Bürger machen Unmut über Gebühren und Abschaffung der Biotonne Luft

Kostenpflichtiger Inhalt: Abschaffung der Biotonne : Abfall-Beratung in Daun wird zur Härteprüfung

Der Zweckverband Abfallwirtschaft Region Trier (ART) geht in der Vulkaneifel auf Tour, um über die neue Gebührenstruktur, neue Tonnengrößen und Biotüten zu informieren. Die Begegnung mit den Bürgern in Daun war für die ART-Beschäftigten in dieser Woche teils hartes Brot.

„Sagen wir mal, es war kritisch-engagiert“, beschreibt Thomas Hentz, beim ART für Öffentlichkeitarbeit und für Führungen durch das Entsorgungs- und Verwertungszentrum (EVZ) Mertesdorf zuständig, wenn man ihn in Daun nach der bisherigen bürgerschaftlichen Resonanz auf die Infotour fragte, welche die Neuerungen in Sachen Müll dem Volk erklären und schmackhaft machen soll. „Jedenfalls ist das Interesse sehr groß.“ Und so bildete sich auch vor dem Forum Daun eine längere Menschenschlange am Marktstand des ART. Neben Infos zu den neuen Gebühren hatten die Mitarbeiter aus Trier als Anschauungsmaterial graue Tonnen verschiedener Größe mitgebracht plus papierene Biotüten inklusive der dazugehörigen Transporteimerchen aus filigranem Kunststoff-Flechtwerk.

Doch das nahm offenbar vielen Vulkaneifelern nicht die Scheu vor dem Unbekannten, das ab Januar auf sie zukommt. Der ART-Marktstand war ein lebhafterer Diskussionsplatz als jeder Parteistand vor einer Bundestagswahl. Und manch „kritisch-engagiertes“ Feedback entpuppte sich sogar in Hörweite der ART-Beschäftigten als wüste Beschimpfung oder gar Drohung, den ganzen „Schlamassel“ dem ART vor die Tür zu kippen. Nach Auffassung der Empörten gehe es nur ums Abkassieren, nicht um Ökologie oder vernünftige Mülltrennung. „Wir Vulkaneifeler werden über den Tisch gezogen und sollen die Reibung als Nestwärme empfinden“, ärgerte sich zum Beispiel Hans Geisen aus Boverath. Die von ihm und anderen am Stand gestellten Fragen: Warum wurde angesichts des jahrelangen Vorlaufs der Umstellung von Tonne auf Tüte nicht wenigstens noch abgewartet, bis die in Auftrag gegebene Studie Klarheit darüber bringt, wie praktikabel eine Biotüte überhaupt ist? Und warum stand nie zur Diskussion, dass die übrigen Landkreise im ART-Revier das in der Vulkaneifel bereits eingeführte Holsystem mit brauner Tonne übernehmen?

Foto: TV/Nora John

Roswitha Cremer aus Kirchweiler fragte Thomas Hentz direkt: „Ist das ein System für ältere Leute? Wie sollen die vor allem im Winter mit ihren Tüten zum Container kommen, in den Dörfern gibt es doch zumeist nicht einmal einen Winterdienst.“ Der Experte räumte ein, dass Seniorinnen und Senioren tatsächlich ein Problem bekommen, „aber es ist dasselbe wie beim Einkaufen oder beim Entsorgen von Altglas“. Es sei Nachbarschaftshilfe gefragt, um für nicht mobile Menschen den Biomüll zu den Containern zu bringen, die dann im Winter genauso zuverlässig wie Gelbe Säcke oder Restmülltonnen entsorgt werden. Zwar sei die Biotonne ein komfortables System mit kurzen Wegen, die für alle leistbar sind, aber: „Das wird nun mal so nicht beibehalten.“

Foto: TV/Angelika Koch

Warum es nicht beibehalten wird, versuchte ein anderer älterer Herr im Gespräch mit den ART-Vertretern zu klären: „Stimmt es, dass die Anlage in Mertesdorf viel Biomüll im Restmüll braucht, um zu funktionieren, und dass wir deswegen auf die Tüte umstellen müssen?“ Thomas Hentz relativierte: „Es trifft zu, dass die Anlage einen Anteil Feuchtigkeit benötigt, um die notwendige Rottewärme zu erzeugen.“ Sonst bleibe sie stehen. Im Dezember 2007 bereits erläuterte der ART das Konzept des EVZ in Mertesdorf: „Der getrocknete Abfall wird als Ersatzbrennstoff eingesetzt, woraus sich im Vergleich zu den Vorjahren deutliche Kosteneinsparungen ergeben.“

Es liegt demnach vor allem in der Tücke des 2008 in Betrieb genommenen Objekts begründet, dass die braunen Tonnen in der Vulkaneifel Vergangenheit werden und in den anderen ART-Gebietskörperschaften auch nach Inkrafttreten des Kreislaufwirtschaftsgesetzes gar nicht erst eingeführt werden. Mit der einzigartigen Nutzung als Ersatzbrennstoff für die Industrie statt der üblichen so genannten Kaskadennutzung, die Biomüll in Kompost verwandelt, war damals laut ART zugleich die Erwartung stabiler Abfallgebühren verbunden.

Die sind nach zwölf Jahren in der Vulkaneifel Makulatur, da auch Selbstkompostierer automatisch im Bringsystem zur Biomüllentsorgung herangezogen werden und die grauen Tonnen auf ein Drittel verkleinert werden. Wer mehr Volumen oder häufigere Abfuhrtermine braucht, zahlt dafür. „Das hat auch einen gewollten erzieherischen Effekt“, erläuterte Thomas Hentz. „Denn wer die Biotüte nicht nutzt und alles über den Restmüll entsorgt, hat dort mehr Masse und zahlt also mehr.“ Und angesichts der im Internet kursierenden Protestankündigungen, künftig mehr unsortierten Abfall in die Gelben Säcke oder die Altpapiertonnen zu packen, blieb er gelassen: „Sichtlich verunreinigten Müll nehmen wir nicht mit.“ Derartig fehlgeleiteter Widerstand führe nur dazu, dass es am Ende aussehe wie in Neapel.

Foto: TV/Angelika Koch
Foto: TV/Angelika Koch

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