Besuch bei "Schufti"

EIFEL. Halbzeit beim TV -Krimi-Rätsel, geschrieben von Ralf Kramp. Im heutigen Kapitel führt es Ralf Sevenich zum dritten Schuldner nahe Pelm. Ob er der Mörder ist?

"Ihre Frage nach der Tatwaffe beantwortete ich ausweichend: "Vermutlich ein Messer oder etwas ähnliches." Sie schüttelte sich. "Dieser Gruehn hat irgendwie rausgekriegt, dass ich früher, als ich in Köln lebte, ein paar Mal was in Kaufhäusern geklemmt hab‘. Richtig teure Unterwäsche und sowas. Ich glaube, er hatte einen Kaufhausdetektiv in der Bekanntschaft. Wenn sowas rauskommt…" Sie schenkte mir nach. "So ein fieser alter Sack. Wie der einen anstarrte. Hinter seiner fetten Brille waren die Äuglein winzig klein. Alles nur Schau bei ihm." "Sie waren verreist?" Sie nickte. "Fernost." Eine Katze schnürte um die Ecke und begrüßte sie maunzend. Frau Schlösser grub ihre Hände in das schwarze, glänzende Fell und sagte: "Geschäftsreise von der Firma in Prüm. Ich bin gestern Abend um sechs zum Abendessen in Tokio in die Maschine gestiegen und heute früh um Sieben zum Frühstück in Frankfurt angekommen. Und dann nonstop hierher. Ich bin wirklich verdammt müde." "Sind sie oft in Fernost?" Irmgard Schlösser schüttelte den Kopf. "Sonst bin ich eher in Südeuropa unterwegs." Ihr dunkler Teint schien dies zu bestätigen. "Gruehn hat mir sogar mal angeboten, ich könne meine Schuld bei ihm abarbeiten. Sex, wissen Sie? Vielleicht hätte ich mal drauf eingehen sollen. Dann hätte ich unter Umständen erfahren, wo er wohnt, und hätte mal stöbern können, ob er überhaupt was gegen mich in der Hand hat." Als sie nun ausgiebig gähnte, beschloss ich zu gehen. Es war bereits später Mittag, und ich würde mich beeilen müssen, die beiden anderen Verdächtigen noch am heutigen Tag aufzusuchen. Trotz des Feuers konnte es der Polizei vielleicht gelingen, hinter Gruehns Geheimnis zu kommen. Ich hatte nur diese eine Chance, den wahren Mörder zu finden. Als nächstes fuhr ich nach Gerolstein. Die Sprudellaster tuckerten enervierend langsam vor mir her. Ein paar Sträßchen und ein paar staubige Wirtschaftswege von der Löwenburg entfernt in Richtung Pelm fand ich das Domizil von Anton Molitor, der auch unter dem Namen "Schufti" bekannt war. Das Gehöft war alt und nicht besonders gut in Schuss. Der alte Mist lag zu monumentalen Bergen aufgehäuft im Hof. Als ich schellte, geschah zunächst überhaupt nichts. Dann rief ich Molitors Namen, denn ich war mir sicher, dass er zuhause war. Sein roter Kombi stand vor der Garage und der Motor war noch warm. Schließlich rief ich den Namen von Arno Gruehn, und plötzlich wurde die Haustür aufgerissen, und im nächsten Moment kam eine geballte Faust auf mein Gesicht zugeflogen." Am Samstag folgt das sechste Kapitel.

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