Bundeswehrreform: Daun wartet auf die neuen Soldaten

Bundeswehrreform: Daun wartet auf die neuen Soldaten

Die Bundeswehrreform wirkt sich auch auf Daun aus. Durch Umstrukturierungen werden 2013 bis zu 200 Soldaten in die Kreisstadt kommen. Mit Konsequenzen nicht nur für die Kaserne, sondern auch für den Immobilienmarkt und die Planungen der Verwaltung.

Heute vor einem Jahr war die Anspannung im Kreis Vulkaneifel groß: Wird auch er von den angekündigten Schließungen von Bundeswehrstandorten betroffen sein? Aber schon bevor Verteidigungsminister Thomas de Maizière damals vor die Presse trat, war die gute Nachricht schon rund: Die Kasernen in Daun und Gerolstein werden nicht geschlossen.Nach der frohen Botschaft gelassen zurücklehnen? Wenn überhaupt, dann nur kurz, denn die Standortsicherung war Ausgangspunkt zahlreicher Umstrukturierungen, die die Dauner Kaserne betreffen.

Neuer Name: Eine Neuerung ist schon beschlossene Sache: Die in der Kreisstadt beheimatete Einheit, der Fernmeldeaufklärungsabschnitt 931, bekommt einen neuen Namen: Bataillon Elektronische Kampfführung 931. Zudem wird es künftig mehr Auslandseinsätze für die Dauner Soldaten geben, die in der Vergangenheit überwiegend Dienst in der Kaserne selbst machten. "Die Einheit wird mobiler", kündigt der Kommandeur der Fernmeldeeinheit, Oberstleutnant Günther Daniels, an. Aber auch im Personalbereich tut sich einiges: Der Standort Daun wird aufgestockt. Mittlerweile ist auch klarer, in welcher Größenordnung sich die Verstärkung im kommenden Jahr bewegt: "Ich gehe davon aus, dass dann 150 bis 200 Leute nach Daun kommen." Überwiegend aus Donauwörth, wo der Bundeswehrstandort 2013 offiziell aufgelöst wird.

Werben für die Eifel: Ein Eindruck von der möglichen neuen Heimat Eifel wurde den noch in Bayern stationierten Soldaten von einer Delegation aus Daun vermittelt, besetzt mit Vertretern der Verbandsgemeindeverwaltung und der Bundeswehr. "Ich hatte den Eindruck, dass sich viele mit der Eifel anfreunden können", berichtet Daniels, der selbst aus der Region Donauwörth stammt. Zudem hat die VG eine gut 30 Seiten starke Broschüre drucken lassen. Sie ist zugeschnitten auf den Bedarf von Soldatenfamilien und enthält Informationen über die sozialen Einrichtungen, den Wohnungs- und Arbeitsmarkt, die zentralen Ansprechstellen in der Heinrich-Hertz-Kaserne und in der Verwaltung.
Das zukünftige Bataillon wird knapp 980 Soldaten und Zivilbeschäftigte haben. Einige der Neuzugänge sind schon in Daun, aber der "große Schwung" wird ab dem 1. April erwartet.

Kann die personelle Aufstockung der Kaserne auch den Immobilienmarkt beeinflussen?: "Davon ist auszugehen", sagt Oliver Ring, Immobilienexperte der Kreissparkasse Vulkaneifel. Die personelle Aufstockung des Bundeswehrstandorts sei in der Branche häufig Gesprächsthema. Ring schätzt, dass die Immobilienpreise zumindest in bestimmten Bereichen durch die zu erwartende Nachfrage konstant bleiben. "Die Stadt selbst und die Stadtteile sowie Mehren oder Darscheid könnten profitieren", prognostiziert der Immobilienfachmann, "aber die kleineren Dörfer eher nicht." Seine grundsätzliche Einschätzung: "Dem Immobilienmarkt wird der personelle Ausbau des Bundeswehrstandorts guttun."

Was bedeutet der Zuzug von bis zu 200 Leuten für die Verwaltung? "Für die Arbeit in mehreren Abteilungen ist es wichtig, dass nun genauere Zahlen bekannt werden", sagt der Büroleiter der Verbandsgemeindeverwaltung, Arnold Schneider. Vor allem, was die Kindergarten- und Schulentwicklungsplanung angeht, braucht die Verwaltung die Größenordnungen, wie viele Soldaten nach Daun kommen. "Manche Entscheidung, ob beispielsweise ein Kindergarten erweitert wird oder nicht, kann nun konkreter diskutiert werden."Meinung

Kostbare Neubürger
Die personelle Aufstockung des Bundeswehrstandorts Daun ist ein echter Glücksfall - für die Stadt, aber auch fürs Umfeld. Auch wenn die bis zu 200 Soldaten mit ihren Angehörigen nicht alle den Wohnungs- und Häusermarkt stürmen, sondern ein Teil pendeln wird, und auch den grundsätzlichen Trend des Bevölkerungsrückgangs nicht stoppen können, gilt trotzdem: Jeder neue Einwohner ist kostbar. Aber die Probleme verschwinden nicht, denn in absehbarer Zeit gilt es, unpopuläre Fragen zu beantworten: Wie viele Schulstandorte sind auf Dauer zu halten? Wie viele Kindergärten werden noch gebraucht? Und überhaupt: Wie viel Verwaltung wird für immer weniger Menschen gebraucht? Die Freude über die bayerischen Neuzugänge darf nicht dazu führen, dass die Lösung von Problemen auf die lange Bank geschoben wird. s.sartoris@volksfreund.de

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