Burg Lissingen kommt wieder unter den Hammer

Burg Lissingen kommt wieder unter den Hammer

Die Unterburg im Gerolsteiner Stadtteil Lissingen, die zwangsversteigert werden soll, bleibt vorerst im Eigentum von Karl Grommes. Das vor zwei Wochen abgegebene Gebot von Familie Engels, der die benachbarte Oberburg gehört, entsprach nicht den Vorgaben. Ob und wann ein neuer Termin angesetzt wird, ist noch offen.

Diesmal braucht Rechtspfleger Norbert Haas den großen Sitzungssaal im Amtsgerichtsgebäude in Daun nicht. Anders als vor zwei Wochen, als es einen ersten Termin zur Zwangsversteigerung der Unterburg im Gerolsteiner Stadtteil Lissingen gegeben hat und das Interesse gut drei Dutzend Zuhörern groß war. Nun reicht der kleine Sitzungssaal, aber auch in dem dem sind alle Sitzplätze belegt. Das Publikum will erfahren, ob das "außergewöhnliche Objekt" (Haas) tatsächlich den Besitzer wechseln könnte. Die Unterburg gehört seit fast 30 Jahren dem Koblenzer Juristen Karl Grommes. Er schuldet nach eigenen Angaben der Kreissparkasse Vulkaneifel 300.000 Euro. Die will die Bank haben, und sei es durch den Erlös aus der Zwangsversteigerung der Burg.

Beim ersten Termin gab es keine Entscheidung, denn Grommes hatte einen Aufschub beantragt. Unter den Hammer sollen zwei Bereiche kommen: die Unterburg samt angrenzenden Grundstücken von rund 40.000 Quadratmetern mit einem Verkehrswert von knapp 850.000 Euro und den Torbogen vor der Oberburg sowie ein angrenzendes Wohnhaus, die beide ebenfalls Grommes gehören. Deren Verkehrswert: rund 25.000 Euro. Dafür haben Hans-Christian und Christa Engels, denen die benachbarte Oberburg gehört, vor zwei Wochen 20.000 Euro geboten. Weitere Interessenten gab es nicht. Damit ist nach Ansicht des Gerichts eine Vorgabe des ersten Zwangsversteigerungstermins erfüllt: Die gebotene Summe ist höher als 50 Prozent des Verkehrswerts. Deshalb bekommt Familie Engels (die nicht bei der Verkündung dabei waren) nun vom Rechtspfleger den Zuschlag. Freuen kann sie sich darüber aber noch nicht: Grommes kann gegen die Entscheidung des Gerichts Beschwerde einlegen. "Was ich auch auf jeden Fall tun werde", kündigt der 72-Jährige schon vor dem Sitzungssaal an.

Die Unterburg selbst bleibt vorerst im Besitz des Koblenzer Anwalts. Denn für das Gebot über 100.000 Euro, dass die Familie Engels vor zwei Wochen abgegeben hat, ist der Zuschlag am Mittwoch nicht erteilt worden. Begründung des Gerichts: Das Gebot liegt unter der Hälfte des Verkehrswerts des historischen Ensembles.

Wie geht es weiter? Nach wie vor besteht die Möglichkeit, dass Grommes den Forderungen der Gläubiger - KSK und Finanzamt - nachkommt, dann ist die Zwangsversteigerung hinfällig. Ansonsten gilt nun eine Frist von zwei Wochen, in der Beschwerde gegen die Entscheidung des Gerichts, den Zuschlag nicht zu gewähren, eingelegt werden kann. Gibt es keine Einwände dagegen, kann das Gericht einen neuen Termin für eine weitere Runde im Zwangsversteigerungsverfahren anberaumen. Anders als beim ersten Termin muss die Gebotssumme dann aber nicht mehr als 50 Prozent des Verkehrswerts übersteigen.

Rechtspfleger Haas schätzt, dass es einen neuen Termin wohl in etwa vier Monaten geben könnte. Ob dann nur noch für die Unterburg oder auch noch ein Mal für den Teil, für den Familie Engels den Zuschlag bekommen hat, hängt davon ab, ob Grommes mit seiner Beschwerde Erfolg hat oder nicht. Darüber entscheidet das Landgericht Trier.

Mehr von Volksfreund