Biologin findet seltene Flechtenart in der Eifel bei Daun

Kostenpflichtiger Inhalt: Natur : Das Flechten-Wunder an den Maaren

Julia Oster findet an den Augen der Eifel eine in Deutschland fast ausgestorbene Flechtenart. „Cyphelium tigillare“ wächst sonst nur in alpinen Höhenlagen, in Skandinavien und den Rocky Mountains.

Viele Menschen dürften an diesen Holzbalken des morschen Zaunes schon vorbeigelaufen sein, ohne dass sie ihnen Beachtung geschenkt haben. Darauf sind Flechten zu sehen – so weit nichts Besonderes, fallen Flechten doch fast überall ins Auge (siehe Info). Sie wachsen auf Fels, Holz, Metall und sogar Plastik. Man könnte glauben, Flechten sind überall – und klar auch an den Maaren sind sie zu finden..

Julia Oster war mit dieser Beobachtung nicht zufrieden. Die 25-Jährige studierte bis vor einem Jahr Biologie und Ethik für das Lehramt Gymnasium und wollte es genauer wissen. Sie stand kurz vor dem Ende ihres Master-Studiums an der Universität Koblenz-Landau und suchte ein Thema für ihre Abschlussarbeit. „Ich wollte sie im Bereich Biologie schreiben und musste mich entscheiden, ob ich über Tiere oder über Pflanzen forschen wollte“, sagt Julia Oster im TV-Gespräch.

Nach einer Recherche fiel ihr auf, dass es keine systematische Kartierung von Flechtenvorkommen an den drei Dauner Maaren gibt. Also machte sie sich an die Arbeit und suchte zahlreiche Plätze auf, um nach vorgegebenen Kriterien Flechten zu erfassen und zu bestimmen.

„Und plötzlich stand ich an diesem alten Zaun und sah eine Flechte, mit der ich an diesem Ort nicht gerechnet habe“, erzählt Julia Oster über den Moment, als sie das erste Mal die Flechte „Cyphelium tigillare“ sah. Schnell war sie sich sicher, dass es sich bei den „grünen Knubbeln mit schwarzem Punkt in der Mitte“ um die in Deutschland so gut wie ausgestorbene Flechtenart handeln könnte. „Kartiert ist sie sonst nur noch für einige alpine Bereiche in Baden-Württemberg“, sagt Julia Oster. Ansonsten sei sie in Deutschland so gut wie ausgestorben. Wer sie sonst sehen will, wird am ehesten  in Skandinavien oder in Nordamerika fündig. Aber wegen der Beschreibung der Flechtenart in ihrem Bestimmungsbuch war sich Julia Oster ziemlich sicher, dass es sich um diese Art handelt.

„Ich habe dann mit Dr. Dorothee Killmann und Prof. Dr. Eberhard Fischer vom Institut für Integrierte Naturwissenschaften an der Universität Koblenz-Landau, die meine Abschlussarbeit betreut haben, den Fund nochmal genauer untersucht“, erzählt Julia Oster weiter. Das Team um Killmann/Fischer hat auch schon Flechten im Nationalpark Hunsrück-Hochwald kartiert. Dabei machte es schon einmal einen Sensationsfund: Im Jahr 2018 entdeckte es mit der Hunsrück-Warzenflechte (Verrucaria hunsrueckensis) eine bis dahin noch nicht beschriebene Flechtenart (der TV berichtete).

An der Universität seien dann noch einige Spezialuntersuchungen am Mikroskop und mithilfe einer DNA-Datenbank gemacht worden, die „den Sensationsfund an den Dauner Maaren“ bestätigt haben, sagt Julia Oster. Veröffentlicht wird der Fund demnächst in der Fachzeitschrift Decheniana  des Naturhistorischen Vereins der Rheinlande und Westfalens. Diese publiziert einmal pro Jahr naturwissenschaftliche Originalarbeiten aus den Gebieten der Zoologie, Botanik und Geowissenschaften, die Bezug zur Region haben.

An diesem alten Zaun bei den Dauner Maaren hat Julia Oster die Flechte „Cyphelium tigillare“ gefunden. Foto: Julia Oster
Julia Oster am Schalkenmehrener Maar. Foto: Julia Oster

Und was bedeutet dieser Fund für Julia Oster, die zurzeit als Vertretungskraft an der Realschule plus in Kelberg arbeitet, persönlich? „Ich persönlich habe mich extra für eine Forschungsarbeit entschieden. Es macht mich stolz, dass ich diesen sensationellen Fund in meiner Heimat gemacht habe. Die Arbeit war ein toller Abschluss für mein Studium.“

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