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Betonklotz im Dornröschenschlaf

Betonklotz im Dornröschenschlaf

Eine Exkursion zu einem besonderen Zeugnis deutscher Geschichte bietet der Rheinische Verein für Denkmalpflege (RVDL) am Samstag, 13. Oktober an. Roland Thelen führt die Besucher dann zur "Adenauervilla" in Duppach (Verbandsgemeinde Gerolstein), einer noch heute geheimnisumwitterten Ruine aus den 1950er Jahren.

Duppach. Die Geschichte klingt unglaublich, auch heute noch: Im Jahr 1955 stellte Friedrich Spennrath, Vorstandsvorsitzender der Firma AEG und Freund des damaligen Bundeskanzlers Konrad Adenauer, den Bauantrag für ein "Jagd-, Wochenend- und Gästehaus bei Duppach". Zehn Tage später waren die Pläne geprüft und genehmigt, weitere zwei Tage später stellte das Landratsamt Prüm die Baugenehmigung für das zwischen Duppach und Steffeln gelegene Grundstück aus. Kurze Zeit später begannen die Bauarbeiten für ein Gebäude mit drei Etagen, 600 Quadratmetern Wohnfläche, atombombensicherem Keller und Panoramablick über die Eifeltäler. "Dass das so schnell ging, war sehr ungewöhnlich", sagt Roland Thelen, der am Samstag, 13. Oktober, eine Führung zur "Adenauervilla" anbietet (siehe Extra).
Offenbar sollte das Gebäude ein Geschenk für den Bundeskanzler sein. Das Projekt war streng geheim. Kurz nach dem Baubeginn berichtete allerdings ein TV-Redakteur über die mysteriöse Baustelle, weitere Zeitungen folgten.
Über Nacht wurden die Arbeiten gestoppt. Seitdem bröckelt die Ruine vor sich hin. "Ich habe vor 20 Jahren schon einmal eine Exkursion dorthin gemacht", erzählt Roland Thelen, "seitdem ist das Haus nur immer weiter zugewuchert." Als er vor einigen Tagen zur Vorbereitung noch einmal hinfuhr, staunte er nicht schlecht: "Viele Wanderer haben die Adenauervilla gesucht, weil sie in einem Krimi von Jacques Berndorf vorkommt". Der Autor ließ seine Hauptfigur Siggi Baumeister in "Eifel-Jagd" in der alten Ruine Unterschlupf suchen.
Spekulationen über Baustopp


Roland Thelen geht es mehr um das Gebäude selbst und um seine mysteriöse Entstehungsgeschichte. So half Adenauers Tochter bei der Suche nach dem Standort, Architekt war ihr Mann und somit Adenauers Schwiergersohn Heribert Multhaupt. Darüber, warum der Kanzler letztendlich nicht einzog, gibt es verschiedene Spekulationen: Lag es an den Zeitungsartikeln, wollte Adenauer den Bau von Anfang an nicht oder stoppte der neue AEG-Vorstand das Projekt? "Wir wissen es nicht. Aber das Haus ist heute immer noch genauso spannend wie vor 20 Jahren", sagt Roland Thelen.Extra

Die Exkursion des Rheinischen Vereins für Denkmalpflege findet am Samstag, 13. Oktober statt. Die Teilnehmer treffen sich um 14 Uhr vor der Pfarrkirche in Duppach. Von dort geht es mit Autos zu einem weiteren Sammelpunkt, der für nicht Ortskundige schwer zu finden ist. Von dieser Stelle aus wandern die Teilnehmer circa 20 Minuten unter der Leitung von Roland Thelen durch den Wald zur Ruine. Die Exkursion ist kostenlos, die Organisatoren empfehlen wetterfeste Wanderkleidung. Für eine bessere Planung ist zudem eine Anmeldung bei Hans Esten unter Telefon 06591/4436 in Gerolstein erforderlich. mem