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Chroniken erwähnen 600-Jahre-Stadtrechte-Feier nicht

Chroniken erwähnen 600-Jahre-Stadtrechte-Feier nicht

Bemerkenswerterweise wird in keiner Chronik der Stadt über die Feier "600 Jahre Stadtrechte" berichtet. Die Erinnerung an dieses, für die Stadt eigentlich bedeutende Fest im Jahr 1936 ist offensichtlich verdrängt worden - wie auch andere Geschehnisse aus der Zeit zwischen 1933 und 1945.

Gerolstein. Vor 75 Jahren feierten die Gerolsteiner die 600. Wiederkehr des Jahres der Stadtrechtsverleihung von 1336. Die Feier fand vom 21. Mai (Christi Himmelfahrt) bis 25. Mai 1936 statt und war - wie in dieser Zeit in ganz Deutschland üblich - ganz nach den Vorstellungen der Nationalsozialisten in Gerolstein geplant und organisiert. Eingeleitet wurden "die Jubelfeiern" (so die damalige Presse) am Donnerstag, 21. Mai, um 14.30 Uhr mit der Pflanzung einer jungen "Adolf Hitler-Linde" in der Lindenanlage (heute Standort des Kindergartens).
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Der neue Baum sollte die berühmte und uralte Gerichtslinde ersetzen, die 1925 trotz Erhaltungsmaßnahmen bei einem Sturm zusammengebrochen war. Dem neuen Baum wurde nur ein kurzes Wachstum gegönnt. Unbekannte hatten ihn 1945 kurz nach Ende des Zweiten Weltkrieges abgesägt.
Am Samstag, 23. Mai 1936, wurden die auswärtigen Gäste empfangen, die Wehrmachtskapelle des I. Batl. Inf.-Regiments 38 gab Konzerte, und auf der Löwenburg fanden ein Treffen und abends ein Begrüßungsabend im Hotel Dolomit statt.
Der Hauptfesttag, Sonntag, 24. Mai, wurde mit einem Fanfarenblasen auf der Löwenburg eröffnet. Nach einem Konzert der Wehrmachtskapelle um 10 Uhr traf man sich um 11 Uhr im Saal des Hotels Zur Linde zum Festakt mit Feierstunde. Dabei wurde erstmals der Festchor "Heil Dir", o mein Gerolstein", komponiert von einem Gerolsteiner, vorgetragen. Bürgermeister Laroche (am 1. April 1939 tödlich verunglückt) konnte, "freudig bewegt", zahlreiche Gäste willkommen heißen. Weiter berichtete die Trierische Landeszeitung am 25. Mai 1936: "... dann gedachte der Redner des Führers und Reichskanzlers, des Ehrenbürgers der Gemeinde Gerolstein, dem ein Treuegelöbnis-Telegramm zugeleitet wurde, das folgenden Wortlaut hat: Die zur 600-Jahr-Feier mit zahlreichen Vertretern von Partei und Staat versammelten Bürger von Gerolstein entbieten ihrem Ehrenbürger, dem Führer und Reichskanzler, ehrergiebigsten Gruß. Am Tage geschichtlichen Erlebens erneuern sie Ew. Exzellenz die Versicherung treuester Gefolgschaft."
Gegen Ende der Feierstunde wurde das Antworttelegramm Hitlers an die Gemeinde vorgelesen. Es lautete: "Der anlässlich der 600-Jahr-Feier versammelten Bürgerschaft in Gerolstein danke ich für die mir telegraphisch übermittelten Grüße und erwidere sie mit besten Wünsche für ein weiteres Gedeihen Ihrer alten Gemeinde. Adolf Hitler."
Um 16 Uhr fand die Weihe des Kriegerehrenmals am damaligen Hindenburgplatz statt - neben dem Festzug ein weiterer Höhepunkt dieses Festtages. Das Denkmal war vom Kölner Bildhauer Otto Land geschaffen worden. An einem mächtigen Quader aus heimischem Kalksteinmauerwerk steht die Figur eines übergroßen Soldaten aus Basaltlavagestein, der, Gewehr bei Fuß, für den verstorbenen Kameraden Wache hält. Links und rechts sind in den Tafeln die Namen der über 60 im Ersten Weltkrieg (1914 bis 1918) gefallenen Gerolsteinern eingraviert.