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Bewährungsstrafe für Mitfahrt im Dealer-Auto

Justiz : Bewährung für Mitfahrt im Dealer-Auto

Mit einem milden Urteil wegen Beihilfe zum Rauschgifthandel hat eine junge Frau aus der Vulkaneifel das Landgericht Trier verlassen. Das Urteil ist rechtskräftig. Für ihren Ex-Freund dürfte die Sache demnächst enger werden.

Bei einer Verkehrskontrolle in Daun ging der Polizei im September 2016 ein auffälliges Paar ins Netz. Im Wagen befanden sich größere Sortimente verschiedener Drogen, zwei Luftgewehre nebst Munition, ein griffbereit angebrachter Schlagstock, ein Messer im Handschuhfach und ein Messer in der Jacke des Fahrers, griffbereit untergebracht in einer eigens eingenähten Messertasche. Zudem saß auf dem Rücksitz noch eine Minderjährige – die Stieftochter des Fahrers. Die Sache endete mit einer Anklage vor dem Landgericht. Der Vorwurf gegen Fahrer und Beifahrerin lautete auf bewaffneten Rauschgifthandel. Über das Auto wird der Vorsitzende Richter Armin Hardt später sagen: „Mit dieser Ausstattung war der Wagen ein rollender Rauschgiftladen mit Bewaffnung.“

Zwei Tage hatte die Dritte Große Strafkammer angesetzt. Doch der Hauptangeklagte war bereits am ersten Tag nicht da. Er hatte ein Attest geschickt. Am zweiten Verhandlungstag ließ er aus der Psychiatrie-Abteilung eines Krankenhauses grüßen, in die er sich selbst eingewiesen hatte. Er leide unter „depressiver Erschöpfung“ und könne nicht kommen. Daraufhin trennte die Kammer sein Verfahren ab und verhandelte weiter gegen die Ex-Freundin. Denn Mann erwartet nun ein Haftbefehl.

Die junge Frau präsentierte an den zwei Tagen ein durchaus positives Bild: Sie hatte die Liaison mit dem Mann aus der Drogenszene beendet und selbst dem Drogenkonsum entsagt. Sie arbeitet heute in einem Altenheim. Die Tätigkeit gefalle ihr sehr, erklärt sie. Ihr Kommentar zum Thema Drogen: „Das bringt mir nichts und schadet nur.“ Und ihren damaligen Freund habe sie auf den Dealertouren im Auto nur begleitet, um auf ihn aufzupassen, denn „der war meistens zugedröhnt und drohte immer am Steuer einzuschlafen“. Am Drogenhandel selbst sei sie weder aktiv noch finanziell beteiligt gewesen.

Das Strafmaß für bewaffneten Drogenhandel liegt im Regelfall zwischen fünf und 15 Jahren Haft. Doch Staatsanwältin Katrin Schneider-Oberbeck warf die positiven Aspekte der Angeklagten in die Waagschale und ging von einem minder schweren Fall aus. Ihr Antrag: Eineinhalb Jahre Haft auf Bewährung. Dem schloss sich Verteidigerin Martha Schwiering an, die um ein „mildes Urteil“ bat.  So sah es dann auch die Kammer mit ihrer Entscheidung: dreieinhalb Jahre. Die Strafe bleibt aber für drei Jahre zur Bewährung ausgesetzt. In dieser Zeit wird die Angeklagte einem Bewährungshelfer unterstellt und muss sich regelmäßig einem sogenannten Drogenscreening unterziehen, bei dem erneuter Rauschgiftkonsum sofort festgestellt würde.

„Indem sie den Freund bei seinen Drogentouren begleitete, hat die Angeklagte psychische Beihilfe geleistet, denn sie bot ihm dadurch ein Gefühl der Sicherheit“, erklärte der Vorsitzende Richter Armin Hardt.

Nicht gelten lasse das Gericht den Einwand der Angeklagten, dass man bei der fraglichen Fahrt im November 2016 nur ein Schulheft für die Stieftochter habe kaufen wollen. Hardt: „Dieses Auto war mit voll mit fertig abgepackter Ware, 300 Euro Wechselgeld in der Kasse, und das ganze bewaffnet bis an die Zähne.“ Egal ob sie nur ein Schulheft kaufen wollten oder nicht – dieser Wagen sei für den Drogenhandel komplett ausgestattet gewesen. Eine bewusste Mitfahrt darin reiche schon für eine Verurteilung aus.

Die Angeklagte nahm das Urteil an, es ist somit rechtskräftig.