Beliebt, bodenständig, bürgernah
Hillesheim · Von der politischen Bühne verabschiedet sich Hillesheims langjähriger Beigeordneter Klaus Blech (68). Ganz aufhören wird er aber nicht: Für und mit seiner "Rentnertruppe" will er sich weiterhin für die Stadt engagieren.
Hillesheim. "Komm noch ein Stück zurück. Noch etwas. Stopp! So, jetzt können wir den Rindenmulch runter schaufeln!" Es ist nicht so, als ob Klaus Blech (68) nach seinem Ausscheiden aus dem Arbeitsleben die Füße hochgelegt hätte. Im Gegenteil. Mit der von ihm vor einigen Jahren ins Leben gerufenen "Rentnertruppe", wie er die bis zu neun Menschen im Alter von 62 und 75 Jahren starke Kolonne nennt, hat er auch noch genug zu tun.
Derzeit bringt die schnelle Eingreiftruppe die zugewucherten Beete entlang des Parkplatzes zwischen Realschule und Augustiner-Kloster auf Vordermann. Doch nicht nur für Verschönerungsarbeiten sind die Jungs zu haben. Das haben sie eindrucksvoll unter Beweis gestellt, als sie für den VfL Hillesheim im Rahmen des Sportplatzumbaus einen Großteil der Pflasterarbeiten erledigt oder beim Umbau der Markthalle die Toilettenanlagen komplett selbst gebaut haben. "Da haben wir der Stadt rund 40 000 Euro gespart", sagt Blech.
Ein anderes Ehrenamt hat Blech nun aber endgültig an den Nagel gehängt. Die Kommunalpolitik. Nach 32,5 Jahren. Aus, wie er sagt, "familiären Gründen". Blech kommentiert das so: "Nun bin ich wirklich Rentner."
menschen ganz nah
Unter Stadtbürgermeister Martin Hank war er zweiter Beigeordneter, hat nach dessen Ausscheiden dessen Liste übernommen und unter seinem Namen fortgeführt. Unter Hanks Nachfolger Matthias Stein (CDU) wurde er erster Stadtbeigeordneter. Ein Posten, den der bodenständige Politiker bis zuletzt innehatte. Viele haben ihm in dieser langen Zeit zugetraut, ganz an die Spitze der Stadt zu rücken, einige haben ihn sogar gedrängt, gegen Stein anzutreten. "Aber das hätte bei mir zeitlich gar nicht hingehauen. In meinem Job war die 60-Stunden-Woche die Regel, und der Posten des Stadtbürgermeisters ist ein Fulltime-Job", sagt Blech und fügt hinzu, dass der "Mätti" das gut mache.
Sie seien zwar manchmal in der Sache aneinandergeraten, hätten sich alles in allem aber sehr gut verstanden. "Probleme gab es eigentlich immer nur, wenn die Mehrheitsfraktion (die CDU, der auch Stein angehört, Anmerkung der Redaktion) meinte, sie müsse selbstherrlich Entscheidungen treffen, ohne die anderen einzubinden. Da habe ich auch schon einmal auf den Tisch gehauen und mit der Kommunalaufsicht gedroht. Und schon waren wir wieder im Gespräch", erinnert sich Blech und schmunzelt.
Noch ein anderer Umstand lässt ihn auch noch im Nachhinein frohlocken. Er erzählt: "Mätti Stein hat immer mal wieder gefrotzelt, dass ich bei einer Wahl sowieso keine Chance gegen ihn hätte. Als ich bei der Kommunalwahl 2004 dann aber mit 11 000 Personenstimmen das beste Ergebnis von allen erzielte und sogar gut 1500 Stimmen vor dem Stadtbürgermeister lag, hat er mit dem Thema nicht mehr angefangen."
Ein Grund für Blechs Beliebtheit: seine Bürgernähe. Er selbst umschreibt das so: "Ich war schon immer ein in der Bevölkerung verwachsener Mensch. Ich habe oft Entscheidungen des Stadtrats mit vielen einzelnen Bürgern diskutiert, sie gerechtfertigt und auch verteidigt."
Etliche Themen sind während und durch Blechs Wirken in Angriff genommen worden, eines ist bislang aber nicht realisiert worden: die Ortsumgehung von Hillesheim. "Die hätte ich gerne noch miterlebt, denn ich bin nach wie vor felsenfest davon überzeugt, dass Hillesheim sie braucht. Die Innenstadt leidet sehr unter dem Verkehr."
Es gibt aber auch Dinge, die ihn mit Freude erfüllen. Allen voran die Entwicklungen in den beiden Hotels. Blech sagt: "Ich bin richtig begeistert, wie es läuft."
Wenn man samstagabends nur noch schwer einen freien Tisch im Hotelrestaurant bekommt, oder in der benachbarten Pizzeria mittags mal eben 30 Leute einer Krimitour essen, dann sind das für Blech "positive Entwicklungen, mit denen vor vier, fünf Jahren noch niemand gerechnet hat".
Daher sei es auch die richtige Entscheidung der Stadt gewesen, zunächst das Augustiner-Hotel für 500 000 Euro zu ersteigern und dann weitere gut zwei Millionen Euro in dessen Sanierung zu stecken und verpachtet zu haben. "Zum Glück an einen guten und bodenständigen Partner", lobt Blech die Betreiber. Dennoch ist er der Meinung, dass langfristig an den Verkauf des Hauses gedacht werden müsse, "denn es ist nicht Aufgabe einer Stadt, ein Hotel zu betreiben".
Es sei aber Aufgabe einer Stadt, handlungsfähig zu bleiben. Dazu gehöre neben einer ordentlichen Finanzausstattung (die Blech ebenfalls anmahnt, siehe Extra) eben auch, junge Leute für die Kommunalpolitik zu begeistern.
Ein Patentrezept, wie das gelingen kann, hat der erfahrene Kommunalpolitiker nicht. Er sagt nur: "Auch wenn das Geld knapp ist: Es gibt viele Dinge, die in einer Kommune bewegt werden können. Beispielsweise das Naherholungsgebiet Bolsdorfer Tälchen. Da haben anfangs auch viele gesagt: Das wird nie was. Jetzt haben wir es, und seit Jahren macht es vielen Menschen schon eine Freude."
Tops: Diese politischen Entscheidungen und Entwicklungen, die Klaus Blech miterlebt oder mitgeprägt hat, sind für ihn top: Stadtsanierung, Bau der Markthalle, Bau des Golfplatzes, Kauf, Sanierung und Neuverpachtung des Hotels Augustiner-Kloster, Wander- und Krimiboom durch Eifelsteig und die Krimi-Infrastruktur in Hillesheim, Bereitstellung von genug Bauland. Flops: Diese Entwicklungen und Entscheidungen nennt Klaus Blech Flops: trotz langer Planung noch keine Realisierung der Ortsumgehung von Hillesheim sowie damit zusammenhängend: Verkehrsprobleme in der Innenstadt, Niedergang des Hillesheimer Viehmarkts, kaum noch Handlungsspielraum einer Kommune wegen mangelhafter Finanzausstattung und zunehmender Aufgabenübertragung von oben nach unten. mh