Bissige Debatte um den Brunnen

Bissige Debatte um den Brunnen

Rund 200 Bürger haben am Mittwochabend beim TV-Ortstermin auf dem Rondellvorplatz in Gerolstein lebhaft über den künftigen Rondellbrunnen diskutiert. Drei Ergebnisse haben sich herauskristallisiert: Es gibt keinen Brunnen, der allen gefällt. Es gibt Projekte, bei denen die Bürger mitreden wollen. Und: Der Brunnen in seiner alten Form hat noch immer viele Fans.

Gerolstein. Das Wetter war gut, in Gerolsteins Innenstadt war richtig was los, und an der Eisdiele herrschte ein Betrieb wie selten. Grund waren aber nicht primär die kalten Köstlichkeiten, sondern ein heißes Eisen, mit dem viele Gerolsteiner zuletzt in Kontakt gekommen sind: der künftige Rondellbrunnen.
Die Diskussion um dieses noch nicht existierende Bauwerk nahm der Trierische Volksfreund zum Anlass, Bürger einzuladen, um mit Stadtbürgermeister Bernd May (parteilos), Andreas Stritzke, dem Initiator des Bürgerbegehrens gegen den bisherigen Ratsbeschluss in Sachen Rondellbrunnen, sowie Stadtkenner und Hobby-Historiker Karl-Heinz Böffgen über das Thema zu sprechen.
Mehr als 1000 Unterschriften


Rasch wurde klar, dass die Initiatoren des Bürgerbegehrens, die rasch mehr als 1000 Unterschriften gegen den Ratsbeschluss gesammelt hatten, zahlenmäßig in der Überzahl waren und dementsprechend Stadtbürgermeister May in der Defensive sein würde. Dennoch verlief die Debatte zwar teils bissig, aber nie unfair.
Denn Moderator Stephan Sartoris hatte gleich zu Beginn die Richtung vorgegeben: "Unsere Ziele sind es erstens, möglichst viele Bürger zu Wort kommen zu lassen, zweitens, den aktuellen Sachstand zu erläutern und drittens, Wege aufzuzeigen, wie es nun weitergehen kann." Der Blick zurück und vor allem gegenseitige Schuldzuweisungen, wer was wann gesagt oder falsch gemacht hat, sollten erst gar keinen großen Raum bekommen.
Alter Brunnen war beschädigt


Dafür sorgte TV-Moderatorin Juliane Renk, die stets die Diskussion vorantrieb und die Dinge auf den Punkt brachte. Beispielsweise mit der Frage: "Was würde den Gerolsteinern denn gefallen?"
Darauf antwortete Andreas Stritzke: "Der Brunnen sollte kommunikativ und ein Platz zum Verweilen sein, und Kinder sollten darin spielen können."
Ähnlich sah es sein Mitstreiter Thomas Regnery: "Für mich hat sich beim Bürgerbegehren und auch heute Abend klar gezeigt: Die Leute wollen so etwas wie den alten Brunnen wiederhaben - egal aus welchem Material."
Der war wegen der Neugestaltung der Hauptstraße abgebaut worden. Und dabei habe sich, so May, gezeigt, dass er schadhaft und nicht mehr ohne umfangreiche Sanierung zu verwenden sei.
Das stellten einige Besucher infrage. Was vielen aber besonders missfiel, war, dass mit dem Brunnen auch die Mutter-Kind-Skulptur vom Künstler Ulrich Henn (sowie seine Zeitungsleser-Figur am Rondell) mit abgebaut worden sind. Viele Gerolsteiner wollen die wiedersehen.
So auch Anita Niesen, die sagte: "Vielen Einheimischen und Gästen und vor allem den Kindern hat der Brunnen mit der Figur gefallen."
In die gleiche Kerbe schlug auch Alfons Zimmer. Er schlug vor: "Der Brunnen war gut. Man sollte ihn aus Granit neu aufbauen." Und Neubürger Rene Teeuwen aus den Niederlanden, selbst Innenarchitekt, meinte: "Der Brunnen sollte rund sein, um die Form des Rondells mit aufzunehmen. Und er müsste ein gutes Stück weiter zum Rondell hin gebaut werden, denn am jetzigen Platz wären die Kinder viel zu nah an der Straße."
Aber: Die kreisrunde Aussparung für den Brunnen ist bereits durch die neue Pflasterung des Platzes vorgegeben. Kommt nun doch ein anderes Bauwerk als das vom Ausschluss beschlossene oder wird der Standort verändert, muss der Platz wieder aufgerissen werden.
Viele Menschen, viele Vorschläge


Es wurde aber auch klar: viele Menschen, viele Vorschläge, viele Geschmäcker. Stadthistoriker Böffgen brachte das so auf den Punkt: "Einen Brunnen, der allen gefällt, wird es nie geben." Aber Böffgen gewann der Diskussion dennoch primär Positives ab.
Er sagte: "Die Bürger sind doch bereit, sich zu beteiligen. Das ist doch die gute Nachricht." Und dem Stadtrat gab er mit, künftig "besser die Ohren zu spitzen" und "aus dieser Aktion zu lernen"- vor allem vor dem Hintergrund, dass noch große Herausforderungen auf die Stadt zukommen. Stichwort Bahnhofsumbau.
Stadtbürgermeister May, der das Vorgehen des Stadtrats und somit auch seins damit rechtfertigte, dass er an "Beschlüsse gebunden gewesen" sei, zeigte auf, wie er weiter vorgehen will: erst Information des Stadtrats und dann der Bürger über das Bürgerbegehren, "und dann beschließen wir im Stadtrat eine Lösung".
Dafür gab es ebenso Buhrufe wie für seine Weigerung, die Menschen bereits beim TV-Ortstermin über die zwischenzeitlich erfolgte Prüfung des Bürgerbegehrens zu informieren. Von einer weiteren Bürgerbeteiligung: keine Rede.Meinung

Zurück auf null!
Vieles ist schief gelaufen in Sachen Rondellbrunnen: Die Auswahl war sehr begrenzt, die angebotene Beteiligung der Bürger wurde übers Knie gebrochen, die Meinungsbildung vieler Politiker erschien nicht sehr bemüht - das zeigen allein die Enthaltungen bei den Abstimmungen. Natürlich müssen Ausschuss und Stadtrat bei allen Bauvorhaben eine Bürgerbeteiligung voranschalten, schließlich würde das jedes Projekt hinauszögern. Zudem zeigt die Erfahrung, dass sich in der Regel nur eine Handvoll Interessierter miteinbringt - wenn überhaupt. Und doch gilt: ran ans Volk, Ohren spitzen, zuhören - anstatt sich hinter Paragrafen zu verstecken! Denn so bekommt man ein Gespür dafür, was die Menschen umtreibt, wo sie mitreden wollen. Diese Chance hat Stadtbürgermeister Bernd May beim TV-Ortstermin vertan. Aber es ist noch nicht zu spät. Wendet man dies auf die Brunnenfrage an, gibt es nur eine Richtung: zurück auf null, offenen Arbeitskreis auch für interessierte Bürger bilden, der eine breite Ausschreibung mit konkreten Kriterien vorbereitet. Ob er dann nur eine Empfehlung ausspricht oder letztlich auch entscheidet, ist nur zweitrangig. Dieses Vorgehen wird zwar wohl zusätzliches Geld und Zeit kosten, ein Ignorieren der vielen Protestierenden aber wird die Politik deutlich teurer zu stehen kommen. m.huebner@volksfreund.de

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