"Bündeln statt wursteln"

KELBERG/UERSFELD. Dämpfer zu Beginn: An der Unternehmerbefragung im Rahmen des Standortmarketing-Prozesses in der Verbandsgemeinde (VG) Kelberg haben sich nur 17 Prozent der Befragten beteiligt.

Auch in der Verbandsgemeinde Kelberg ist ein Standortmarketing-Prozess eingeleitet worden. Erste Maßnahme war die Befragung der Unternehmen in der VG im Auftrag des Gewerbe- und Verkehrsvereins Kelberg und des Gewerbe- und Fremdenverkehrsvereins Uersfeld und Umgebung (Gufu), die Mitte des Jahres abgeschlossen wurde. 68 von rund 400 angeschriebenen Unternehmen vom Einzelhändler und Handwerker über Dienstleister und Ärzten bis hin zu Gastronomen schickten ihre Fragebögen zurück, was einer Quote von 17 Prozent entspricht. "Die Befragung war ein erster kleiner Schritt des Standortmarketings. Ich hätte mir aber gewünscht, dass sich mehr daran beteiligt hätten, umso repräsentativer wäre es gewesen. Viele erkennen einfach nicht die Wichtigkeit des Standortmarketings", sagt Gufu-Vorsitzender Werner Ritter. Allerdings gehören auch nur 25 der Befragten einem der beiden Gewerbevereine an. Die Standortmarketing-Initiative der Verkehrsvereine und der Gemeinde Kelberg wurde von einem Drittel der Unternehmer begrüßt, aber nur elf Prozent signalisierten Bereitschaft zur direkten Mitarbeit. 19 Prozent wollten sich "eher nicht" beteiligen. "Das ist schlecht, denn nur, wer sich selbst um seine Zukunft bemüht, hat eine Chance, der allgemeinen Entwicklung entgegenzuwirken", sagt Ritter. Die Ergebnisse der Unternehmerbefragung sind ernüchternd, aber auch aufschlussreich und können als Basis für das weitere Vorgehen der Gewerbevereine und der Gemeinde dienen. "Man muss seine Kräfte bündeln, anstatt dass jeder alleine wurstelt", sagt Alfred Borsch, Vorsitzender des Kelberger Gewerbe- und Verkehrsvereins, der als wichtigste Erkenntnis aus der Befragung nun weiß, "dass noch viel an Arbeit zu tun ist". Auch er sieht die Unternehmerbefragung als ersten Schritt. Prozess, der mehrere Jahre dauert

"Das Standortmarketing wird kein einmaliger Prozess sein, sondern über Jahre gehen. Die Unternehmerbefragung war eine Bestandsaufnahme, jetzt geht es weiter in die Arbeitskreise." Grundsätzlich seien bei der Befragung zwei Blickwinkel zu beachten: erstens die Attraktivität von Uersfeld und Kelberg als Einkaufsorte und zweitens die Attraktivität der VG als Wirtschaftsstandort. Die Situation der beiden Einkaufsorte Uersfeld und Kelberg werde von den direkten Hauptkonkurrenten Adenau, Ulmen, Daun und besonders Mayen beeinflusst. Und von weiteren Faktoren: "Die Leute wollen immer nur billig kaufen, vergessen dabei aber, dass bei einer solchen Entwicklung irgendwann die Läden in den Orten geschlossen werden", sagte Ritter. Aber auch die Geschäftsleute müssten sich dem Einkaufsverhalten der Kunden anpassen. "Den Unternehmen muss man klar machen, dass sie bestimmte Nachteile durch andere Dinge wie Kundenfreundlichkeit wettmachen können", führte er aus. Der zweite Punkt des Marketings ist die Erhöhung der Attraktivität der VG als Wirtschaftsstandort. Dafür sollte ein passendes Umfeld geschaffen werden. 47 Prozent der befragten Unternehmen geben an, gute Erfahrungen mit der Kommunalverwaltung gemacht zu haben, die Wirtschaftsfreundlichkeit der Verwaltung wird mit der Note 2,8 im Vergleich zu anderen Kommunen als überdurchschnittlich gut bewertet. Ritter: "Mit der Verwaltung sind wir im Allgemeinen zufrieden. Was sie weiter tun kann, ist eine gute Beratung der Unternehmen und den Dialog mit ihnen zu führen." Borsch wiederum meinte: "Die Infrastruktur und die Grundstückspreise müssen für die Unternehmen stimmen, und auch die A1 mit der Anschlussstelle Kelberg wird für die Zukunft wichtig sein. Aber auch die Eifel und ihre Landschaft spielen eine Rolle." Die befragten Unternehmen nannten als weitere Punkte zur Erhöhung der Attraktivität der VG eine bessere Nutzung des touristischen Wertschöpfungspotenzials und die Ansiedlung weiterer Geschäfte zur Verbesserung des Branchenmixes.

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