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Chef der Bälle und Kugeln

Chef der Bälle und Kugeln

1980 kam Bundeswehrsoldat Frank Wieber mit seiner Familie nach Daun - und ist geblieben. Nach 41 Jahren bei der Bundeswehr hat der gebürtige Hesse heute eine andere Aufgabe gefunden, vermittelt Menschen über 50 Jahren eine neue Arbeit und ist seit 2003 Vorsitzender des TuS 05 Daun, der mit 1270 Mitgliedern in dieser Hinsicht stärkste Verein in der ganzen Vulkaneifel ist.

Daun. Wer mit Frank Wieber sprechen will, bekommt noch ein sehenswertes Vergnügen dazu, denn von seinem Wintergarten aus genießt man einen wunderschönen Blick auf Daun. "Als ich das Haus zum ersten Male gesehen hatte, wusste ich: Hier möchte ich alt werden. Ich fühle mich heute als Dauner und sauwohl hier", erzählt er.
Frank Wieber wurde in Fulda geboren, hier war er auch acht Jahre lang im Bischöflichen Konvikt im Internat. Diese Zeit hat ihn geprägt, sagt er. Mit 18 Jahren ging er zur Bundeswehr. "Zuerst wollte ich gar nicht dabei bleiben, dann wurden es vier, acht, zwölf Jahre in verschiedenen Laufbahnen. Am Ende war ich 41 Jahre Soldat. Ich hatte das Glück, einen Beruf zu haben, der zu mir und meiner Persönlichkeit passte."
1980 wurde er aus Oberbayern nach Daun versetzt, vier Jahre lang wohnte er mit seiner Familie in Mehren. Seit 28 Jahren sind die Wiebers in Daun wohnhaft. "Die Problematik für uns Soldaten ist es, nie ein festes soziales Umfeld zu haben. Ich wollte aber für meine Familie ein Nest haben. Deshalb bin ich mit Familie nie mehr umgezogen, ich bin immer zu meinen Dienstorten gefahren", erinnert er sich.

Menschen ganz nah


Für die Bundeswehr war er auch in den USA, Afrika, im Kosovo, Afghanistan oder Bosnien-Herzogowina tätig. "Ich bin Soldat durch und durch, da steht man dazu. Als junger Soldat wird man erst mal erzogen, man muss sich dort aber auch einordnen. Die Aussage, dass man dort etwas fürs Leben lernt, kann ich nur bejahen", weiß Wieber heute. Vor knapp zwei Jahren wurde er als Oberstleutnant in den Ruhestand versetzt.
Doch Wieber, der sich selbst als "Workaholic" bezeichnet, legte sich nicht in die Hängematte. Heute ist er als freier Dozent beim Vermittlungszentrum der Dekra in Boverath tätig, wo Hartz-4-Empfänger, die über 50 Jahre alt sind, betreut werden und wo versucht wird, für diese noch eine Arbeitstelle zu bekommen. "Das ist hier in der Region nicht einfach, weil diese Menschen meistens auch ein Mobilitätsproblem haben. Es ist eine interessante Aufgabe und ein Bereich, wo man noch andere Ex-treme kennen lernt, nämlich Menschen, die wirklich Hilfe und Unterstützung brauchen. Da wird man noch mal dankbar für das, was man so im Leben bekommen hat", erzählt der heute 61- jährige Wieber.
Das zweite Leben des Frank Wieber heißt TuS 05 Daun, wo er von 1993 bis 2003 schon zweiter Vorsitzender war und seit 2003 der erste Vorsitzende ist. "Ich bin nicht so wichtig, ich bin nur Koordinator und Impulsgeber. Für mich ist das eine gesellschaftlich- soziale Aufgabenstellung. Denn dieses Konstrukt kann nur ehrenamtlich und mit Gemeinschaftssinn gestemmt werden. Man muss Fingerspitzengefühl haben und auch andere begeistern können. Wir versuchen, uns jetzt auf die Herausforderungen der Zukunft einzustellen, Stichwort Demographie", erläutert er seine sportliche Aufgabe.