Kirche: Caritas-Sprechstunde der besonderen Art

Kirche : Caritas-Sprechstunde der besonderen Art

Seit Jahresbeginn gibt es bei der Caritas eine Plattform für soziales Engagement von Jugendlichen: „youngcaritas“. Ein Projekt ist die Smartphone-Sprechstunde. Und die war ruckzuck ausgebucht. Ab Januar sind aber wieder Plätze frei.

Mit so einem Ansturm hatte die Projektkoordinatorin Melanie Schermann nicht gerechnet, als sie Anfang August das Angebot einer Smartphone-Sprechstunde veröffentlichte. „Innerhalb kürzester Zeit hatten wir 56 Anmeldungen“, erinnert sie sich. „Und das bedeutete, dass sämtliche Termine bis Ende des Jahres bereits vor dem Start ausgebucht waren“, erklärt sie. Was die große Resonanz ausgelöst hat, hänge einerseits mit dem generellen Bedarf an Begleitung, Beratung und Unterstützung beim digitalen Einstieg älterer Menschen zusammen, meint sie. „Die Senioren wollen mit dem Smartphone Kontakte pflegen, Hotelzimmer buchen, Restaurants, Sehenswürdigkeiten und Wanderrouten ausfindig machen“, nennt Melanie Schermann Beispiele der Motivation der Teilnehmer.

    Gleichzeitig gefalle offenbar das Konzept. Die „Macher“ sind nämlich junge Leute im Alter der Kinder und Enkel der Teilnehmer. Diese wiederum sind bei der Anfang des Jahres beim Caritasverband Westeifel neu geschaffenen Plattform „youngcaritas“ (der Trierische Volksfreund berichtete) als Ehrenamtliche eingestiegen.  So wie Maike Gleißle (17), Justine Wittge (24) und Michaela Sieding (30), die an diesem Spätnachmittag im Besprechungsraum der Caritas in Daun in Sachen Smartphone die Experten sind. Ihre „Schüler“ gehören der Generation 50 plus an, sind beruflich meist im Ruhestand und haben seit kurzem ein Smartphone, für dessen Nutzung sie Hilfe benötigen.

   Zunächst hält Melanie Schermann einen kurzen Vortrag. Dann beginnt die offene Sprechstunde. Eine Expertin ist für zwei Teilnehmer zuständig. Das Verhältnis eins zu zwei habe sich bei den bisher fünf Terminen bewährt, erklärt die Koordinatorin – nur so sei eine individuelle Beratung gewährleistet. Etwa wenn Justine Wittge Hildegard und Werner Beewen aus Darscheid zeigt, wie man Telefonnummern speichert. „Jetzt habe ich die Mobilnummer meines Schwiegersohnes ja zwei Mal im Verzeichnis“, bemerkt Werner Beewen. „Ein Mal löschen“, sagt Justine Wittge und zeigt dem Rentner auch diese Funktion. Die Beewens erzählen noch, dass es Tochter und Schwiegersohn waren, die ihnen den Tipp mit der Smartphone-Sprechstunde gegeben hatten. „Wenn man eine Funktion ein paar Mal geübt hat, ist es ganz einfach“, meint Hildegard Beewen zufrieden.

     Einen selbstverständlicheren Umgang mit ihrem Smartphone wünscht sich auch Ina Jenssen aus Daun. „Ich beneide die Leute, die mit dem Smartphone Fotos machen und sie mir nichts, dir nichts verschicken“, sagt sie. „Das möchte ich auch können.“ Zudem sei ihr bewusst, dass man in gar nicht ferner Zukunft ohne Smartphone von vielen Prozessen einfach abgehängt werde. Mit dem Wunsch, zu fotografieren und ihrem Sohn und seiner Familie in der Ferne aktuelle Bilder zu schicken, ist auch Renate Burmeister aus Niederehe zur Sprechstunde gekommen.

Hermann-Josef Risser und seine Frau Christel Knobe (Höchstberg) finden den kleinen Kreis und die individuelle Betreuung gut. Sie kennen sich schon etwas aus – „aber es gibt so vieles, was wir noch nicht beherrschen“, räumen sie ein. Zum Beispiel, wie die Generalkarte von Frankreich, die Hermann-Josef Risser auf den internen Speicher geladen hat,auf eine Speicherkarte übertragen werden kann.

   „Ich habe von unserem Schulsozialarbeiter Christopher Illigen erfahren, dass die Caritas Leute für die Smartphone-Sprechstunde sucht“, erzählt Maike Gleißle, Schülerin der Drei-Maare-Realschule plus in Daun. Heute sei ihr erster Einsatz, und es gefalle ihr sehr gut. „Ich bin ein bisschen stolz, dass ich älteren Menschen etwas beibringen kann“, sagt sie.

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