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Busfahrer bringen Bedürftigen in der Eifel Lebensmittel an die Haustür

Corona-Krise : Busfahrer bringen Bedürftigen in der Eifel Lebensmittel an die Haustür

In Zeiten von Corona bleiben die meisten Bürgerbusse in der Eifel nicht in der Garage stehen, sondern werden umfunktioniert: vom Personentransport zum Lebensmittel-Lieferservice.

Eifelweit sorgen in mehreren Gemeinden Bürgerbusse dafür, dass besonders ältere Menschen ohne Auto zum Arzt kommen oder ihre Einkäufe erledigen können. In Zeiten der Corona-Krise ist das anders. Weil die Senioren besser zuhause bleiben, um sich nicht anzustecken, und auch die zumeist älteren Fahrer geschützt werden sollen, ist diese Art des Personentransports eingestellt worden. Dennoch bleiben die Busse vielerorts nicht in den Garagen. Schließlich wollen die Ehrenamtler gerade jetzt nicht untätig dasitzen, sondern helfen. Ein Blick in die beiden Eifeler Landkreise:

„Wir haben hier einige richtig junge Rentner, die unbedingt etwas machen wollen. Es klappt alles wunderbar!“ sagt Edith Bauer vom Vermittlungsbüro des Bürgerbusses Schneifel. Der bringt normalerweise zweimal die Woche – und zwar dienstags und donnerstags – die Kunden von Auw, Bleialf, Brandscheid, Buchet, Großlangenfeld, Habscheid, Heckhuscheid, Mützenich, Oberlascheid, Sellerich, Winterscheid und Winterspelt für Arztbesuche und Einkäufe nach Pronsfeld und Prüm.

Wegen der Corona-Krise hat das Bürgerbus-Team unlängst beschlossen, die Personenbeförderung einzustellen, dafür aber einen Einkaufsservice anzubieten. Und der soll angesichts der besonderen Situation sogar noch ausgeweitet werden – von zunächst zwei auf mehr Touren pro Woche – je nach Bedarf.  „Unsere Fahrer sind bereit, weitere Fahrten zu leisten“, sagt Stefanie Dahmen vom Bürgerbus-Dienst. Und dafür wird der Telefondienst, bei dem man die Bestellungen aufgeben kann, von zweimal pro Woche auf tägliche Erreichbarkeit ausgeweitet.  Wer den Service nutzen möchte, kann täglich im Bürgerbus-Büro (Telefon 06555/900581 oder 06556/555) anrufen und seine Bestellung aufgeben und wird dann tags drauf mit den gewünschten Dingen beliefert. „Wir möchten unseren Teil beitragen, dass wir die jetzige Situation so gut wie möglich, vor allem gesund, überstehen“, sagt Stefanie Dahmen.

Bei der ersten Tour hätten sich zwar lediglich zwei Bürgerinnen gemeldet, doch das schreckt Edith Bauer nicht ab. „Bislang war das ja noch nicht veröffentlicht worden, doch nach dem Bericht im TV und dem Hinweis im Prümer Blättchen wird das sicher mehr werden“, sagt sie und fügt hinzu: „Wir freuen uns auf Ihren Anruf! Bleiben Sie gesund!“

 In einer ähnlichen Variante wird derzeit ein Service in Pronsfeld und mit dem Bus des Hauses der Jugend in Prüm angeboten.

Der Bürgerbus, der innerhalb der Verbandsgemeinde Bitburg Land, an zwei Tagen in der Woche mehr als 70 Dörfer sowie die Stadt Bitburg ansteuert, fährt „bis auf weiteres“ nicht mehr.  Anna Sadowsky von der Verbandsgemeindeverwaltung Bitburger Land erklärt: „Sowohl die Nutzer als auch die ehrenamtlichen Fahrer des Bürgerbusses gehören zu großen Teilen Risikogruppen an. Die räumlichen Verhältnisse des Bürgerbusses lassen es nicht zu, zwischen den Personen den empfohlenen Mindestabstand einzuhalten. Auch ein Schutz der Fahrer ist im Bürgerbus nicht möglich. Zumal viele Nutzer eine Hilfe beim Ein- und Ausstieg benötigen.“

Überlegungen, den Bürgerbus als Lebensmittel-Transportservice zu nutzen, gibt es bislang nicht. Vielmehr wolle die Verwaltung für die vielen Hilfsstrukturen, die sich bereits gebildet hätten,  „möglichst schnell einen organisatorischen Background schaffen, um die Hilfesuchenden und Hilfestellenden schnell und einfach zusammenführen zu können“.

Im Landkreis Vulkaneifel gibt es lediglich einen Bürgerbus: den des Vereins Bürger für Bürger, der in der Verbandsgemeinde Daun und angrenzenden Orten der VG Kelberg verkehrt. Derzeit aber ebenfalls nicht mehr zur Personenbeförderung. Dafür bieten der Verein, die VG-Verwaltung und die Stadt Daun in Zusammenarbeit mit dem Lions Club Daun und den Supermärkten Edeka, Hit und Rewe in Daun einen Einkaufs- und Lieferservice für bedürftige Menschen an. Dauns Stadtbürgermeister Friedhelm Marder (CDU), der das Projekt nach eigenem Bekunden mit aus der Taufe gehoben hat, sagt: „Das Angebot richtet sich an Seniorinnen und Senioren, die sich selbst nicht versorgen können, an Menschen mit hohem Gesundheitsrisiko sowie an Personen, die in ihrer Mobilität eingeschränkt sind oder sich derzeit in Quarantäne befinden.“

Wie das Ganze vonstatten gehen soll, erklärt Tim Becker vom Verein Bürger für Bürger, der neben anderen den Bus fährt. Er sagt: „Der Service beinhaltet den Einkauf und das Abstellen der Waren vor der Haustür. Um das Risiko einer Ansteckung zu minimieren, organisieren wir eine bargeldlose Übergabe. Die reine Dienstleistung ist kostenlos. Auch Fahrten zur Apotheke oder zur Post können wir uns vorstellen und werden den Bedarf mal abwarten.“ Bestellungen werden werktags zwischen 10 und 12 Uhr sowie 14  und 16 Uhr entgegengenommen (Telefon 06592/2666, E-Mail: kita.mehren@vgdaun.de). Die Helfer am Servicetelefon geben die Bestellung an die jeweiligen Supermärkte weiter. Dort werden die Waren gepackt und am Folgetag ausgeliefert.

 So wie vielerorts in der Eifel werden Bürgerbusse in Coronazeoten nicht mehr für Personenbeförderung, sondern für Einkaufsfahrten genutzt. Hier überreicht Friedrich Jax (links) vom Edeka in Daun Tim Becker vom Verein Bürger für Bürger ein Lebendmittelpaket, das dieser auf Bestellung ausfährt.
So wie vielerorts in der Eifel werden Bürgerbusse in Coronazeoten nicht mehr für Personenbeförderung, sondern für Einkaufsfahrten genutzt. Hier überreicht Friedrich Jax (links) vom Edeka in Daun Tim Becker vom Verein Bürger für Bürger ein Lebendmittelpaket, das dieser auf Bestellung ausfährt. Foto: TV/Mario Hübner

Auf die Frage, warum er mitmache, sagt Dauns Edeka-Chef Friedrich Jax: „Weil es in der jetzigen Zeit so ist, dass die Gesellschaft zusammenhalten muss. Das kann jeder mit seinen eigenen Mitteln unterstützen. Wir machen das eben so.“