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Christian Heintz aus Kelberg setzt sich für Behindertensport ein

Fotokampagne : Sportliche und soziale Höchstleistungen sind auch mit Amputationen möglich

Der aus Bodenbach bei Kelberg stammende Christian Heintz verlor bei einem Autounfall vor elf Jahren einen Unterschenkel. Heute treibt er den Amputierten-Fußballsport in ganz Deutschland voran, spielt selbst in der Nationalmannschaft und steht Modell für eine Foto-Kampagne.

Bei einem Autounfall vor elf Jahren hat Christian Heintz aus Bodenbach einen Unterschenkel verloren, von seiner Leidenschaft dem Fußball konnte dieser Schicksalsschlag nicht abbringen - als Sportler und Funktionär bringt er trotz Amputation Höchstleistungen und neuerdings auch als Foto-Modell für die Star-Fotografin Nicole Simon. In einem für sie typischen reduzierten Stil fotografierte sie jüngst 15 Frauen und Männer für ein Wohltätigkeitsprojekt in schwarz-weiß – unter den Porträtierten ist auch der seit frühster Kindheit fußballbegeisterte Christian Heintz.

Er erinnert sich noch gut an seine Angst nach dem Unfall, nie mehr Fußball spielen zu können. Vom Sportverein des Nachbardorfs Bongard aus habe er sich über den TuS Mayen und die SG Ellscheid bis zum TuS Ahbach hoch gespielt. Dann kam der schicksalhafte Tag im Jahr 2010 und alles war mit einem Schlag anders. Aber so wie der gelernte Maler und Lackierer beruflich nach dem Unfall zum Groß- und Außenhandelskaufmann umschulte, kämpfte er sich auch sportlich wieder nach oben. Und äußert sich inzwischen so: „Wenn ich wählen könnte zwischen meinem Bein und dem Leben von früher oder meinem Leben heute – dann würde ich immer wählen, wie es heute ist.“

Seit 2013 ist Heintz Mitglied der deutschen Amputierten-Fußball-Nationalmannschaft und engagiert sich seitdem auch ehrenamtlich für die Weiterentwicklung dieser Sportart. Als ersten großen Höhepunkt der „neuen“ sportlichen Karriere, verwirklichten er und seine Mitspieler der Nationalmannschaft 2014 die Teilnahme an der Weltmeisterschaft in Mexiko. Ein Jahr später wurde mit „Anpfiff Hoffenheim“ die bundesweit erste Vereinsmannschaft im Amputierten-Fußball gegründet. Zudem begleitete er als Teammanager die deutsche Sitzvolleyball Nationalmannschaft zu den Paralympics in Brasilien (2016).

Auch die Teilnahme an der Amputierten-Fußball Europameisterschaft in Istanbul (2017) beschreibt Heintz als „unvergessliches Erlebnis“. Und 2019 folgte sogar eine Einladung zum Benefizspiel „Champions for Charity“; wobei Christian Heintz an der Seite von Sportgrößen wie Dirk Nowitzki, Mick Schumacher und Jens Lehmann unter Beweis stellte, dass man auch einbeinig auf Krücken dem runden Leder nachjagen kann.

Zu dem Zeitpunkt hatte er sich neben dem aktiven Sport aber auch bereits einen weiteren Traum verwirklicht: sein Hobby zum Beruf zu machen. Denn seit 2018 ist er hauptberuflicher Projektleiter bei „Anpfiff ins Leben“ (siehe Info) und treibt mit dem bundesweit einzigartigen Modellprojekt „Amputierten-Fußball im Verein“ seine Sportart voran.

Vom Arbeitsplatz in Hoffenheim aus unterstützt Heintz – coronabedingt zurzeit überwiegend online – deutschlandweit Gründungen von neuen Amputierten-Fußball-Clubs und dem Aufbau von Partnerschaften mit renommierten Vereinen wie Fortuna Düsseldorf, dem Hamburger SV oder auch mit Tennis Borussia Berlin. Auch ein bundesweiter Liga-Spielbetrieb ist in Planung. Die Teilnahme an der Europameisterschaft im September in Polen ist ebenso vorzubereiten wie die Bewerbungsunterlagen für die Austragung der Europameisterschaft des Jahres 2024 in Deutschland zu erstellen sind.

Für Langeweile ist in Heintz Leben also kein Platz und neben all diesem sportlichen Engagement stand nun auch noch die Zusammenarbeit mit Simon auf der Tagesordnung. Sie fotografierte den Fußballer für die als Wanderausstellung und auch als Hilfsprojekt konzipierte Kampagne „The Face of Athletes“ („Das Gesicht von Sportlern“).

Wegen der Pandemie kann die Ausstellung zwar momentan nicht wie gedacht auf Reisen gehen, sie wird dafür aber im Internet präsentiert. Gezeigt werden Fotografien von Menschen wie Christian Heintz, die für den Sport brennen, ob sie nun Star oder Amateur sind, Mann oder Frau, amputiert oder nicht.

Der heute 37-Jährige lebt mit seiner Partnerin und drei Söhnen mittlerweile in Horrenberg nahe Heidelberg. Von dort aus grüßt er im Telefongespräch mit unserer Zeitung Familie und Freunde in und um Bodenbach. „Da sind meine Wurzeln, und da zieht es mich immer wieder hin. Denn meine Familie und Freunde haben mich immer großartig unterstützt, wofür ich ihnen sehr dankbar bin“, sagt er. Und hofft darauf, dass „The Face of Athletes“ auch in seiner Vulkaneifel-Heimat Aufmerksamkeit und Unterstützung fände.

Weitere Informationen zum Verein gibt es hier, die Internetseite zur Ausstellung hier.