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Darscheid: Weggemeinschaft Vulkaneifel wandelt leerstehenden Bauernhof um

Darscheid: Weggemeinschaft Vulkaneifel wandelt leerstehenden Bauernhof um

Dort entstehen ein Laden sowie Küche und Kantine der besonderen Art.

Rainer Dämgen, Heimleiter der Weggemeinschaft Vulkaneifel (siehe Info), steht noch ganz unter dem Eindruck von zwei Ereignissen, die mit dem Projekt "Neue Dorfmitte Darscheid" zu tun haben. Kürzlich fand eine Zukunftskonferenz in dem 850-Einwohner-Dorf statt, bei der sich eine Arbeitsgruppe "Dorfladen" bildete und "viele tolle Ideen" entwickelt wurden (der TV berichtete).

Und es gab ein Benefizkonzert in der Heilig-Kreuz-Kirche. Der heimische Chor "SaM - Singen am Mittwoch" und der Chor "Felicita" aus Hessen gestalteten es vor vollem Haus und stellten 1000 Euro aus dem Erlös für das Projekt zur Verfügung. Seit dem Kauf der Immobilie in der Bahnhofsstraße vor gut zwei Jahren steht die "Neue Dorfmitte Darscheid" auf Dämgens Agenda.

In diesen Zeitraum fielen allerdings auch zwei weitere arbeitsintensive Projekte, nennt Rainer Dämgen als Grund für die verzögerte Realisierung: der Neubau der Werkstatt in Darscheid und die umfangreiche Renovierung des Standorts Niederstadtfeld. "Zudem ist die Finanzierung für die neue Dorfmitte sehr komplex", betont er.

Soll heißen: Die geplanten 750 000 Euro an Investitionskosten sollen aus fünf Töpfen fließen, und zwar aus dem rheinland-pfälzischen Sozialministerium und aus der Dorferneuerung sowie aus drei unterschiedlichen Stiftungen. Immerhin liege von allen ein grundsätzliches Ja vor, das Projekt sei als förderungswürdig und förderungsfähig eingestuft, erklärt Dämgen.

Moment mal: 750 000 Euro? War da vor zwei Jahren nicht von Kosten von fast einer Million die Rede? "Das stimmt", sagt der Heimleiter, "aber inzwischen sind die ursprünglichen Pläne geändert worden, und das bedeutet, dass wir rund eine Viertelmillion Euro weniger investieren müssen."

Nun soll nämlich auf Empfehlung eines professionellen Projektberaters und entgegen der ursprünglichen Planung der ehemals landwirtschaftlich genutzte Teil des Gebäudes nicht umgebaut, sondern abgerissen und durch einen preisgünstigeren Neubau ersetzt werden. Das Wohnhaus bleibt in seinem Bestand erhalten, wird saniert und soll im Erdgeschoss die Darscheider Bücherei beherbergen. Im An-/Neubau sind auf einer Gesamtfläche von 300 Quadratmetern ein Laden, eine Kantine/Café und eine Küche sowie diverse Nebenräume vorgesehen. Primäre Aufgabe der Küche soll die Versorgung der Wohnhäuser der Weggemeinschaft in Darscheid und Hörscheid sein.

Doch soll auch Mittagstisch für Darscheider Bürger angeboten werden - zunächst probeweise zwei Mal in der Woche. Der Laden soll eine Grundversorgung mit Lebensmitteln bieten, dabei sollen regionale Produkte eine wesentliche Rolle spielen. "Wir überlegen zurzeit, ob wir den Neubau nicht anderthalb-geschossig erstellen", sagt Rainer Dämgen. Dann könnte das Dachgeschoss von Gruppen und für Familienfeiern genutzt werden. "Denn", so betont er, "die neue Dorfmitte soll nicht ein Projekt der Weggemeinschaft für das Dorf, sondern mit dem Dorf werden." Sein Ziel sei, dass die Finanzierung im Frühjahr 2018 stehe und dass im Herbst nächsten Jahres mit dem Bau begonnen werde.Extra: DIE WEGGEMEINSCHAFT

An den Standorten Darscheid, Hörscheid und Niederstadtfeld der Weggemeinschaft Vulkaneifel leben und arbeiten Menschen mit geistiger Behinderung. Der Trägerverein wurde im Herbst 1989 gegründet, 1990 begann der eigentliche Heimbetrieb mit zunächst einer Wohngruppe. Derzeit bestehen vier Wohngruppen mit insgesamt 33 Bewohnern.Extra: KOMMUNIKATIONSZENTRUM FÜR ALLE GENERATIONEN

Das sagt Darscheids Ortsbürgermeister Manfred Thönnes zu dem Projekt: "Das ist eine ganz tolle Sache, und die Gemeinde wird sich einbringen, wo immer es möglich und machbar ist. Das Miteinander zwischen Rainer Dämgen und mir und zwischen der Weggemeinschaft und der Gemeinde könnte besser nicht sein. In den zehn Arbeitsgemeinschaften, die sich bei der kürzlich gelaufenen Zukunftskonferenz gebildet haben, ist die neue Dorfmitte der rote Faden. Sie spielt eine wichtige Rolle in allen Gruppen. Mehr noch als auf den Laden freuen sich die Menschen auf ein Kommunikationszentrum für alle Generationen, für Behinderte und Nichtbehinderte mitten im Dorf. Die Ortsgemeinde könnte so ein Projekt selbst nicht stemmen. Deshalb sind wir glücklich über das Engagement von Rainer Dämgen und seiner Einrichtung."