CDU-Fraktionsspitze weiter unbesetzt

Gerolstein · Noch kein Kandidat in Sicht: Auch knapp drei Wochen nach dem plötzlichen Rücktritt von Monika Neumann ist nicht klar, wer künftig die CDU-Fraktion im Gerolsteiner Stadtrat führt. Auch der Stellvertreterposten ist weiterhin vakant. An diesem Donnerstag ist Krisensitzung von Stadtverbandsvorstand und Stadtratsfraktion.

CDU-Stadtverbandsvorsitzender Ralf Hoffmann.TV-Foto: Mario Hübner

Gerolstein. Ralf Hoffmann (43) ist angesichts der derzeitigen Führungslosigkeit der CDU-Fraktion im Gerolsteiner Stadtrat einerseits ratlos, andererseits gibt er sich kämperisch. Der Vorsitzende des CDU-Stadtverbands Gerolstein sagt: "Ja, wir haben bereits einige Gespäche geführt. Aber es hat noch keiner seinen Hut in den Ring geworfen. Warten wir den Donnerstag ab. Ich gebe die Hoffnung nicht auf."

Elf Sitze im Stadtrat


Damit spielt er auf die Krisensitzung von CDU-Stadtverbandsvorstand und CDU-Stadtratsfraktion in dieser Woche an.
Dort soll die Nachfolge von Monika Neumann geregelt werden. Die hatte nach gut zehn Jahren den Vorsitz der CDU-Stadtratsfraktion niedergelegt. Diese ist mit elf von 25 Sitzen nominell stärkste Kraft im Gerolsteiner Stadtrat. Als Grund gab Neumann zeitliche Überlastung an. Berufliche Anforderungen, die Betreuung ihrer Mutter in Trier sowie die politische Arbeit waren ihr letztlich zu viel. So habe sie den Posten der Fraktionssprecherin schon seit längerem abgeben wollen, den Rücktritt aber hinausgezögert, weil auch die Frage eines Stellvertreters weiter ungelöst war. Seit der Kommunalwahl 2009 hatte die CDU-Stadtratsfraktion keinen Vize für Monika Neumann gefunden.
In der jüngsten Fraktionssitzung dann aber doch der Rücktritt - nachdem erneut Neumanns Führungsarbeit kritisiert worden war.

Appell an Fraktionsmitglieder


Laut CDU-Beigeordnetem Volker Simon sei es darum gegangen, dass "die Fraktion wieder mehr Profil zeigen will und muss". "Da hat es dann gereicht", hatte Neumann gegenüber dem TV gesagt.
Ähnlich wie Simon sieht auch Stadtverbandsvorsitzender Hoffmann die Situation. Er sagt: "Wir sind mit elf Ratsmitgliedern immer noch die mit Abstand stärkste Fraktion im Stadtrat. Deswegen muss sich hier rasch was tun." Zwar weiß er um die zeitliche Belastung, die der Job mit sich bringe.

Klare Linie gefordert


Dennoch appelliert er an die Fraktionsmitglieder: "Wer sich hat aufstellen lassen, hat bereits den ersten Schritt getan, Verantwortung zu übernehmen. Jetzt geht es darum, auch den zweiten Schritt zu tun." Ihm bereite Sorgen, welches Bild die Fraktion derzeit abgebe und dass keine klare Linie zu erkennen sei. "Und es sind auch nur noch zweieinhalb Jahre bis zur nächsten Kommunalwahl", sagt Hoffmann. mh

Meinung

Gefährliches Spiel
Gut, die Entlohnung ist nicht gerade fürstlich. Dafür ist der Posten arbeitsreich und manchmal - wie bei allen Jobs, bei denen man ein Team bilden und führen muss - nervig. Aber dafür kann man an der Spitze der größten Ratsfraktion das tun, wovon andere nur träumen können: gestalten! Daher wäre es unverständlich, wenn die Vakanz an der Spitze der CDU-Stadtratsfraktion noch länger andauern würde. Und für die CDU gefährlich, denn die nächste Wahl ist bereits 2014. Hat sich der Eindruck erst verfestigt, dass in der CDU nur Mitläufer sind, wird es eng für die einstige politische Vormacht in der Brunnenstadt. Wer sich hat aufstellen lassen, hat bereits erklärt, dass er Verantwortung übernehmen will. Und wer A sagt, muss auch B sagen. m.huebner@volksfreund.de