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Berndorfer Wehrkirche ist 900 Jahre alt

Ein kunsthistorisches Schmuckstück feiert Jubiläum : Kein Jubelfest, dafür aber eine neue Beleuchtung

Die Tatsache, dass der Ort Berndorf bei Hillesheim (Landkreis Vulkaneifel) vor 900 Jahren erstmals urkundlich erwähnt wurde, lenkt den Blick auf die ebenso alte Wehrkirche. Zum Jubiläum bekommt sie demnächst eine moderne LED-Lichtanlage.

„Die Alte Wehrkirche St. Peter ist ein Wahrzeichen von Berndorf, das es zu erhalten gilt.“ Diese Feststellung, die im Jahr 1995 zur Gründung eines Fördervereins führte, sei auch heute noch das Gebot der Stunde, betonen der Vorsitzende Günter Leyendecker und der Schatzmeister Jürgen Berg, als sie unserer Zeitung das Bauwerk vorstellen.

Erfreut sind der Ur-Berndorfer (Leyendecker) und der Neubürger (Berg) gemeinsam mit den weiteren Vorstandsmitgliedern (siehe Info), dass dem Verein in den vergangenen Wochen 17 neue Mitglieder beigetreten sind und dass sich ihre Zahl damit auf über 70 vergrößert hat.

„Das kommt uns gerade recht“, erklären die beiden. Denn es stehen die Beteiligung an der Finanzierung der LED-Umrüstung von Scheinwerfern und Außenlampen sowie ein neuer Außenanstrich auf der Agenda des Vereins. Immerhin befindet man sich quasi in einem doppelten Jubiläumsjahr. Der Förderverein besteht seit einem Vierteljahrhundert, und Berndorf und die Wehrkirche wurden vor 900 Jahren erstmals urkundlich erwähnt.

   Die Wehrkirche sei das kunsthistorische Schmuckstück der Gemeinde – „weithin sichtbar, der Betriebsamkeit dieser Zeit ein wenig entrückt“, schreibt der aus Berndorf stammende Regionalhistoriker Hans-Gregor Adrian (Lohmar-Heide) in einem Heft aus der Reihe über Rheinische Kunststätten.

Es sei „der gelungene Kontrast zwischen abweisender Wehrhaftigkeit und anziehender architektonischer Gestaltung“, der die Kirche so reizvoll mache, meint er. Und streift auch im aktuellen Jahrbuch des Landkreises Vulkaneifel durch die Geschichte des Dorfes und seines berühmten Wahrzeichens. Nach Adrians Recherchen wird die Kirche 1121 zwar zum ersten Mal urkundlich als Besitz der Abtei Steinfeld erwähnt, doch sei davon auszugehen, dass schon vorher ein Gotteshaus auf dem „Kirmesberg“ genannten Hügel gestanden habe.

    So wie sie heute ist, stammt die Kirche aus dem 16. Jahrhundert, als die zu klein gewordene Pfarrkirche um einen Chorraum und eine Sakristei (1513-1515) und einen Turm (1545) erweitert und das Kreuzgewölbe mit mittelalterlichen Ornamentmalereien (circa 1580) versehen wurden.

Mehr als 800 Jahre lang diente die Kirche der Gemeinde als Pfarrkirche. 1927 trat eine neue Kirche an ihre Stelle. Geblieben sind der Alten Wehrkirche drei Funktionen: als die Gedenkstätte für die im ersten und zweiten Weltkrieg Gefallenen der Gemeinde, als Friedhofskirche mit Aufbahrungsraum und als Wahrzeichen Berndorfs. „Nicht nur als Gebäude muss die Alte Wehrkirche erhalten und gepflegt werden, sondern auch als kulturelles Erbe“, betonen der Vorsitzende und der Schatzmeister des Fördervereins. 

   Mehr als 70.000 Euro hat der Verein bisher investiert – unter anderem in die Außen- und Innenputzsanierung, die Dachreparatur, die Restaurierung des historischen Hochaltars und des barocken, eichenen Kirchengestühls. Zwei neue Außentüren wurden angeschafft. Und eine Schließanlage, so dass die Kirche automatisch jeden Morgen um 9 Uhr geöffnet und abends um 20 Uhr abgesperrt wird.

„Das ist nicht nur für die Einheimischen von Vorteil, sondern auch für die unzähligen Wanderer, die den unmittelbar vorbeiführenden Eifelsteig für einen Besuch der Alten Wehrkirche verlassen“, erklärt Jürgen Berg. Dann könnten sie sich im Vorraum über die Geschichte und Ausstattung informieren und durch eine Gittertür in die kleine Saalkirche schauen.

Der Fördervereinsvorsitzende Günter Leyendecker (rechts) und der Schatzmeister Jürgen Berg (links). Foto: tv/Brigitte Btetscheider
Wertvolle Deckenmalereien schmücken die Kirche. Foto: tv/Andreas Paul

Corona-bedingt findet 2021 die ursprünglich vorgesehene 900-Jahr-Feier nicht statt. „Wir beginnen aber in Kürze mit der Planung ‚900 plus eins’, sagt Günter Leyendecker. Dann treffen sich - voraussichtlich per Videoschaltung -Vertreter der Kirchengemeinde und der Ortsgemeinde sowie aller Berndorfer Vereine. Und haben allesamt eines im Sinn: den Erhalt ihrer Alten Wehrkirche St. Peter.