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Corona-Lage im Landkreis Vulkaneifel ist fragil

Corona-Lage : Amtsarzt spricht von „trügerischer Entspannung“ im Landkreis Vulkaneifel

Die Lage im Landkreis ist fragil: sich nähernde Virusmutation, hohe Inzidenz, wenig Impfstoff.

Die aktuellen Inzidenzzahlen von um die 77 sehen zwar angesichts des 200er-Vergleichwertes kurz vor Weihnachten gut aus und zeigen, dass sich der Lockdown positiv auf das Infektionsgeschehen im Kreis auswirkt. Dennoch sehen die Verantwortlichen die Lage als fragil an. So sagt Landrat Heinz-Peter Thiel (parteilos): „Es ist eine Entspannung, aber es ist eine trügerische Entspannung.“ Worauf er anspielt, ist erstens die Virus-Mutation, die nun auch immer näher an die Vulkaneifel heranrückt. So ist am Sonntag  bei einem Mitarbeiter einer Firma in einem Gewerbegebiet in der benachbarten Verbandsgemeinde (VG) Adenau, an die die VG Kelberg grenzt, erstmals die britische Corona-Mutation B 1.1.7 nachgewiesen worden. Thiel und auch Dr. Volker Schneiders, Leiter des Gesundheitsamts Daun, wissen: „Es wird auch uns erreichen.“ Daher appelliert Schneiders erneut: „Wir dürfen nicht phlegmatisch werden, sondern müssen uns weiter strikt an die Hygiene- und Abstandsregeln sowie die Kontaktbeschränkungen halten.“ Quarantäne sei Quarantäne, und da dürfe man dann nicht durch den Wald spazieren, zumal noch mit anderen Personen – wie es unlängst in einem dokumentierten Fall passiert sei. „Das werden wir nun auch mit einem Bußgeld ahnden, um ein Zeichen zu setzen“, kündigt der Amtsarzt an, der hinzufügt: „Wir schlagen uns hier die Samstage und Sonntage um die Ohren und dann so etwas. Das frustriert.“

Zweitens sei man mit den Impfungen zwar landesweit vorn, aber dennoch bei Weitem nicht dort, wo man sein möchte – wegen zu wenig Impfstoff. Thiel: „Diese Woche werden wir täglich 90 Menschen impfen. Alle, die sich zur Zweitimpfung angemeldet haben, bekommen auch ihre Spritze. Wir könnten aber bei genügend Impfstoff 800 bis 1000 Menschen am Tag impfen – und zwar sieben Tage die Woche.“

Und drittens sei die Lage in den beiden Krankenhäusern im Kreis derzeit zwar ebenfalls entspannt, das könne sich angesichts der Mutation aber sehr rasch ändern. Aktuell werden zwölf Covid-19-Patienten aus dem Landkreis (darunter zwei Verdachtsfälle) stationär behandelt, davon acht in Daun (darunter einer auf der Intensivstation) sowie vier in Gerolstein. Landrat Thiel sagt: „Wir müssen jetzt rasch die Inzidenz runterbekommen, um uns einen Puffer zu verschaffen und ausreichend Platz in den Krankenhäusern zu haben für den Fall, dass die Mutante für einen sprunghaften Anstieg sorgt.“ Er berichtete in diesem Zusammenhang von einem Fall aus Thüringen, wo sich das mutierte Virus beim Gassigehen und einer kurzen Begrüßung im Vorbeigehen übertragen habe. Thiel: „Das hat eine ganz neue Dimension.“

Die Lage im Seniorenheim Am Auberg in Gerolstein sowie in der integrativen Kindertagesstätte in Daunsei gut, weil wieder virusfrei. Im Regina-Protmann-Seniorenheim in Daun ist sie laut Schneiders stabil: Aktuell sind dort 21 Bewohner und acht Beschäftigte positiv, Aufnahmen ins Heim sind wieder erlaubt.