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Bloß keine Traurigkeit

Bloß keine Traurigkeit

GEROLSTEIN. Zum "letzten Betriebsfest" hatte Berndt-Georg Hahn, Chef der Gerolsteiner Standortverwaltung (Stov), 170 Gäste eingeladen. Nach der Verlagerung der Stov zum Jahresende gibt es ab 2007 keine Stov mehr in der Region Trier. Für die betroffenen 45 Mitarbeiter sind "sozial-verträgliche" Regelungen getroffen worden.

"Das ist die Verabschiedung und nicht die offizielle Außerdienststellung", erklärte Hahn im Bundeswehr-Jargon. Im Oktober wird die Stov Mayen die Gerolsteiner im Zuge der Bundeswehrreform schlucken, und zum Jahresende wird die Gerolsteiner Stov (zuständig für die ganze Region Trier) offiziell aufgelöst (der TV berichtete). Von den 280 Bediensteten sind nur 45 unmittelbar betroffen, weil der technische Betriebsdienste und die Verwaltungen jeweils vor Ort bleiben. "Alle sind auf struktursicheren Dienstposten in unmittelbarerer Nähe untergebracht worden", berichtete Hahn. Etwa ein Dutzend hätten die Vorruhestandsregelungen (älter als 55 Jahre mit mindestens 20 Dienstjahren) in Anspruch genommen. In Gerolstein seien schon jetzt 40 Prozent der Posten unbesetzt. Die neuen Dienststellen seien nicht weiter als Ulmen entfernt. Werner Trasser, Vorsitzender des Personalrates, sagte: "Wir konnten mit unserem Chef viel erreichen, was mit harter Hand nicht möglich gewesen wäre. Er hat drei Viertel unserer Vorschläge umgesetzt." Allerdings sei vor acht Tagen eine weitere Hürde aufgetaucht. Trasser: "Von den 15 Kasernenwärtern in der Region soll nur noch einer bleiben. Das wird eine schwierige Sache, die Leute gut unterzubringen." Alle aus der Eifelregion bauten darauf, dass die Dienststelle in Ulmen wie versprochen bestehen bleibe. Stov-Chef Hahn relativierte: "Die Reform wird nicht im Hauruck-Verfahren umgesetzt. Die Entscheidung, dass die Gerolsteiner Stov geschlossen wird, fiel am zweiten November 2004." Außerdem gebe es ab August 2007 bundesweit keine Stov mehr. Sie werden zu "Bundeswehrdienstleistungszentren." Die Gerolsteiner Stov befindet sich seit 1964 im renommierten Gebäude des ehemaligen Krankenhauses mitten in der Stadt mit hervorragendem Blick auf Munterley und ins Kylltal. Das Gebäude und das exponierte Grundstück gehören dem Bund. Ende des Jahres wird es ins Grundvermögen des Bundesfinanzministeriums übergehen. Stadtbürgermeister Karl-Heinz Schwartz und Matthias Pauly, Bürgermeister der Verbandsgemeinde Gerolstein, erklärten unisono: "Wir sind sehr an diesem historischen Aushängeschild interessiert. Dafür wird sich garantiert ein Investor finden, der in unserem Sinn einen Verwendungszweck dafür hat." Die weitere Nutzung müsse dem Renommee-Charakter entsprechen. Die Redner wollten beim Betriebsfest keine traurige Stimmung aufkommen lassen. So sagte Oberstleutnant Knut Wichmann, stellvertretender Kommandeur der Eifelkaserne, dass "die Stov keine Institution sei, sondern für viele persönliche Kontakte stehe". Bürgermeister Pauly schlug in die gleiche Kerbe: "Viele ehemalige Bundeswehrbedienstete leben auch im Ruhestand im Gerolsteiner Land. So ist eine tiefe Verbundenheit entstanden. Wir werden versuchen, den Aderlass zu kompensieren, denn nicht alles ist an wirtschaftlichen Aspekten festzumachen."