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Bündel bleiben liegen, Bürger ärgern sich

Bündel bleiben liegen, Bürger ärgern sich

Für zahlreiche Bürger des Eifel- und Vulkaneifelkreises bringt das neue Jahr eine unliebsame Überraschung mit sich: Altpapier, das neben der Blauen Tonne abgestellt wurde, wird von der Müllabfuhr nicht mehr mitgenommen. Das beauftragte Unternehmen hat die bisher gängige Praxis aufgekündigt.

Daun/Gerolstein/Bitburg-Prüm. Brav verschnürte Papierbündel am Straßenrand warteten in den ersten Januarwochen an den Bürgersteigen der Region vergeblich auf ihre Abfuhr. Zudem blieben wegen der Witterung etliche Blaue Tonnen ungeleert. Kein Wunder, dass unter vielen Gebührenzahlern Kritik am Zweckverband A.R.T. (Abfallwirtschaft Region Trier) laut wird, der die Aufgaben der Müllwirtschaft des Eifel- und Vulkaneifelkreises übernommen hat - zumal die Preise für die Entleerung der Tonnen im Kreis Vulkaneifel seit dem 1. Januar kräftig gestiegen sind (siehe Extra).
"Solche Aktionen kann man sich sparen", sagt Leser Marco Christen aus Gerolstein, "da der Kreis und der Zweckverband A.R.T. keine geringen Einnahmen aus der Abfallverwertung verzeichnen." Zumal beim ersten Abfuhrtermin nach Weihnachten - wenn ja bekanntlich besonders viel Papierabfall anfalle - der 80-Liter-Behälter zu klein sei. "Bei mir und in meinem Bekanntenkreis sorgt das für große Verärgerung, da vor der Einführung der Blauen Tonne im Jahr 2014 kein Kontingent hinsichtlich der Menge des Altpapiers festgelegt wurde", schreibt Christen in einer E-Mail an den TV. Und er führt weiter aus: "Die Bürger sind nicht ordnungsgemäß darauf hingewiesen worden, dass Altpapier, das neben dem Behälter steht, ab dem 1. Januar 2017 nicht mehr mitgenommen wird."
Politik schaltet sich ein


CDU-Landtagsmitglied und Wahlkreisabgeordneter Gordon Schnieder äußert Kritik am Zweckverband A.R.T.: "Den ganzen Ärger hätte sich der Verband sparen können", sagt Schnieder. Statt die Gründe zu kommunizieren, warum Altpapier neben der Blauen Tonne nicht mehr eingesammelt wird, ist eine unübersichtliche Abfallfibel verteilt worden." Schnieder habe den A.R.T. um Stellungnahme gebeten, weil ihm etliche Beschwerden zugetragen worden seien, warte aber noch auf Antwort.
Der Zweckverband Abfallwirtschaft Region Trier wehrt sich gegen die Vorwürfe: "Für einen Übergangszeitraum duldeten die Kreisverwaltung und das mit der Entsorgung beauftragte Unternehmen Nord-West-Deutsche Papierrohstoff GmbH (NWD) die Bereitstellung von Pappe, Kartons und Papier neben den Blauen Tonnen", heißt es in einer Pressemitteilung. Diese Zusatzleistung sei zum 1. Januar 2017 einseitig und ohne zeitlichen Vorlauf seitens der NWD aufgekündigt worden. Verhandlungen mit dem Entsorgungsbetrieb scheitern laut A.R.T. daran, "dass der von der Kreisverwaltung geschlossene Vertrag mit der NWD das Mitnehmen von zusätzlichen Bündeln nicht vorsieht". Der A.R.T. hätte sich eine zumindest vorübergehende Fortführung der zusätzlichen Sammlung gewünscht.
Aber auch arbeitsschutzrechtliche Gründe für den Wegfall der Leistung werden angeführt. So sagt Nadine Büdinger vom A.R.T.-Pressedienst: "Die für die Befüllung der Fahrzeuge vorgesehenen Öffnungen sind nur für das Leeren der Tonnen geeignet." Die Kippvorrichtung sei hoch am Fahrzeug angebracht, es sei gefährlich, das Altpapier per Hand einzuwerfen. "Das hat bereits zu Unfällen geführt", sagt Büdinger.Meinung

In die Tonne kloppen
Eine Abfallfibel, die ohne Lupe kaum zu lesen ist, Müllgebühren, die (im Kreis Vulkaneifel) um rund 30 Prozent steigen und dann auch noch weniger Leistung. Denn plötzlich werden Altpapierbündel nicht mehr abgeholt - und kein Bürger weiß warum. Im Jahr 2017 ist schon viel Müll produziert worden. Und zwar just dann, als die Zuständigkeiten an ein übergeordnetes Gremium abgegeben wurden. Alles nur Zufall? Fakt ist: Die Abfallfibel hat viel Geld gekostet. Kosten werden in der Regel über höhere Gebühren refinanziert. Und die Fibel, die bald tausendfach im Altpapier landet, sollte unbedingt in die Tonne gekloppt werden. Ansonsten bleibt man nämlich darauf sitzen. Alles irgendwie ganz schön daneben! m.huebner@volksfreund.deExtra

Am 1. Januar 2017 haben die Stadt Trier sowie die Landkreise Trier-Saarburg, Bitburg-Prüm und Vulkaneifel alle abfallwirtschaftlichen Aufgaben auf die Abfallwirtschaft Region Trier (A.R.T.) übertragen. Über die Gebühren entscheiden bis 2025 die jeweiligen Kreistage/Stadtrat Trier. Für den Landkreis Vulkaneifel wurden die Gebühren zum Jahresbeginn um rund 30 Prozent erhöht. Ein Vier-Personen-Haushalt zahlte bisher 99 Euro für die Graue Tonne, mit Biotonne 156 Euro, nun sind es 138/199 Euro. Die Kosten für die Müllbeseitigung im Eifelkreis Bitburg-Prüm sollen vorerst zwei Jahre nicht steigen. Zurzeit betragen die Grundgebühren pro 80-Liter-Behälter 40 Euro jährlich, pro Leerung stehen 1,55 Euro an. Das ergibt 58,40 Euro. Bei 120-Liter-Abfallbehältern wie der Grauen Tonne betragen die Jahresgebühren 65/80 Euro. nowExtra

Reicht eine blaue Tonne nicht aus, können beim A.R.T kostenlos weitere Behälter beantragt werden. Es besteht zudem weiterhin die Möglichkeit, Altpapier unentgeltlich an den A.R.T.-Wertstoffhöfen in den Kreisen abzugeben. Zusätzlich will der A.R.T. dem für Satzungsfragen zuständigen Kreistag Vulkaneifel empfehlen, amtliche Papiersäcke einzuführen. Im Eifelkreis gibt es den Papiersack bereits - für eine Gebühr von 1,50 Euro. Info: Telefon 0651/9491414, E-Mail: info@art-trier.de now