Damit Flüchtlinge in der Eifel Arbeit finden

Damit Flüchtlinge in der Eifel Arbeit finden

In Gerolstein wurde ein in der Region einzigartiges Sprach- und Förderprogramm für Flüchtlinge gestartet. 25 Menschen soll dank des Pilotprojekts geholfen werden, schneller und besser in Deutschland und auf dem Arbeitsmarkt Fuß zu fassen. Dennoch sagen die Experten: Es ist Geduld gefragt.

Gerolstein/Daun. Dozent Peter Müller ist schon nach wenigen Tagen stolz auf die Teilnehmer des Pilotprojekts "KompAS" (siehe Extra), das seit Anfang September bei der Dekra-Akademie in Gerolstein läuft. Denn sie machen bereits gute Fortschritte. Das sei auch nicht verwunderlich, denn: "Wir haben hier sehr gut ausgebildete Leute sitzen", sagt er.
Einer davon ist der Syrer Chadi Sabbagh. Er kam vor einigen Monaten aus der Hölle von Aleppo. "Der Krieg im Land hat meine Karriere kaputtgemacht", sagt der Elektroingenieur, der Physik-Dozent an der Universität von Aleppo war. So wie ihm geht es allen Teilnehmern des neuen Projekts, das jetzt mit 25 Flüchtlingen aus Syrien, Eritrea, Afghanistan, Iran und der Zentralafrikanischen Republik gestartet wurde. Sie waren einst Verkäufer, LKW-Fahrer, Schneider, Elektriker, Goldschmied, Laborant, Zahntechniker, Pilot, Mathematiklehrer und eben Elektroingenieur.
Die Maßnahme ist eine Kooperation zwischen der Agentur für Arbeit und dem Job-Center im Landkreis Daun und einmalig in der Region Trier. "Das ist nicht überall selbstverständlich, dass eine Kommune und die Agentur für Arbeit zusammenarbeiten", sagt Andre Löffler, Leiter der Dekra-Akademie Gerolstein. Auch Landrat Heinz-Peter Thiel freut sich und sagt: "Hier ist etwas ganz Besonderes entstanden, wovon wir alle etwas haben können."
Für die Teilnehmer heißt das, zusätzlich zu den täglichen fünf Stunden Integrationskurs noch 3,5 Stunden im Projekt "KompAS" zu büffeln. Unter anderem gibt es da den Kurs "Leben in Deutschland". "Dieser wurde hinzugefügt, um die Werte unseres Landes zu vermitteln und gewisse Konfliktlagen, siehe Köln, zu entschärfen", erklärt Löffler.
Im Mittelpunkt steht aber, wie beim grundsätzlichen Integrationskurs auch, der Spracherwerb. Dabei wird auf einen Aspekt aber besonderen Wert gelegt: "Die Menschen sollen sich auf Deutsch unterhalten und verständigen können, und zwar auch auf der Arbeit. Es ist sinnvoll, beim Sprachkurs frühzeitig auch ans Arbeitsleben zu denken", sagt Löffler.
Daher wird bei der Dekra nicht nur im Klassenraum gelernt, sondern auch in Arbeitsstätten. So gibt es eine KFZ-Werkstatt, eine Schreinerei, eine Metallwerkstatt sowie einen hauswirtschaftlichen und einen Textilbereich. Edeltraud Nikodemus von der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Trier nennt das Projekt eine "gute Idee und eine gute Vorgehensweise". Denn es gebe genug freie Arbeitsplätze im Vulkaneifelkreis.
"Der Bedarf ist da. Unsere Aufgabe ist es nun, herauszufinden, ob diese Menschen mit ihren unterschiedlichen Kompetenzen für den ein oder anderen Job geeignet sind. Kurzum: ob da was zusammenpasst", sagt Franz-Josef Jax vom Jobcenter des Kreises. Er bleibt aber auch Realist und meint: "Es gab bisher erst ganz wenige Vermittlungen von Flüchtlingen. Und es wird uns auch jetzt nicht gelingen, sie in kurzer Zeit als Arbeitskräfte zu gewinnen, sondern man muss sich darauf einstellen, dass es ein weiter Weg sein wird. Fünf Jahre muss man rechnen."

Extra

"KompAS" steht für Kompetenzfeststellung, frühzeitige Aktivierung und Spracherwerb. Die Dekra-Akademie Gerolstein leitet die sechsmonatige Maßnahme im Auftrag der Agentur für Arbeit und des Job-Centers im Landkreis Vulkaneifel, die die Teilnehmer ausgesucht haben. Das Ziel von "KompAS" ist, Flüchtlinge an den deutschen Ausbildungs- und Arbeitsmarkt heranzuführen und sie im Idealfall in eine versicherungspflichtige Beschäftigung zu vermitteln. Zuvor geht es aber darum, Hemmnisse - vor allem bei der Sprache - abzubauen. Das Projekt ergänzt den Integrationskurs, bei dem die Teilnehmer innerhalb eines halben Jahres 600 Stunden Deutsch als Fremdsprache lernen und so das Sprachniveau B 1 erreichen und auf die Prüfung "Leben in Deutschland" vorbereitet werden. HG