Brunnen löst nächstes Beben aus

Brunnen löst nächstes Beben aus

Herber Schlag: Der Gerolsteiner Brunnen hat den Rahmenvertrag mit den Speditionen Ludwig (Dockweiler) und Rothschild (Stadtkyll) aus Kostengründen zum Jahresende gekündigt. Für die Logistik-Unternehmen bedeutet das einen Umsatzverlust in zweistelliger Millionenhöhe. Angegliederten Mini-Speditionen droht das Aus. 60 Jobs sind in Gefahr.

Gerolstein. Von wegen Ruhe: Nachdem Betriebsrat und Geschäftsführung des ins Wanken geratenen Gerolsteiner Brunnens nach zähen Verhandlungen sich darauf geeinigt haben, dass bis 2012 rund 20 Millionen Euro eingespart werden und der befürchtete Abbau von bis zu 300 Arbeitsplätzen deutlich reduziert wird (135 Stellen werden gestrichen, aber dank Altersteilzeit und sonstigen Lösungen kommt es "nur" zu 25 betriebsbedingten Kündigungen), folgt nun ein Nachbeben. Außerhalb des Brunnens.

Der Gerolsteiner Brunnen hat zum Jahresende den seit 1995 bestehenden und erst zum Beginn dieses Jahres um drei Jahre verlängerten Rahmenvertrag mit den regionalen Speditionen Rothschild (Stadtkyll) und Ludwig (Dockweiler) gekündigt. Aus dem Hause Gerolsteiner hieß es auf TV-Anfrage zum Thema: "Die Speditionsleistung wurde Anfang 2009 neu ausgeschrieben. Das Angebot der beiden Spediteure lag so klar und eindeutig über dem relevanten Wettbewerbsangebot, dass wir uns zu einem Wechsel entschieden haben."Es sei aber mit dem Neuen vereinbart worden, den regionalen Spediteuren die Möglichkeit zu bieten, für ihn tätig zu werden.

Zuvor hatten auch Nachverhandlungen den heimischen Spediteuren nichts gebracht. "Obwohl wir bis an die Schmerzgrenze gegangen sind", sagt Hans Ludwig, Chef der Spedition Ludwig in Dockweiler mit 75 Festangestellten und 40 LKW.

"Keine besonders glückliche Entscheidung"



Den Zuschlag erhalten hat nach Auskunft des heimischen Unternehmers die Spedition Duvenbeck aus dem Münsterland, die bislang primär für die Automobilbranche gefahren ist. Angesichts der fehlenden Erfahrungen in der Getränkebranche hält Ludwig die Neuorientierung für "keine besonders glückliche Entscheidung".

Mehr noch: "Ich finde das richtig ärgerlich, denn für ein solch großes Geschäft direkt vor der Haustür gibt es keinen gleichwertigen Ersatz.". Durch die bricht der Umsatz der Spedition Ludwig um "20 bis 24 Prozent" ein, "vier bis fünf Jobs" stehen auf der Kippe.

Noch härter trifft es seinen Partner Herbert Rothschild aus Stadtkyll, der 160 Leute beschäftigt und 80 LKW hat. Er sagt: "Verständlich ist das Ganze für mich nicht, zumal noch betont wurde, dass bei uns die Qualität immer gestimmt hat." In Zahlen ausgedrückt bedeutet die Entscheidung laut Rothschild: "Die Fahrten für Gerolsteiner machen 30 Prozent unseres Gesamtkontingents aus. Oder anders gesagt: Die Kündigung bedeutet elf Millionen Euro Umsatzverlust im Jahr für uns."

Und die Suche nach adäquatem Ersatz sei schwierig. "Im schlimmsten Fall werde ich die gesamte Abteilung Fernverkehr schließen müssen. Davon wären 30 Leute betroffen", sagt der Spediteur. Schon in den nächsten zwei Monaten will er Kurzarbeit beantragen.

Besonders hart trifft es zudem die rund 20 Kleinspediteure aus der Region mit zusammen 25 Beschäftigten, da sie in "hundertprozentiger Abhängigkeit von uns und dem Auftrag von Gerolsteiner sind". Rothschild: "Einige haben erst in neue Züge investiert."

Rothschild sagt aber. "Wir haben den festen Willen, die Kleinen mitzunehmen und mit ihnen ein Zukunftskonzept zu entwickeln. Dazu sind wir moralisch verpflichtet, denn sie haben immer alles für uns getan."

Meinung

Zweischneidiges Schwert

Die Entscheidung des Brunnens, aus Kostengründen künftig auf einen Logistiker von außerhalb zu setzen, ist für die heimischen Speditionen ein harter Schlag. Von dem werden sich die Firmen Rothschild und Ludwig nicht so schnell erholen. Für manchen Kleinen wird es das Aus bedeuten. Für das Image vor Ort ist die Kündigung Gift. Sie ist aber Folge des verordneten und vom Betriebsrat abgesegneten Sparkurses. So herrscht Einigkeit, dass durch Einsparungen an allen Ecken Jobs beim Brunnen gesichert werden sollen, auch wenn dadurch "draußen" welche wegfallen. Ein zweischneidiges Schwert. Bleibt abzuwarten, ob sich die Entscheidung für den Brunnen wirklich rechnet und ob sie sich mit dem neuen Qualitätskurs des Unternehmens in Einklang bringen lässt. m.huebner@volksfreund.de