Beim Knollenball wird’s ernst

Daun · Tradition zum Jahresanfang ist das Fest der Landwirtschaft, auch Knollenball genannt. Es ist der Treffpunkt für die Landwirte im Vulkaneifelkreis. Dabei gibt es neben viel Unterhaltung auch einen wirtschaftlichen Rückblick auf das vergangene Jahr und Ausblick auf 2016 - beide diesmal nicht gerade besonders rosig.

Daun. Rund 150 Gäste, darunter neben einigen Bauern viele Eifeler, die sich der Landwirtschaft verbunden fühlen, kamen zum diesjährigen Knollenball, der von den Verbänden der Landwirtschaft ausgerichtet wird. Zum Fest gehören verschiedene Elemente, darunter die Tombola, die musikalische Unterhaltung für ein Tänzchen, eine Showdarbietung und besonders die Milch, die schon traditionell bei der Begrüßung in verschiedenen Mixformen gereicht wird. Diesmal war sogar Milchkönigin Carina Hirschen anwesend und kredenzte die weiße Pracht eigenhändig den Gästen.
Doch alles könne nicht darüber hinwegtäuschen, dass es den Bauern im Kreis schlechter gehe und es immer weniger würden. "Die Situation in der Landwirtschaft ist nicht gut, wir haben viele Schwierigkeiten zu bewältigen und befinden uns auf einer großen, steilen Talabfahrt, und die Talsohle ist noch nicht erreicht. Die Milchpreise von momentan 28 Cent fallen jetzt auf ein noch niedrigeres Niveau", erklärt Marco Weber, Vorsitzender des Kreisbauernverbands Daun.
Ursache für die schlechte Lage der Landwirte seien schwächelnde Absatzmärkte, das Russland-Embargo, der China-Crash und billige Importe von landwirtschaftlichen Produkten aus weit entfernten Ländern. "Wir haben wirklich massiv Probleme in allen Bereichen. Die gesetzlichen Auflagen, die neu dazu kommen, aktuell die Düngeverordnung, sind mit Kosten für die Bauern verbunden, die momentan einfach nicht erlöst werden. Es muss weiter in Technik und Lagerraum investiert werden. Doch die Geldreserven bei den Landwirten sind aufgebraucht.Wenn dann die Erträge fehlen, haben wir ein ganz großes Liquiditätsproblem. Dadurch wird natürlich der Strukturwandel beschleunigt, dessen muss sich jeder bewusst sein", sagt Weber, der dennoch hoffnungsvoll ist, dass die Preise für Milch im Laufe des Jahres wieder nach oben gehen.
Im Kreis Vulkaneifel gibt es noch rund 250 Haupterwerbslandwirte, doch die Zahl geht kontinuierlich zurück. Das bestätigt auch Petra Himmels, zuständig für Landwirtschaft und Agrarförderung bei der Kreisverwaltung Vulkaneifel. "Eine Handvoll sind es jedes Jahr, die wegen des Alters, des Strukturwandels oder, weil sie keinen Nachfolger finden, aufgeben", sagt sie.
Nachwuchssorgen bleiben


Wer will bei diesen Aussichten noch Landwirt bleiben oder werden? "Ich habe selbst einen zehnjährigen Sohn und Probleme, ihn für die Landwirtschaft zu begeistern. Die Motivation für den Beruf des Landwirtes liegt zur Zeit am Boden", gibt Marco Weber zu. Auch Peter Hutsch, Geschäftsführer des Kreisbauernverbands Daun, schlägt in die gleiche Kerbe. "Die Preissituation ist nun mal ausschlaggebend dafür, ob man als Landwirt weitermacht oder nicht", sagt er.
Reinhold Jung (54) aus Nerdlen hat 23 Mutterkühe im Stall. Er schlägt sich seit vielen Jahren mit Direktvermarktung für Fleisch durch, was sich für ihn bewährt hat. Milch liefert er schon lange nicht mehr. "Besser wird es durch die fallenden Weltmarktpreise für Milch nicht mehr, dadurch haben wir hier in Deutschland einen schweren Stand", meint er. Das sieht auch Michael Clemens (23) aus Rockeskyll so. Er arbeitet als Landwirt auf einem Betrieb in Blankenheim. "Die Milchpreise müssen wieder deutlich besser werden. Wenn die weiter fallen, werden viele Betriebe in nächster Zukunft aufgeben müssen, weil auch die Kosten immer weiter steigen."