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Breitbandausbau in der Vulkaneifel nimmt deutlich Fahrt auf

Breitbandausbau in der Vulkaneifel : Aufs Bummeln folgt der Hightech-Sprint

Der Breitbandausbau in der Vulkaneifel geht in die finale Phase: Ein Stück mehr an Lebensqualität und Standortvorteil gibt es auch für kleine Dörfer wie Gefell. Dort fasste man den Ausbau schon vor zehn Jahren aktiv selber an.

Dass Modernisierung langen Atem brauchen kann, weiß Gefells Ortsbürgermeister Alfred Gundert aus Erfahrung, aber den hat er auch bewiesen. Bereits im Frühjahr 2010 ging er erstmals von Haus zu Haus im rund 100 Einwohner zählenden Dorf und informierte sich darüber, wer denn im Ort schnelles Internet haben wollte.  Zugleich legte er dar, welche Vorteile eine derartige Versorgung bietet und welche Dinge zu beachten sind.

Es folgten eine Interessensbekundung bei der Kreisverwaltung und ein Marathon durch den Fördermitteldschungel, durch Angebote und verschiedene Technologien, die mal möglich und mal unmöglich waren. Auch ein gerichtlich ausgetragener Konflikt zwischen den Anbieterkonzernen Telekom und Innogy machte die Sache nicht gerade einfacher.

Ende August 2018 – mittlerweile war nicht mehr das Land, sondern der Landkreis für das Breitbandprojekt zuständig – erfuhren die Bürger des Dorfes: Der Traum vom schnellen Internet wird Wirklichkeit, und zwar per Glasfaser.

„Insgesamt waren es für mich und den Gemeinderat Hunderte Telefonate und intensive Überzeugungsarbeit“, erinnert sich Gundert. 46 Haushalte werden derzeit im Dorf angeschlossen, bis auf drei haben alle Ja gesagt. Sechzig Prozent der Gelder für die Maßnahme kommen vom Bund, dreißig vom Land und zehn steuert die Gemeinde bei. Trotz der Belastungen, die Tiefbauarbeiten nun mal mit sich bringen, nehmen die Gefeller Lärm, umherkurvende Bohrmaschinen oder Lkw sowie Löcher in Vorgärten fast durchweg mit Humor. Für die Arbeiter der Wittlicher Tiefbaufirma Araz gibt es von Anwohnern Getränke, nach Feierabend setzt sich der Bürgermeister mit den Bauleuten auf ein Bier oder eine Cola zusammen.

Eine offenbar motivierende Atmosphäre. „Das ist Eifel!“, freuten sich Landrat Heinz-Peter Thiel, Kreisentwickler Dieter Schmitz und Guido Linnertz, bei der Kreisverwaltung zuständig für Infrastruktur und Breitband, bei ihrer Ortsbegehung auf Einladung von Alfred Gundert.

Die kleine Delegation aus Daun war beeindruckt von der Effizienz und Schnelligkeit, mit der in Gefell zu Werk gegangen wird. Das sei nicht selbstverständlich bei Tiefbau-Projekten dieser Art. Araz-Bauleiter Dieter Dömmel begründete die Power ganz sachlich: „Das ist doch auch für uns gut. Wenn wir nicht nur Stückwerk abliefern, sondern mit Hochdruck einen Auftrag präzise erfüllen, kann der nächste drankommen.“

Nach einer Woche ist mehr als ein Drittel der Haushalte schon an die rotweißen Glasfaserleitungen angeschlossen, rund dreißig Leute sind in feinabgestimmter Bau-Choreografie im täglichen Einsatz. Ihnen folgen die speziell auf Glasfaser geschulten Techniker von Westnetz, welche für die Weiterarbeit ab Hausanschluss zuständig sind.

„Mit diesem Gigabit-Projekt gibt es auf den Dörfern eine Verbindung aus zukunftsfähiger, hochmoderner Technik und typisch ländlicher Lebensqualität, die für Gelassenheit steht… ein besseres Argument für das Landleben gibt es kaum“, waren sich Thiel und Gundert einig. Bestätigt wird diese Sichtweise dadurch, dass auch als Zweitwohnsitze genutzte Häuser angeschlossen wurden und künftig Homeoffice sein können.

Insgesamt wurden bislang bereits rund 600 Haushalte mit einem so genannten FTTB/H-Anschluss versorgt, weitere werden folgen. Mehr als 140 Kilometer Glasfaser wurden verlegt. Gemeinden, die Probleme mit vorhandenen Kabelverzweigern und älterer Kupfernetz-Technologie hatten, bekamen teils ein gefördertes Technologie-Upgrade, so dass die Häuser nun – wie in Gefell – ebenfalls direkt mit Glasfaser erschlossen sind.

Es geht nicht ohne lange Gräben. Foto: TV/Angelika Koch

Auch alle Schulen und Gewerbegebiete im Landkreis sind mittlerweile fit für die digitale Zukunft. Technologisch hinkt die Vulkaneifel den städtischen Räumen also nicht hinterher. Die steigende Nachfrage nach Immobilien, die Eifeler Makler vor allem seit Corona beobachten, zeigt auf der anderen Seite, dass die Vorteile des Landes generell wieder mehr ins Bewusstsein rücken.