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Brennen, löschen, trocknen, ärgern

Brennen, löschen, trocknen, ärgern

GEROLSTEIN. Noch Monate werden die Wiederaufbau- und Renovierungsarbeiten am siebenstöckigen "Brandhaus" in der Gerolsteiner Fußgängerzone dauern. Großes Lob gibt es für die Feuerwehr und die Handwerker. Für Ärger sorgen derweil ein Toilettenhäuschen in der Flaniermeile sowie die zeitweilige Sperrung für den Autoverkehr.

"Ich rechne damit, dass wir in zwei Monaten aus dem Gröbsten raus sind", prognostiziert Heinz Weber von der Eigentümergemeinschaft. Vor gut zwei Wochen war im Dachgeschoss des großen Wohn- und Geschäftshauses ein verheerender Brand ausgebrochen (der TV berichtete). 117 Feuerwehrleute löschten sieben Stunden lang das Großfeuer. Unmengen Löschwasser verteilten sich im Gebäude, tränkten Gemäuer, Böden und Decken auf allen Etagen. Chemiker gibt Entwarnung

Gutachter der Versicherung vermuteten Kontaminationen, weil mit dem Löschwasser eventuell freigesetzte Gifte (vom Verbrennen von Kunststoff-, möglicher Asbest- oder Synthetikteile) fortgespült worden sein könnten. Ein Chemiker wurde beauftragt. Weber gibt Entwarnung: "Alle chemischen Untersuchen haben ergeben, dass keine Kontaminationen vorliegen." Dem Aufatmen folgte das Aufarbeiten. Vergangene Woche wurde ein Gerüst aufgestellt, um alle demolierten Bauteile zu entsorgen. Ordnungsbehörden forderten eine großräumige Absperrung zum Schutz der Passanten, deshalb musste die Fußgängerzone für den vormittäglichen Autoverkehr in diesem Bereich gesperrt werden. "Wenn aber doch seit drei Tagen nicht mehr geschafft wird und keiner auf dem Gerüst zu sehen ist, ist die Sperrung doch Unsinn", schimpfte Gerd Möller. Mehrere Geschäftsleute hatten sich beschwert. Helmut Schenten vom gegenüber liegenden Lebensmittelladen: "Die unnötig lange Sperrung hat bei uns zu 50-prozentigen Umsatzeinbußen geführt. Die Öffnung hat sich unmittelbar in der Kasse bemerkbar gemacht." Vor wenigen Tagen wurde die Absperrung so weit zurückgerückt, dass Autos wieder passieren können. Schon bald wird es auf dem Gerüst aber wieder von Handwerkern wimmeln. Weber hat den Auftrag für die Arbeiten am neuen Dachstuhl vergeben. In der kommenden Woche werde mit dem Wiederaufbau begonnen. Dann würde auch "für ein paar Tage" erneut die Flaniermeile für Autos in diesem Bereich gesperrt. Außerdem muss eine Baugenehmigung her. Weber: "Das ist zwar seltsam, weil wir eins zu eins alles wieder herrichten, aber alle helfen mit. Handwerker und Behörden." Schutzengel für die Feuerwehr

Weiteres Ärgernis: Das Dixi-Häuschen. "Das kommt weg. Es war nur für den ersten Räumtrupp aufgestellt worden" , sagt Weber. Aufgestellt wurden auch unzählige Trocknungsgeräte. In der Brunnenapotheke stehen auf zwei Etagen zwölf Stück. "Sie sorgen für fast unerträgliche Arbeitsbedingungen, weil sie laut sind und tropische Raumtemperaturen verursachen", sagt Apotheker Walter Raspe und lobt sein Team, das ohne Murren den Notbetrieb aufrechterhalte. In der Apotheke soll schon in vier Wochen alles renoviert sein. Die Gemeinschaftspraxis der Orthopäden ist für die Renovierungsphase ins Krankenhaus umgezogen. Die Zahnärzte machen, ähnlich wie Apotheker Raspe, im Notbetrieb weiter. Blanker Estrichboden, aufge-stemmte Wände, teilweise demontierte Decken und zehn Trocknungsgeräte sorgen für außergewöhnliches Ambiente. "Unsere Behandlungsgeräte sind noch alle okay. Dank dem Einsatz der Feuerwehrleute, die alles abgedeckt hatten", sagt Zahnärztin Jennifer Junggeburth. Das Mobiliar an der Anmeldung, im Büro, der Küche und im Sterilraum muss ersetzt werden, weil es sich voll Wasser gesogen hat. Im Treppenhaus des Brandhauses riecht es muffig. Auf der Stiege zum Dachgeschoss wird das Desaster drastisch sichtbar. Der Anstrich geht von weiß über grau in tiefschwarz über. Der Mieter, in dessen Wohnung der Brand ausbrach, wurde nach zwei Tagen aus dem Krankenhaus entlassen. Es gehe ihm "den Umständen entsprechend gut", und er werde in die wieder aufgebaute Wohnung zurückkehren, heißt es. Auch die Nachbarn blieben nicht verschont. Rechterhand wurde die Außenfassade beschädigt und links verursachte Löschwasser Schäden auf sechs Etagen. Sabine Martinetz lebt in diesem Haus und betreibt einen Glaskunstladen. Aus Anerkennung für die ihre Ansicht nach tolle Arbeit der Feuerwehr hat sie eine "Schutzengel-Aktion" gestartet. Von jedem verkauften gläsernen oder tönernen Schutzengel geht eine Spende von 30 Prozent an die Gerolsteiner Jugendfeuerwehr.