit den anderen, die CDU-Mehrheit zu knacken. Wir sollten uns von jetzt fünf auf sieben Sitze im Kreistag steigern können.Was hieße das dann Ihrer Ansicht nach für den Landkreis?Pinn: Ideenvielfalt und bessere Diskussionen. Job und Politik: Gibt es da für Sie noch Zeit für Hobbys?Pinn: Meine allerallerliebste Beschäftigung ist es, am warmen Ofen ein dickes Buch zu lesen. Im Moment ist es das Werk "Beziehungswaise" von Michel Birbaek.Apropos Beziehung: Ihr Mann ist ebenfalls politisch aktiv, als Vorsitzender der FWG in der VG Hillesheim. Gibt es da zuhause noch andere Themen als Kommunalpolitik?Pinn: (lacht) Ja, natürlich. Schließlich haben wir ja auch eine große Familie. Ich kann mich außerdem sehr gut vom täglichen Geschehen entfernen. Ich kann ganz bewusst mal einen Tag keine Zeitung lesen und muss auch nicht jeden Tag meine E-Mails sichten. Und wenn ich in Urlaub fahre, bleibt das Handy sowieso zuhause. Ich hatte beispielsweise ganz bewusst bis vor zwei Jahren gar keines.Die Fragen stellte unser Redakteur Mario Hübner. Zur Person Karin Pinn (44) aus Wiesbaum (VG Hillesheim) ist verheiratet und hat zwei erwachsene Kinder. Die Ernährungsberaterin war von 1994 bis 1999 im Ortsgemeinderat in Wiesbaum, anschließend im Bauausschuss der VG Hillesheim und sitzt seit 2004 für die FWG im Kreistag. Sie ist seit 1999 bei der FWG, wurde im Sommer 2007 zunächst zur FWG-Kreisvorsitzenden gewählt und zwei Monate später auch zur deren Fraktionssprecherin im Kreistag.