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„Corona-Partys machen mich wütend“ – Wie ein Eifeler Risikopatient mit der Bedrohung umgeht

Nach Lungentransplantation : „Corona-Partys machen mich wütend“ – Wie ein Eifeler Risikopatient mit der Krise umgeht

Vor drei Jahren hat eine Lungentransplantation Dieter Schommers Leben gerettet. Jetzt ist es erneut in Gefahr durch Covid-19. Wie die Familie mit dem Risiko umgeht und was sie von Menschen hält, die  Kontaktsperren ignorieren.

Dieter Schommers geht es gut. Und das ist alles andere als eine Selbstverständlichkeit. Vor Kurzem noch hatten die Ärzte dem Üdersdorfer keine großen Hoffnungen darauf gemacht, dass er heute noch leben würde. Er konnte damals kaum noch atmen, so vernarbt und verklebt war seine Lunge, er hing an einem Sauerstoffgerät. Die Transplantation eines neuen Lungenflügels hat ihn gerettet.

Gut drei Jahre liegt diese Operation nun  zurück. Und erneut müssen Schommers und seine Angehörigen um sein Leben fürchten. Die Gefahr, die derzeit vor der Haustür lauert, hört auf den Namen Covid-19. Eine Lungenerkrankung, ausgelöst durch das Corona-Virus, die vor allem für Menschen wie den Üdersdorfer gefährlich werden kann.

Denn der Eifeler ist ein sogenannter „Risikopatient“. Er hat „eine Vorerkrankung“. Wörter, die derzeit häufig fallen. Die viele aber kaum mit Gesichtern, Namen, Menschen zu verbinden wissen. Schommers ist so ein Mensch.

Denn nach Transplantationen müssen Patienten wie der gelernte Koch häufig starke Medikamente einnehmen. Die einerseits zwar dafür sorgen, dass das fremde Organ nicht abgestoßen wird, aber andererseits auch das eigene Immunsystem herunterfahren. Und den Körper somit anfälliger machen für das neuartige Virus.

Das heißt: Für den Eifeler ist das Risiko laut Robert-Koch-Institut größer als für viele andere, von einer Ansteckung eine lebensgefährliche Lungenentzündung davonzutragen. Doch was macht diese Bedrohung mit ihm und seiner Familie?

„Ich glaube, ich habe im Moment mehr Angst vor Corona als er selbst“, sagt seine Frau Sabine Schommers. Vor zwei Wochen sei sie noch zur Arbeit gegangen und habe sich jeden Tag gefragt, ob sie das Virus nicht unbemerkt zuhause einschleppe. Doch bislang weise keiner der beiden Symptome auf.

Damit die zwei auch gesund bleiben, isoliere sich das Paar derzeit zunehmend, sagt Schommers. Sie geht noch einkaufen, morgens früh, wenn kaum Betrieb herrscht. Er nur noch spazieren, „dort wo wirklich niemand unterwegs ist“. Ansonsten sitze man 24 Stunden zuhause, sagt die Üdersdorferin: „Was auch nicht immer einfach ist, so aufeinanderzuhängen.“

Besuch bekämen die beiden derzeit keinen. Auch die Töchter könnten nicht mehr vorbeischauen. Eine der beiden arbeite schließlich als medizinische Fachangestellte im Krankenhaus Daun, auch mal in der Fieberambulanz, „an vorderster Front“. Da komme sie mit Covid-19-Patienten in Kontakt. Ein Risiko, das die Familie nicht bereit ist einzugehen.

Auch Dieter Schommers hält sich an die Kontaktsperren. Geht nicht mal zum Supermarkt, um die Gefahr einer Infektion so gering wie möglich zu halten. Ansonsten halte er sich zuhause fit, treibe jeden Tag eine Stunde Sport im eigenen Fitness-Raum.  Er sei derzeit wohl so gesund wie lange nicht, die Lungenwerte hätten sich enorm verbessert. Ob sein Körper aber eine Ansteckung mit dem neuartigen Virus verkraften könnte: unklar.

Umso wütender macht es die Schommers daher, wenn sie von sogenannten Corona-Partys hören. Oder von Jugendlichen, die in den Städten Senioren anspuckten oder anhusteten. Oder wenn die Leute im Supermarkt keine Rücksicht nehmen. Sabine Schommers kann dazu ein Erlebnis aus einem Dauner Supermarkt schildern: „Eine Gruppe von drei Personen hat sich vor dem Obstregal über Leute lustig gemacht, die sich schützen wollen. Alles Panikmache, hieß es. Ich wollte dann durch zum Obst, sagte, dass ich Risikopatienten in der Familie habe. Darauf die Reaktion: ‚Das ist doch nicht mein Problem’.“

„Da könnte ich aus der Haut fahren“, sagt Sabine Schommers: „Diese Leute haben wohl überhaupt nicht begriffen, dass sie damit andere Menschen gefährden. Dass andere im schlimmsten Fall auch sterben können, wenn sie sich nicht an die vorgeschriebenen Kontaktsperren halten.“

Sie möchte daher noch einmal appellieren: „Bitte bleibt zuhause.“ Auch für ihren Mann und die vielen anderen Risikopatienten und Menschen mit Vorerkrankungen, deren Leben davon im Zweifel abhängen könnte.