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Kirche
Noch viel Unentdecktes

Daun/Gillenfeld/Kelberg. Das Bistum auf Aufklärungstour: Die Mitglieder der Gremien der Pfarreiengemeinschaften Daun, Gillenfeld und Kelberg sind über die „Pfarrei der Zukunft“ informiert worden.

Ein eingängiges Bild hatte Weihbischof Franz-Josef Gebert an der Seite von Generalvikar Ulrich Graf von Plettenberg, Direktorin Mechthild Schabo (Zentralbereich „Pastoral und Gesellschaft“) und Christian Heckmann (Synodenbüro) zu Beginn der Veranstaltung mit mehr als 100 Haupt- und Ehrenamtlichen gezeichnet. So wie Flüsse und Bäche seit Jahrhunderten eine Landschaft prägten, habe es sich mit der Kirche in gesellschaftlicher Hinsicht verhalten. Doch während sich der Wasserstand der Flüsse nach dem bedrohlichen Absinken der Pegel in dem langen, trockenen Sommer vorigen Jahres durch ergiebigen Regen wieder normalisiert habe, werde „der Pegel des großen Flusses Kirche weiter sinken“, sagte Gebert.

Dennoch: Aus einer Krise könne etwas Neues entstehen, betonte der Weihbischof. Dazu beschrieb er die vier Perspektivenwechsel, die das Grundanliegen der Synode des Bistums Trier und der daraus folgenden Umstrukturierung zu 35 „Pfarreien der Zukunft“ seien: den Einzelnen in den Blick nehmen; Charismen entdecken, also Menschen, die mit ihrem Engagement das Evangelium lebendig machten; die neuen großen territorialen Räume zu Netzwerken entwickeln; möglichst viele beteiligen.

Um vier Kernpunkte ging es auch in dem Beitrag von Generalvikar von Plettenberg. Er skizzierte den Begriff „Orte der Kirche“ als umfassend vom christlichen Leben innerhalb einer Familie bis zum Wirken von kirchlichen Verbänden und anderen großen Einrichtungen. „Dazwischen spielt sich ganz viel ab und ist auch noch ganz viel Unentdecktes“, sagte er.

Mit der „Synodalversammlung“ wird ein neues Gremium geschaffen. Nach dem Grundsatz „Was alle angeht, soll auch von allen besprochen werden“ gehören in diese Versammlung die Delegierten aus den „Orten von Kirche“, aus jedem Verwaltungsteam und aus der Mitarbeitervertretung sowie die Seelsorger. Zu ihren wichtigsten Aufgaben zählen die Vernetzung und Beratung; und sie wählen zehn Mitglieder für den „Rat der Pfarrei“. In diesen Rat werden zehn weitere Mitglieder direkt gewählt und zwei berufen. Innerhalb des Rates gibt es einen Verwaltungsausschuss. Den Vorsitz des Rates hat der Pfarrer.

Alle Vermögen der heutigen Kirchengemeinden werden mit allen Rechten und Pflichten an die neue Kirchengemeinde überführt. Es finde keineswegs eine Enteignung statt, wie immer wieder deklariert werde, sagte von Plettenberg. „Die Herkunft der Vermögensteile werden dokumentiert und entsprechend bewirtschaftet, Orts- und Zweckbindungen bleiben erhalten“, betonte er.

Das jeweilige Leitungsteam besteht aus drei Hauptamtlichen (werden vom Bischof angefragt oder bekunden selbst Interesse) und bis zu zwei Ehrenamtlichen (werden vom „Rat der Pfarrei“ gewählt). Für die Pfarreien, die zum 1. Januar starten, werden die Teams im Herbst 2019 feststehen, für die anderen im Herbst 2020 oder 2021 (siehe Extra).

Zum weiteren Ablauf erklärte der Generalvikar, dass die Gremien der noch bestehenden Pfarreiengemeinschaften in Kürze das Material für eine Anhörung erhalten. Am 31. Mai endet die Frist zur Rückmeldung. Die Auswertung durch eine unabhängige Agentur erfolgt im Juni. Die Korrekturen und Modifizierungen sollen bis Mitte September vorgenommen worden sein. Daraufhin werden die bisherigen Einheiten aufgelöst und die neuen errichtet - allerdings nur die, die am 1. Januar 2020 an den Start gehen, also Daun noch nicht.

Dann war Fragerunde. Es kam zu Sprache, ob Ehrenamtliche im Leitungsteam nicht überfordert seien. „Das ist eine Sache der Aufteilung, Absprache und Kompetenzen“, sagte Mechthild Schabo. Ob der Rat der Pfarrei mit dem jetzigen Pfarrgemeinderat zu vergleichen sei? „Nein, es ist ein völlig neues Gremium, das das Ganze der Pfarrei im Blick halten und grundlegende Entscheidungen für die ganze Pfarrei treffen wird“, sagte Generalvikar von Plettenberg. Wie es um die Selbstständigkeit des Rates bestellt sei? „Weitaus größer als bisher“, betonte Weihbischof Gebert. Und appellierte zu „Mut zum schöpferischen Chaos“.

FOTO: TV / Schramm, Johannes