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Birresborn: Gedenkgottestdienst mit traumatisierten Hochwasser-Opfern

Flutkatastrophe : „Mein Gott, ich habe jetzt Angst vor jedem Regen“ – Wie Eifeler Flutopfer im Gottesdienst mit ihren Gefühlen umgehen

Auf Initiative des Kreisverbands des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) fand in der Pfarrkirche in Birresborn ein ökumenischer Gottesdienst für die vom Juli-Hochwasser Betroffenen statt. Dabei spielte ein aus Treibholz geschaffenes Kreuz eine Rolle.

Mit der Frage „Was brauchst du gerade?“ und mit der Zusage „Du stehst nicht alleine da“ brachte Silke Meyer in dem Gedenkgottesdienst ein halbes Jahr nach der verheerenden Flutkatastrophe zwei wesentliche Anliegen der DRK-Hochwasserhilfe auf den Punkt. Andere Mitwirkende  erinnerten an stressige Renovierungszeiten, an das Bewusstwerden des Verlusts von Erinnerungs- und Erbstücken und von Fotos und Dokumenten, an traumatische Erlebnisse von Helfern, aber auch an übergroße Anteilnahme, Hilfsbereitschaft und Solidarität von nah und fern.

Die Diplom-Pädagogin Silke Meyer ist seit dem 1. Dezember 2021 Koordinatorin der Hochwasserhilfe des DRK-Kreisverbands Vulkaneifel (siehe Hintergrund). Mit dem Gedenkgottesdienst hatte sie eine Idee ihres Kollegen Manfred Wientgen aufgegriffen und mit der Pfarrerin Sonja Mitze (Evangelische Kirchengemeinde Gerolstein-Jünkerath) und der Gemeindereferentin Anette Weber (Katholische Pfarreiengemeinschaft Gerolsteiner Land) zwei Frauen gewonnen, die, so resümiert sie nun, „in kürzester Zeit etwas ganz Großartiges auf die Beine gestellt haben“.

Dazu gehörte eine Dialogpredigt der beiden ebenso wie das Angebot an die Gottesdienstteilnehmer, auf Fußabdrücken aus Papier ihre Belastungen, Wünsche und Emotionen zu formulieren und diese vor einem Kreuz abzulegen, das Silke Meyer aus an der Kyll bei Birgel gefundenem Treibholz errichtet hatte. „Ich will nie wieder, dass so etwas passiert“, „Mein Gott, ich habe jetzt Angst vor jedem Regen“, „Meine schönsten Erinnerungen sind weg“, „Meine Katze ist weg“ und „Ich habe gar nicht genug Zeit, um alle Aufgaben zu bewältigen“ – so und ähnlich lauteten die Aufschriften.

Es habe den Betroffenen gut getan, innezuhalten, dem Ereignis noch einmal nachzuspüren und sich Schweres von der Seele zu schreiben, beobachtete Silke Meyer – „und bei dieser Gelegenheit auch Vernetzung mit anderen Akteuren aus dem Sozialraum Vulkaneifel auf den Weg zu bringen“, betonte sie.