Beleidigungen und Randale - Frau aus Hillesheim muss sich vor Gericht verantworten

Beleidigungen und Randale - Frau aus Hillesheim muss sich vor Gericht verantworten

In Wittlich steht eine Frau vor Gericht, weil sie betrunken randaliert haben soll. Ihre Lebensgeschichte ist tragisch.

Wittlich/Walsdorf Die Geschichte, die sich vor den Augen der Anwesenden bei der Verhandlung im Gerichtssaal 1 im Amtsgericht Wittlich entfaltet, spielt im September 2014 in Walsdorf: Eine junge, heute 25-jährige Frau aus Hillesheim besucht damals mit Bekannten eine Geburtstagsfeier. Schon bei der Ankunft sei sie angetrunken gewesen, berichtet die Angeklagte im Saal. Sie spricht mit leiser, unsicherer Stimme und knetet an ihrem Schal herum, während sie spricht. Auf viele Fragen des vorsitzenden Richters kann sie nicht antworten, es gibt viele Nachfragen.

Auf der Geburtstagsfeier soll sie deutlich über den Durst getrunken haben. Sie beleidigt und randaliert. Irgendwann wird es den Feiernden zu viel. Sie setzen die Frau vor die Tür. Die tritt eine Scheibe in der Tür ein und kriecht durch die Öffnung zurück. Spätestens jetzt ist der Spaß vorbei. Die Polizei wird gerufen, doch als die Beamten die Personalien der Hillesheimerin aufnehmen möchten, wird die endgültig zur Furie: Sie tritt um sich, beleidigt und bespuckt die Polizisten, sie beißt und wütet ohne Unterlass. Erst wird sie festgehalten, dann gefesselt und abgeführt. Auch unterwegs im Polizeiauto und in der Zelle beruhigt sich die Betrunkene nicht. Selbst bei ihrer Entlassung am Tag darauf beleidigt sie die anwesenden Polizisten. Die stellen fest, dass sie in der Zelle mit ihren Handschellen Obszönitäten und Beschimpfungen in die Tür geritzt hat.

So oder so ähnlich soll sich die Geschichte laut Verhörprotokollen und Zeugenaussagen abgespielt haben. An all dies hat die Angeklagten selbst nach eigenen Angaben keine Erinnerungen mehr.
Die Geschichte spielt im September 2014 in Walsdorf. Und beginnt doch eigentlich viel früher, denn die Lebensgeschichte der Frau ist tragisch. Ihren Vater kennt sie nicht, ihre Mutter stirbt an Krebs, als die Tochter 13 Jahre alt ist. Bei dem Ehepaar, das das Mädchen bei sich aufnimmt, bleibt sie nicht lange. Sie landet in der Jugendbildungsstätte Don Bosco in Jünkerath. Als Erwachsene schlägt sie sich mehr schlecht als recht durch. Eine Ausbildung muss sie abbrechen, weil sie keine Mitfahrgelegenheit zum Arbeitsplatz findet. "Warum haben Sie damals keinen Führerschein gemacht?", fragt sie der Richter. "Kein Geld", lautet die Antwort. Probleme mit Drogen habe sie zwar keine und auch alkoholabhängig sei sie nicht - "Aber Alkohol spielt ja doch eine gewisse Rolle in Ihrem Leben?", hakt der Richter nach. Ihre Antwort: "Sonst wäre ich nicht hier." Alkoholsüchtig sei sie aber nicht.

Erst seit einem Jahr hat sie eine richtige Arbeit. Nach vielem hin und her gehe sie inzwischen zu einem Sozialtherapeuten, auf eigene Kosten. Als die Bewährungshelferin im Zeugenstand über die schwierigen Lebensumstände seit ihrer Kindheit spricht, beginnt die Angeklagte zu weinen. Außer der Bewährungshelferin stehen nacheinander sieben Polizisten im Zeugenstand, die am fraglichen Tag mit der Frau zu tun hatten. Auch ein Gast der Feier soll verhört werden, der erscheint nicht. Unentschuldigt. Noch ist das Urteil nicht gesprochen. Dies soll bei einem zweiten Termin am heutigen Freitag um 11.30 Uhr in Saal 2 im Wittlicher Amtsgericht fallen.