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Der Pilger aus der Vulkaneifel: Das Abenteuer seines Lebens

Der Pilger aus der Vulkaneifel : Das Abenteuer seines Lebens

Der Kaufmann Paul-Josef Moritz vor dem Wechsel in den Ruhestand auf dem Jakobsweg gepilgert – und hat nun ein Buch darüber geschrieben.

(bb) Paul-Josef Moritz (65) ist ein akribischer Mensch. Jede Entscheidung wird gründlich überlegt und vorbereitet. Das war in den 49 Jahren seines Berufslebens so – zum Beispiel, als er seinen kaufmännischen Lehrbetrieb in Adenau verließ und in den Vertrieb eines Polsterherstellers wechselte, auch als er sich 1993 in Hillesheim mit einem Fachgeschäft für Polstermöbel selbstständig machte.

Und so war es auch bei dem großen Abenteuer seines Lebens. Mehrere Jahre habe er sich mit dem Gedanken vertraut gemacht, den Jakobsweg am Stück und allein zu gehen, aber zu keiner Menschenseele etwas gesagt, erzählt der Vater von zwei Kindern und vier Enkeln. Als er den Plan publik gemacht habe, sei ihm mehr als ein Mal die ablehnende Haltung seiner Ehefrau gegenüber dem Vorhaben unüberwindlich erschienen.

Als seine Frau auf Drängen der Kinder schließlich einwilligte, plante Paul-Josef Moritz zwei Jahre lang bis ins kleinste Detail den 2558 Kilometer langen Fußweg. Und legte ihn tatsächlich in 93 Tagen zwischen dem 12. Juli und dem 12. Oktober 2017 von seinem Haus in der Hoffelder Hauptstraße bis zur Kathedrale im spanischen Santiago de Compostela zurück. „Ohne größere Probleme, ohne Schmerzen, mit viel Glück und Emotionen und besonderen Momenten“, resümiert er.

Was ursprünglich nur für die Familie und den Freundeskreis gedacht war – die ausgearbeitete Fassung seines Reisetagebuchs eine Handvoll Mal zu kopieren – ist nun als Buch auf dem Markt. „Ein Phänomen, denn ich war selbst nie ein Leser von Büchern“, sagt Moritz lachend.

Seine Motivation für die Veröffentlichung: Er wollte auch andere an den Vorbereitungen, Erlebnissen und Erfahrungen der langen, aufregenden Wanderschaft teilhaben lassen. Dabei gab eine grundlegende Erfahrung dem Buch den Titel. „Es gibt abertausende Möglichkeiten, den Jakobsweg zu gehen“, meint Paul-Josef Moritz. Und erklärt: „Aber jeder geht seinen eigenen Weg. Daher muss es heißen: Der Weg geht dich. Er führt dich, begleitet dich, verändert dich, gibt dir all das, was du brauchst und vieles mehr.“

Paul-Josef Moritz ist ein akribischer Mensch. Das wird auch beim Lesen seines Jakobsweg-Buchs deutlich. Neben den chronologischen, reich bebilderten Einzelberichten über die 93 Wandertage plus der sieben anschließenden Urlaubstage gemeinsam mit seiner Frau enthält das sehr persönliche Werk Vorgeschichte, Karten, Packliste und Reflektionen über die Zeit nach der Rückkehr. Und er äußert sich zu seinen Motiven.

„Nach fast 50 Jahren Berufstätigkeit befand ich mich in einem Hamsterrad, auch wenn es ein goldenes war“, sagt er. „Der Beruf hatte mich mehr vereinnahmt, als ich es selbst bemerkt hatte“, räumt er ein. Das von Paul-Josef Moritz in Hillesheim gegründete Unternehmen hatte zu dem Zeitpunkt sein Sohn übernommen. Da sei das Vierteljahr auf dem Jakobsweg genau das Richtige gewesen, um nur mit sich allein, einfach und frei in den Tag hinein zu leben, andere Kulturen kennen zu lernen und auch Gott näher zu kommen.

Das Buch „Der Weg geht dich“ von Paul-Josef Moritz ist im Verlag BoD (Books on Demand) erschienen und im Buchhandel sowie bei Polster Moritz in Hillesheim und beim Autor, Telefon 02693/637, E-Mail: pjmoritz@yahoo.com, erhältlich. Es hat 295 Seiten, ist mit Schwarz-Weiß-Fotos bebildert und kostet 12,99 Euro.