Da capo

DAUN. Bei der von der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) veranstalteten Podiumsdiskussion zur Situation der Musikschule Landkreis Daun standen die Kritik an den neuen Mitarbeiterverträgen und Überlegungen zu alternativen Sanierungsmöglichkeiten der Einrichtung im Mittelpunkt.

Zwei Gitarrenschülerinnen von Robert Krenciszek (Laura Klöckner und Nina Rothe), fünf Diskussionspartner auf dem Podium, noch nicht mal ein Dutzend Interessierte: Wer in Anbetracht der unsicheren Zukunft der Musikschule Landkreis Daun (der TV berichtete) einen vollen Saal erwartet hatte, hatte sich getäuscht. Zur Erinnerung: Der auf zehn Jahre geschlossene Vertrag zwischen dem Verein und dem Kreis Daun, der jährlich 128 000 Euro zuschießt, läuft am 30. August 2006 ab. Zudem macht die Einrichtung Defizit: Im vergangenen Jahr waren es 11 000 Euro, die jedoch aus dem Kassenbestand des Vereins beglichen wurden. In der Kreistagssitzung am Montag soll entschieden werden, wie viel der Kreis künftig gibt. Inzwischen hat der Schulausschuss getagt. Er empfiehlt dem Kreistag, die Bezuschussung in gleicher Höhe beizubehalten. Zu der Podiumsdiskussion hatte die GEW-Gruppe des Kreises Daun eingeladen, Moderator war Eckard Wiendl. Mit ihm am Tisch saßen Landrat Heinz Onnertz, der pädagogische Leiter der Musikschule, Helmut Schmitz sowie Oliver Dipper (GEW und Musiklehrer am Thomas-Morus-Gymnasium) und Robert Krenciszek (Lehrer an der Musikschule). Oliver Dipper referierte zunächst über die Musik als zentralem Bestandteil von Bildung. Musikalische Ausbildung sei eben nicht nur "eine nette Freizeitbeschäftigung", sie fördere messbar die Entwicklung des Intellekts, der Motorik und der Sinne. Ihr Bildungspotential könne aber durch den schulischen Musikunterricht nicht ausgeschöpft werden. Das sagte auch der Landrat. Er erklärte, dass musikalische Bildung öffentlich gefördert werden müsse. "Mir ist klar, dass der Kreis sich noch mehr engagieren müsste, aber wir dürfen keinen Cent mehr als bisher für solche freiwilligen Leistungen ausgeben."Neue Lehrerverträge werden kritisiert

Helmut Schmitz gab mit einem 20-Punkte-Programm einen Einblick in die Vielfalt der Musikschule Landkreis Daun. Er hob die kostenfreie Mitwirkung von Ensembles bei öffentlichen Veranstaltungen hervor, betonte das breite Fächerangebot und die zahlreichen Unterrichtsorte sowie die Sozialermäßigung. Sowohl die Teilnehmer des Podiums als auch die Besucher der Veranstaltung äußerten vor allem ihre Bedenken und ihren Unmut über die neuen Verträge für die Lehrkräfte der Musikschule. Sie müssten binnen weniger Tage unterzeichnet werden und enthielten Klauseln, die sich negativ auswirken könnten. Es werde kein Weihnachts- und Urlaubsgeld mehr gezahlt, der Kündigungsschutz verringert und die Zusatzversorgung falle weg. "Wenn das umgesetzt wird, habe ich hier keine Zukunft mehr, und ich bin sicher, dass auch andere Lehrkräfte weggehen werden", gab Robert Krenciszek zu bedenken. Es wurde zudem die Möglichkeit der Abwerbung ins Feld geführt. Aber auch nach anderen Lösungen gesucht: "Wir müssen eine Rettungsaktion starten" (Hildegard Slabik-Münter), "Man könnte Sponsoren suchen" (Rainer Lehnen), "Es muss eine konzertierte Aktion von Vereinsvorstand, Lehrkräften, Eltern der Schüler und politisch Verantwortlichen sein" (Holger Bicker). Landrat Onnertz warb um Verständnis für den Vorstand der Musikschule. "Immerhin hat er dafür gesorgt, dass es die Musikschule weitere zehn Jahre gab", sagte er. Eckard Wiendl fragte in seinem Schlusswort: "Warum diese Eile mit den neuen Verträgen?" und wies darauf hin, dass es bereits Alternativvorschläge aus den Reihen der Musikpädagogen gebe.

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