1. Region
  2. Vulkaneifel

Beim letzten Bruch lauern die Fahnder

Beim letzten Bruch lauern die Fahnder

Über eine umfangreiche Einbruchserie berät das Landgericht Trier seit Montag. Insgesamt 53 "Brüche" im Raum Vulkaneifel und Prüm werden dem 24-Jährigen Angeklagten vorgeworfen. Er selbst hat 18 Taten eingeräumt.

Trier/Daun/Gerolstein/Prüm. Der junge Angeklagte ist gebürtiger Mönchengladbacher, türkischer Staatsangehöriger und passt nicht ins Klischee vom typischen Serieneinbrecher. Ein normaler Vertreter seiner Altersgruppe, durchaus redegewandt, der auf der Straße nicht auffallen würde.
Doch was Staatsanwalt Christian Schmidt ihm am ersten Verhandlungstag vorwirft, ist heftig: 53 Einbrüche in Schulen, Kindergärten, öffentliche Einrichtungen wie Bäder und Sozialeinrichtungen, dazu Gaststätten, Apotheken, Arztpraxen und eine Spielhalle. Einen Teil der Taten habe der Angeklagte alleine begangen, bei anderen Einbrüchen seien Mittäter dabei gewesen. Die sind übrigens bekannt - gegen sie laufen gesonderte Verfahren.
Rund eine Dreiviertelstunde benötigt Staatsanwalt Schmidt, um alle Fälle vorzutragen. Doch der Angeklagte schüttelt während der Verlesung öfter protestierend den Kopf- soll heißen: "Nein, das war ich nicht!" Zuvor hat Pflichtverteidiger Christian Hölzer im Gespräch mit dem TV angekündigt, dass sein Mandant 18 der Fälle einräumen wird. Mehr aber nicht.
Was der Angeklagte zu seiner Vorgeschichte berichtet, ist wenig erfreulich: eine zerrüttete Familie in Mönchengladbach und Trennung der Eltern. Er lebt zunächst in der Eifel bei Mutter und Stiefvater. Nach der Hauptschule sei er zum leiblichen Vater zurück nach Mönchengladbach gezogen, erklärt er. Doch der habe ihn nur ausgenutzt.

Polizei zunächst ratlos


"Am Ende saß ich vor 10 000 Euro Steuernachforderungen, Stapeln von Verkehrsbußgeldern für das Auto und einem Berg unbezahlter Rechnungen", sagt der 24-Jährige. Aus Angst vor dem gewalttätigen Vater sei er zu den Großeltern nach Gerolstein geflüchtet. Dort habe er mit der Zockerei in Spielhallen begonnen, was zur Sucht geworden sei, für die "ich ständig Geld brauchte".
Nichts zu tun haben will er auch mit dem Großteil der aufgeführten Taten - das seien die Anderen gewesen, damit habe er nichts zu tun, erklärt er dazu. Ganz anders lief das direkt nach seiner Festnahme Ende Mai bei den polizeilichen Vernehmungen. Damals hatte er eingeräumt, an allen 53 "Brüchen" mitgewirkt zu haben. "Warum damals so und heute so?", fragt Vorsitzender Hardt. Antwort: "Weil die mir bei der Polizei gesagt haben, dass ein Urteil mit Bewährung drin sei, wenn ich alles gestehe - oder sieben Jahre Haft, wenn ich schweige". Man habe ihn so zwei Tage lang unter Druck gesetzt.
Der Beamte von der Polizeiinspektion Daun, der die Vernehmung geleitet hatte, weist diese Art von "Rechtsbelehrung" zurück: "Wir haben ihn normal auf seine Rechte hingewiesen und ihm sogar dringend geraten, einen Anwalt hinzuzuziehen. Doch das wollte er zunächst nicht." Eindrucksvoll schildert der Beamte die monatelange Einbruchserie aus Sicht der Polizei: "Wir wurden der Sache nicht mehr Herr und waren ziemlich ratlos." Allerdings seien einige Geschäfte und Einrichtungen damals mehrfach heimgesucht worden, woraus sich ein Ansatzpunkt für nächtliche Innenobservationen ergeben habe. In der Nacht zum 27. Mai platzte nach Angaben des Zeugen der Knoten: Während Beamte in einer schon zweimal betroffenen Arztpraxis lauerten, wurde in der darunterliegenden Apotheke eingebrochen. Der Täter - es war der nun Angeklagte - konnte zunächst flüchten, wurde aber dann festgenommen.
Die Kammer hat noch einen Zeugenmarathon vor sich: Schulleiter, Hausmeister, Geschäftsinhaber, Ärzte, Wirte und Vertreter der Verwaltung werden in Folgesitzungen über die Schäden in ihren Häusern berichten. Dies wird voraussichtlich bis Mitte Januar 2015 dauern.