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Biomüll sorgt weiter für dicke Luft im Kreis Vulkaneifel

Kostenpflichtiger Inhalt: Abfallwirtschaft : Biomüll sorgt weiter für dicke Luft

Nach der Rücktrittsforderung an den Landrat entzweien sich die beiden Gruppierungen der Biotonnen-Befürworter. Am Donnerstag sollen die Unterschriftenlisten des ersten Bürgerbegehrens in der Kreisverwaltung abgegeben werden.

Die letzten Biotonnen im Kreis Vulkaneifel sind nach mehr als 20 Jahren geleert worden, die Bürger nutzen bereits erstmals die neuen Biotüten, die sie zu den mal mehr, mal weniger flächendeckend aufgestellten Sammelcontainern bringen, die offiziell ab 1. Januar 2020 im Einsatz sind. Aber von Normalität ist der Systemwechsel noch längst nicht geprägt. Es gibt bereits unschöne Bilder von überquellenden Sammelcontainern wie am Bauhof der Stadt Daun, noch immer trauern viele Bürger aus dem Kreis dem Verlust „ihrer“ Biotonne vor der eigenen Haustür nach, und zahlreiche Menschen unterstützen (zumindest mit ihrer Unterschrift) die Bemühungen von derzeit zwei Initiativen, die alten braunen Tonnen doch wieder zu reaktivieren.

Die Interessengemeinschaft (IG) Biotonne, vertreten durch Ingrid Wesseler aus Daun und Stephan Müllers aus Altrich, macht in einem aktuellen Schreiben an die Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion (ADD) und das Kreisveterinäramt Daun auf seuchenhygienische Bedenken im Rahmen der Umsetzung des „Trierer Modell Plus“ (Biotüte und Sammelcontainer) aufmerksam. In dem Schreiben heißt es: „Wir bitten Sie um fachliche Überprüfung seitens Ihres Hauses und um Abstimmung mit der Struktur- und Genehmigungsdirektion Nord, die derzeit eine abfallrechtliche Bewertung dieses Sammelsystems im Rahmen einer wissenschaftlichen Evaluation durchführt.“

Nach Erfahrungen der IG zeigt es sich wiederholt, dass sich „aufgrund von Überfüllungen und unsachgemäßer Nutzung Speisereste und Küchenabfälle im größeren Umfang im Umfeld der Container ansammeln und erst bei einer der nächsten Leerungen beseitigt werden“.

Foto: TV/Mario Hübner

Die Standorte seien daher prädestiniert, Tiere wie Marder, Wildschweine, Füchse, Mäuse, Ratten, Katzen, Hunde, Vögel oder Ungeziefer anzulocken. Dadurch, so heißt es weiter, werde eine Verbreitung von Krankheitserregern oder anderen Tierunverträglichkeiten begünstigt. Als aktuell massive Gefahrenquelle sehen die IG-Leute die Begünstigung der Ausbreitung der afrikanischen Schweinepest (ASP).

Zur Verdeutlichung hat die IG auf ihrer Facebook-Seite ein Fotoalbum mit Bildern aus der Region Trier angelegt, die ihnen Nutzer zugeschickt haben. Darauf zu sehen sind überfüllte Sammelcontainer, Container mit ringsum abgestellten Sammeltüten voller Speisereste und Biomüll sowie vor Containern hingeworfener Biomüll. Die IG hatte zudem bereits vor Weihnachten angekündigt, ein Bürgerbegehren zum Erhalt der Biotonne im Kreis Vulkaneifel auf den Weg zu bringen.

Das haben die Biotonnen-Befürworter der Gruppierung „Mehr Bürgerwille“ um Karl Hüppeler aus Esch bereits getan. Sie kündigen an, die gesammelten Unterschriftenlisten am Donnerstag, 2. Januar, um 16 Uhr in der Kreisverwaltung in Daun abzugeben. In einem offenen Brief an Landrat Heinz-Peter Thiel bitten sie den Landrat, „Tische in einer Räumlichkeit des Kreishauses zur Verfügung zu stellen. Dort soll dann gemeinsam mit Ihnen und Vertretern von ,Mehr Bürgerwille´ sowie der Presse die Anzahl der abgegebenen Unterschriften festgestellt und von Ihnen bestätigt werden“.

In einem vorherigen offenen Brief kurz vor Weihnachten hatte Hüppeler als Sprecher der Initiative wegen des Abfallthemas den Rücktritt von Landrat Thiel gefordert. Begründet hatte er dies damit, dass Thiel Fragen zum Abfallkonzept nicht innerhalb der von der Gruppe gesetzten Frist beantwortet hatte. Der wiederum hatte, weil nicht zuständig, die Fragen an den Zweckverband ART weitergeleitet und der Gruppe mitgeteilt, dass diese von dort beantwortet würden – so seine Aussage gegenüber dem TV. Und hinzugefügt: „Aber da muss man derzeit auch mal 14 Tage Geduld haben. Es ist Weihnachtszeit.“

Ingrid Wesseler, Sprecherin der Interessengemeinschaft Biotonne, hat sich derweil klar von der Gruppierung „Mehr Bürgerwille“ distanziert. Auf der Facebook-Seite der IG mit inzwischen rund 2000 Mitgliedern lässt sie wissen, dass ihre IG mit der Rücktrittsforderung nichts zu tun habe. Konkret heißt es: „Solche sinnentleerten Forderungen kommen aus den Reihen der Organisation ,Mehr Bürgerwille’, die derzeit mit faktenfreien und nicht gesetzeskonformen Forderungen Unterschriften sammelt.“ Und weiter: „Uns geht es um die Sache und nicht um Köpfe.“ Es sei nicht Stil der IG, den Landrat vorzuführen. Vielmehr würde die IG mit allen Politikern reden, sachlich und zielorientiert.

Darüber hinaus geht sie davon aus, dass die Petition von „Mehr Bürgerwille“ von der Verwaltung abgeschmettert werde, da sie „fehlerhaft“ sei. Sämtliche Nachrichten der Mitbewerber auf der eigenen Facebook-Seite, so kündigt Wesseler an, „werden wir ohne weitere Rücksprache löschen“. Ein eigenes Bürgerbehren, so hatte es die Gruppe bereits vor Weihnachen angekündigt, solle im Januar gestartet werden.