Damit Jung und Alt voneinander profitieren

Damit Jung und Alt voneinander profitieren

Schön, lebenswert, naturnah und trotzdem wirtschaftlich erfolgreich: So stellen sich die Botschafter des Demografie-Projekts "Wege - Wandel erfolgreich gestalten" in der Verbandsgemeinde Daun ihre Heimat in Zukunft vor - trotz Geburtenrückgangs und alternder Gesellschaft. Jetzt, drei Jahre nach dem Start, ziehen sie Bilanz und berichten über bestehende Initiativen.

Daun. Wenn es nach Werner Klöckner, Bürgermeister der Verbandsgemeinde (VG) Daun geht, sieht es 2030 in der VG Daun so aus: Junge und alte Menschen bleiben in ihren Dörfern und pflegen eine lebendige Nachbarschaft. Rund 1000 ehrenamtliche Senioren-Coachs begleiten die über 75-Jährigen, mit regionalen Produkten zubereitete Schulmahlzeiten sind selbstverständlich. Kindergartenkinder und Senioren gärtnern zusammen. Viele Menschen kommen wegen der Gesundheitsangebote in die Vulkaneifel oder ziehen sogar hierher. Es stehen so gut wie keine Häuser leer. Alte Gebäude werden sinnvoll genutzt.
Vor allem mit dem Thema Gesundheit wollen Klöckner & Co. punkten. "Das ist unser Profil, darin sind wir einzigartig, da haben wir Potenzial", erklärt der Bürgermeister, räumt aber auch ein: "Vor uns liegt noch ein weiter Weg, denn wir möchten 100 Prozent der Bevölkerung der VG erreichen."
Rund 30 Projekte sind in den vergangenen drei Jahren gestartet worden - darunter das Gesundland Vulkaneifel mit seinen gesundheitstouristischen Angeboten, das Dorfentwicklungs-Projekt "Chance für das Dorf", der Verein Bürger für Bürger zur Sicherstellung der Versorgung älterer Menschen, die Initiative "My Daun" gegen die Abwanderung junger Menschen oder die Kampagne "Meine gesunde Kita in der Vulkaneifel" zur Stärkung der Heimatverbundenheit der Kleinsten.
In Arbeit befinden sich zurzeit zwölf Videoclips und Plakate mit "Mutmachern" wie dem Bäcker Josef Utters aus Dockweiler oder die Natur- und Geoparkführerin Irene Sartoris aus Strohn. Am 11. Juli geht die dritte Wege-Konferenz im Forum Daun über die Bühne - mit Professor Dietrich Grönemeyer als Hauptredner. Das dritte Wege-Symposium ist am 6. September. Die Ausbildung der ersten Senioren-Coachs beginnt nach der Sommerpause. "Alles ist in vollem Gange", sagen Caroline Seibert und Andrea Soboth vom projektbegleitenden Institut für Regionalmanagement (IfR). Die Mitarbeit der kommunalpolitisch Verantwortlichen sei sehr gut, die Offenheit der Bevölkerung für die Wege-Ziele groß, betonten sie. Der Wege-Prozess wird bis 2015 mit europäischen Mitteln gefördert.Meinung

Noch viel zu tun
Es ist ein richtig dickes Brett, das Werner Klöckner und seine Mitstreiter bohren. Der demografische Wandel und seine Folgen: Davon haben mittlerweile wohl alle gehört oder gelesen, aber für viele ist das Thema immer noch nicht richtig greifbar, die Entwicklung ist schleichend. Richtig ankommen tut ein Thema im Bewusstsein der Menschen, wenn es für jeden spürbare Auswirkungen gibt. Noch aber sind die Folgen des demografischen Wandels eher "gefühlt" denn tatsächlich erlebbar. Eine Schule ist in der VG Daun geschlossen worden, und auch über andere Standorte wird über kurz oder lang diskutiert werden; Leerstände in den Orten nehmen zu. Trotz dieser Beispiele sind die Dimensionen des demografischen Wandels noch längst nicht allen klar. Deshalb braucht es das Wege-Projekt, um über diesen Weg mit so vielen Menschen wie möglich in Kontakt zu kommen, zu informieren, was auf sie zukommt. Dabei darf es aber nicht bleiben: Es braucht noch viel mehr Mitstreiter, damit aus Ideen Vorzeigbares wird. Einiges ist im Wege-Prozess geschafft worden, aber es ist immer noch jede Menge zu tun. Wie gesagt: ein richtig dickes Brett, an das sich Werner Klöckner und seine Mitstreiter rangewagt haben. s.sartoris@volksfreund.deExtra

Gerd Becker. TV-Fotos: Brigitte Bettscheider (2).
Marlene Wierz-Herrig.

Gerd Becker (68), Daun, ehemals Büroleiter der VG Daun: "Unser Ziel ist es, dass die Bürger der VG Daun den demografischen Wandel als Aufgabe erkennen und beherzt angehen. Dazu bieten wir Gespräche mit Kommunalpolitikern sowie Vorträge bei Seniorentreffs und Vereinsversammlungen an. Eines der bereits umgesetzten Projekte ist der Verein Bürger für Bürger, der bereits 195 Mitglieder hat. Die Idee der gegenseitigen Hilfe findet großen Zuspruch." Telefon 06592/3517, E-Mail: gerd.becker@becker-daun.de.Marlene Wierz-Herrig (66), Dreis-Brück, ehemalige Caritas-Leiterin: "Das Interesse der Bürger am Wege-Prozess nimmt zu. Unsere Vorträge in den Dörfern und Stadtteilen sind gut besucht. Die häufigsten Fragen an uns sind, wie lebenswert eine Gemeinde bleiben kann, wenn die Bevölkerung zurückgeht, und wie es gelingen kann, junge Menschen zum Bleiben zu gewinnen. Beeindruckend finde ich, dass bislang 45 Ehrenamtliche gewonnen werden konnten." Telefon 06595/375, E-Mail: m.wierz@web.de bb