Berufsbildende Schule Gerolstein geht mit Flexibilität gegen sinkende Schülerzahlen an

Bevölkerungsentwicklung : Flexibel gegen sinkende Schülerzahlen

Der demografische Wandel macht den Bildungsstätten im ländlichen Raum zu schaffen: Schüler und Auszubildende werden zunehmend zur seltenen Spezies. Die Berufsbildende Schule (BBS) Gerolstein hält mit einem ausgeklügelten Konzept dagegen.

Die negativen, aber auch die durchaus positiven Seiten der auf den Kopf gestellten Alterspyramide zeigen die davon Betroffenen selbst auf: Schüler der BBS Gerolstein haben für den Demografietag die Ursachen  und die Folgen einer überalterten Bevölkerung zusammengetragen und Schlagworte dazu an einen „Demografiebaum“ geheftet.

Ihr Fazit fällt zunächst düster aus: „Dörfer sterben, Geburtshäuser schließen, nötige Infrastruktur wird langsamer ausgebaut und das Bildungsangebot in ländlichen Regionen wird zentralisiert.“ Weitere Wege zu Ausbildungsplätzen und zur Berufsschule seien damit vorprogrammiert. Doch die Situation eröffne auch Chancen, heißt es: „Genau vor unserer Haustür sitzen große und international tätige Unternehmen, die händeringend Fachkräfte suchen. Die guten Ausbildungsmöglichkeiten und die geringe Konkurrenz auf dem Arbeitsmarkt sind Gründe, in der Eifel zu bleiben.“

Für die konstant hohe Qualität des Ausbildungsangebots trotz schwindender Schülerzahlen setzt sich die Berufsschule Gerolstein seit Langem ein: „Wir haben in den vergangenen Jahren im Rahmen des Schulversuches BS20 einige Maßnahmen erarbeitet und umgesetzt“, sagt Schulleiter Günther Karst. Die Kopplung unterschiedlicher Lerngruppen habe für Synergieeffekte gesorgt, erklärt Karst. „Damit haben beispielsweise die Lerngruppe Technik der Berufsoberschule und die Fachstufenklassen der Industrie-Elektroniker in einzelnen fachbezogenen Bereichen gemeinsamen Unterricht erhalten.“Die Kopplung habe auch in den klassischen Schulfächern gut funktioniert: „Französischunterricht oder Religion sind jahrgangsbezogen möglich, so ließen sich Klassen problemlos zusammenlegen.“

Die Planung und Durchführung der Maßnahmen habe hohen Teamgeist und Flexibilität im Lehrerkollegium erfordert, sagt Karst. „Wir haben in den vergangenen Jahren die gesamte Schule umgekrempelt – und damit gute Ergebnisse erzielt.“ Viel Wert sei auf die reibungslose Zusammenarbeit mit den Ausbildungsbetrieben gelegt worden, erzählt der Schulleiter.

„In der BBS sind insgesamt 30 Ausbildungsberufe vertreten. Alle Veränderungen im Schulbetrieb müssen letztendlich auch mit den auszubildenden Betrieben abgeglichen werden.“

Einen LKW im Klassenzimmer findet man wohl nur in der Berufsschule Gerolstein. Beim Demografietag in der BBS ging es um Konzepte, die Lernqualität trotz sinkender Schülerzahlen auf konstant hohem Niveau zu erhalten. V.l.n.r.: Schulleiter Günter Karst, erster Kreisbeigeordneter Alois Manstein, Bildungsministerin Stefanie Hubig, Udo Schröder, Betriebsleiter bei MAN Gerolstein. Foto: Vladi Nowakowski

Zum Schulversuch BS20 gehöre selbstverständlich auch ein Schritt in Richtung der Digitalisierung des Schulbetriebs, sagt Günter Karst. Auch hier habe die BBS das Klassenziel fast schon erreicht: elf Computerräume mit je 17 bis 21 PC-Arbeitsplätzen, Computer, Beamer und Dokumentenkameras in allen Klassenräumen, 80 ausleihbare Laptops und 20 IPads stehen den Schülern zur Verfügung. Zudem gibt es Schulungen im Bereich unterschiedlichster Software.

„Ausbildung und Arbeitsplätze sind in der Fläche besonders wichtig“, sagt Landesbildungsministerin Stefanie Huber, die die BBS Gerolstein im Rahmen der vierten Demografiewoche in Rheinland-Pfalz besucht. „Nur so kann die Zukunft der Region gesichert werden.“ Die BBS Gerolstein schaffe den Blick über den Tellerrand, sagt die Ministerin, indem die Schule beispielsweise in Sachen digitaler Zusammenarbeit mit den Ausbildungsbetrieben ein Vorbild für andere Bildungsstätten sei. „Nicht nur damit ist die BBS Gerolstein eine der besten Schulen des Landes. Ich bin sicher, sie schafft es auch, die Herausforderungen durch den demografischen Wandel zu bewältigen.“

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