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Beim Landwirtschaftsfest wird weiter getanzt

Beim Landwirtschaftsfest wird weiter getanzt

Nach der schlechten Resonanz im vergangenen Jahr hatte der Bauernverband des Kreises Vulkaneifel alle Verbände aufgefordert, ihre Mitglieder für den "Knollenball" zu motivieren, da er sonst eingestellt werde. Die "Drohung" hat gewirkt: Es kamen deutlich mehr Gäste.

Daun. 120 Plätze an zwölf Tischen waren eingeplant, am Ende musste sogar noch "angebaut" werden, um allen Gästen beim Fest der Landwirtschaft im Forum Daun Platz zu bieten. Über die Resonanz freute sich besonders der Geschäftsführer des Kreisbauernverbands, Bernd Feltges. Augenzwinkernd sagt er: "Manchmal muss man eben ein bisschen drohen."

Nach dem schlechten Besucherergebnis 2010 stand der "Knollenball", wie das Fest der Landwirtschaft häufig noch landläufig genannt wird, auf der Kippe. Beim "letzten Versuch" am Samstag wurde der Ablauf geändert. So gab es beispielsweise keinen Stehempfang mit einer Ansprache von Leo Blum, Vorsitzender des Kreisbauernverbands und Präsident des Bauern- und Winzerverbandes Rheinland-Nassau, das holte er später auf der Bühne nach. Für die musikalische Begleitung sorgte die Uessbach-Combo, zudem traten die Strohner Square-Dancers und eine Garde der Dauner Narrenzunft auf.

Zufrieden mit der Resonanz war auch Leo Blum: "Das hier macht wieder Mut." Zur aktuellen Situation der Landwirtschaft sagte Blum, dass es den Bauern generell besser gehe als vor zwei Jahren. So sei der Milchpreis moderat gestiegen, und auch der Getreidepreis sei nicht schlecht. "Man kann zwar immer noch nicht sagen, dass die Preise gut sind, aber diese Entwicklung hätte man sich vor einem Jahr so doch nicht so vorstellen können." Auch zum Dioxin-Skandal äußerte sich Blum. "Das macht uns wirklich Sorge. Fakt ist: Es war eine kriminelle Handlung einer einzelnen Firma, die einen immens hohen Schaden für uns alle verursacht hat". Eine hundertprozentige Sicherheit vor solchen Skandalen könne es nicht geben. Blum: "Es ist schlimm, aber man sollte das alles auch nicht zu hysterisch sehen."

Extra

Landwirtschaft in der Vulkaneifel Im Landkreis Vulkaneifel gibt es derzeit nach Mitteilung des Kreisbauernverbands noch rund 800 Landwirte, die mindestens eine Nutzfläche über einem Hektar bewirtschaften. Im vergangenen Jahr haben 20 Bauern ihren Hof aufgegeben. Etwa 460 Betriebe haben noch Rinderhaltung, davon 230 mit Milchkühen und rund 190 mit Mutterkühen. Im Kreis Vulkaneifel gibt es zudem 70 Betriebe mit Schweinehaltung, davon drei größere. Auf Geflügelhaltung haben sich 400 Betriebe - darunter drei größere - spezialisiert, und weitere 250 Landwirte haben eine Schaf- und/oder Ziegenhaltung. Unabhängig von einer Tierhaltung wurden aber von 900 landwirtschaftlichen Betrieben Anträge auf Agrarförderung gestellt.

UmfrageWie sehen Sie die Entwicklung in der Landwirtschaft, auch für sich persönlich?
Alfred Welter (60), Strohn: Mir werden die Einheiten der Betriebe zu groß, das ist für die Einzelnen zu schwer zu bewältigen. Mein Betrieb wird von einem meiner Söhne im Nebenerwerb weitergeführt, das ist eine gute Basis. Ich bin optimistisch, es gibt immer eine Zukunft, auch für die Landwirtschaft.

Winfried Braden (48), Dohm-Lammersdorf: Der Strukturwandel in der Landwirtschaft geht zügig weiter, die Betriebe werden sich wohl noch weiter in der Größe entwickeln. Ein großes Problem für uns ist die unendliche Bürokratisierung, die uns regelrecht gängelt. Für mich persönlich sieht es recht positiv aus, mein Sohn ist in den Betrieb eingestiegen und wird ihn wohl weiterführen.

Heinz Schenk (55), Gerolstein: Für meinen Betrieb habe ich keinen Nachfolger. Das sieht für meinen Hof nicht gut aus. Ich will die Arbeit noch einige Jahre machen, so lange es eben noch geht. Ich denke, der Trend in der Landwirtschaft geht wohl zu mehr Bioenergieversorgung. Ich hoffe aber auch, dass in Zukunft die Lebensmittel wieder mehr wert sind. (HG)/TV-Fotos (3): Helmut Gassen