Besuchen, begleiten, Zeit schenken

Besuchen, begleiten, Zeit schenken

Die ehrenamtliche Gruppe "Zeitschenker" am Regina-Protmann-Stift hat aus einem gemeinsamen Fond von Caritas und Hyundai 1000 Euro erhalten. Diese wurden zur Anschaffung eines motorbetriebenen Rollstuhls verwendet. Damit sind Spazier- und Einkaufsfahrten in Zukunft einfacher.

Kelberg. "Richtig schön" sei die Zeit mit Gertrud Reif gewesen, sagen Hannah Eich (13) und Melina Mauren (12). Vor zwei Jahren hatten die beiden Freundinnen die damals 83-Jährige kennengelernt, als sie mit einer Gruppe des Jugendtreffs das neue Seniorenhaus besuchten. Danach hatten Hannah und Melina "ihre" Gertud Reif im Regina-Protmann-Stift regelmäßig besucht, hatten sie mit dem Rollstuhl in den Park gefahren und sich zu ihr auf eine Bank gesetzt. "Sie hat uns von früher erzählt, Fotos von ihren Verwandten gezeigt, und wir haben viel zusammen gelacht", erzählen die beiden Mädchen. Als sie in diesem Frühjahr schließlich bettlägerig und kaum mehr ansprechbar gewesen sei, haben sie sie weiter besucht und ihr vorgelesen. "Ausgerechnet als wir im Urlaub waren, ist sie gestorben", sagt Hannah Eich traurig. Da habe sie eine Zeit lang gar nicht mehr ins Altersheim gehen wollen. Doch jetzt mache es wieder Spaß. "Wir besuchen neuerdings zwei Cousinen, die in einem Doppelzimmer wohnen", erzählen Hannah und Melina. "Die sind noch ziemlich gut drauf."

Ende 2009 sind die beiden Mädchen in den Kreis der 15 Ehrenamtlichen aufgenommen worden, die sich als "Zeitschenker" im Regina-Protmann-Stift engagieren (der TV berichtete).

Mobiler Hilfsmotor für Spazierfahrten



Eine ihrer Kolleginnen ist Adele Hens. Seit die 76-Jährige in ihrem Hotel kürzertritt, leitet sie jeden Dienstag von 15 bis 17 Uhr eine Spielegruppe in dem Seniorenhaus. "So eine Aufgabe hatte ich schon lange im Sinn", sagt sie. Es mache ihr und ihren vier Mitstreiterinnen Spaß, und die Senioren nähmen das Angebot froh und dankbar an. Neben Einzelbetreuern wie Hannah Eich, Melina Mauren und Adele Hens, die mit vier weiteren Frauen die Spiele-Nachmittage gestaltet, gibt es weitere "Zeitschenker". So wechsle eine Gruppe sich darin ab, die Bewohner zu den Gottesdiensten in die Hauskapelle zu bringen, die Gottesdienste an ihrer Seite mitzufeiern und sie wieder zurück in ihre Zimmer zu begleiten, erläutert Schwester Regina. "Und aktuell absolvieren neun Firmbewerber aus einer Nachbarpfarrei ihr soziales Projekt als ,Zeitschenker' bei uns", berichtet sie.

Nun hat die Initiative "Zeitschenker" auch überregional Beachtung erfahren. Aus einem Fond der Hyundai Motor Deutschland GmbH und des Caritas-Diözesanverbands Rottenburg-Stuttgart erhielt das Regina-Protmann-Stift als eine von 22 Einrichtungen bundesweit 1000 Euro. Die Kelberger schafften von dem Geld einen mobilen Rollstuhl-Hilfsmotor an. "Damit ist es einfacher für die Ehrenamtlichen, wenn sie die Bewohner mit dem Rollstuhl spazieren fahren", erklärte der Heimleiter Michael Förster. Zur Entscheidung der Jury sagten der Caritas-Diözesanreferent Karl-Hans Kern (Stuttgart) und der Hyundai-Distriktsleiter Hermann Mayer (Neckarsulm): "Wir dachten, dass für so eine gebirgige Gegend wie die Eifel ein Hilfsmotor für einen Rollstuhl wie ein Geschenk des Himmels sei." Hyundai ist seit 2004 Partner der Caritas; in diesem Jahr heißt das gemeinsame Motto: "Sozial couragiert".

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