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Borkenkäfer-Plage verändert Holzmarkt auch in der Vulkaneifel

Forstwirtschaft : Eifeler Holz geht auf lange Reise

Die Borkenkäfer-Plage wirkt sich zunehmend auf den Holzmarkt aus. Der Markt ist mit Käferholz gesättigt. Waldbesitzern bleibt derzeit kaum mehr möglich, als ihr Holz nach Asien zu verschiffen.

Noch vor drei Jahren wäre das Bild, das sich heute tagtäglich im Umfeld der hiesigen Wälder abspielt, undenkbar gewesen: Fichtenstammholz wird in großen Mengen in Zwölf-Meter-Container geschoben, um über Antwerpen nach Asien, vorrangig nach China und Korea, exportiert und dort zu Möbel- und Bauholz verarbeitet zu werden. Grund für diese Marktverschiebung ist die Borkenkäferplage, die auch in der Eifel wütet.

Seit 2018 sind laut Umweltministerium in Rheinland-Pfalz mehr als sechs Millionen große Bäume mit über fünf Millionen Kubikmetern Holzvolumen der Hitze, Trockenheit, Stürmen und Käferbefall zum Opfer gefallen.

In diesen Tagen ist auf dem größten Trockenlagerplatz des Forstamts Daun, auf einem Areal an der ehemaligen Domäne nahe des Stadtteils Rengen, in Sichtweite zur Autobahn, Exportholz für die zehnwöchige Seereise um die halbe Welt vorbereitet worden. Das Forstamt hatte den Lagerplatz im vergangenen Jahr eingerichtet, um Fichtenbestände zu schützen. Das Holz musste weiter vom Wald entfernt gelagert werden, als der Borkenkäfer fliegen kann.

Timo Stephan, Betriebsdisponent des Forstamts Daun und zuständig für die Anfuhr des Fichtenkäferholzes auf den Trockenlagerplatz, erläutert: „Wir haben über 7 000 Kubikmeter Fichtenrundholz, Stammholz wie Industrieholz, aus Staatswald und Gemeindewald in das Lager gefahren. Dazu mussten rund 350 LKW-Fuhren beauftragt werden.“

Auch wenn das eine oder andere Problem aufgetaucht sei, habe die Beschickung des Lagers „im Großen und Ganzen doch gut geklappt. Damit sparen wir den Einsatz von Insektiziden gegen Borkenkäfer und hoffen, gleichzeitig die vom Sturmtief Sabine im Februar geworfenen Hölzer als Fangbäume genutzt zu haben, um die Borkenkäfer aus dem Wald zu bringen und dort ihre Population etwas zu verringern.“

Von den 7 000 Kubikmetern geht rund ein Drittel mit etwa 90 Containern in den Export nach Asien. „Das Holz kann auf unserem Lager optimal in die Container verladen werden, weil genügend Raum für Kran- und Container-LKW zur Verfügung steht. Bei eingespielter Logistik können so etwa drei Container pro Stunde verladen werden“, berichtet Forstamtsmitarbeiter Stephan.

„Nach drei Dürre- und Kalamitätsjahren hintereinander haben wir heute völlig veränderte Holzmarktverhältnisse,“ erklärt Horst Womelsdorf, seit gut zwei Jahren Leiter des Forstamts Daun. „Bis Anfang 2018 konnten wir noch frisches Fichtenstammholz zu Spitzenpreisen bis zu fast 100 Euro je Kubikmeter vermarkten, da Fichte Mangelware war und wir die Nachfrage unserer Nadelholz-Sägewerke nicht befriedigen konnten.“

Die durch den Klimawandel vor zwei Jahren ausgelöste Borkenkäfer-Massenvermehrung habe, sagt der Forstamtsleiter, ab Mitte 2018 in fast ganz Deutschland und in weiten Teilen Mitteleuropas zu einem stetig wachsenden Fichtenstammholz-Überangebot mit dramatischem Preisverfall geführt.“

Seit 2018 können sich die heimischen Nadelholz-Sägewerke umfassend und günstig mit ihrem wichtigsten Rohstoff versorgen, bei einer (bisher) stabilen Baukonjunktur in Deutschland ihre Produktionstätigkeit ausweiten und ihre Gewinnmarge deutlich steigern.

„Aber auch mit einem erhöhten Einschnitt kann das massenhaft anfallende Windwurf- und Käferholz von unserer Sägeindustrie nicht vollständig verarbeitet werden, so dass für die Forstbetriebe der Holzexport nach China ein wichtiges Ventil geworden ist, um zusätzlich Holz abzusetzen“, berichtet Womelsdorf. „Gewinne machen unsere Waldbesitzer mit dem Käferholzverkauf nicht mehr, weder bei Verkauf an heimische Sägewerke noch an China-Exporteure“, sagt Womelsdorf.

Das Trockenlager an der Autobahn bietet laut Forstamt optimale Verhältnisse für die Verladung: Bei gut eingespielter Logistik können täglich hunderte Festmeter Exportholz verladen und abtransportiert werden. Foto: TV/Horst Womelsdorf

Die Verkaufserlöse deckten gerade die Kosten, die dem Forstbetrieb mit der Bereitstellung des Holzes entstehen. Aber die Kalamitätsflächen seien wenigstens geräumt, so dass die Wiederaufforstung – mit Unterstützung durch Hilfsprogramme von Bund und Ländern – in die Wege geleitet werden könne.