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Das Aus für das "Worpswede in der Eifel"

Sternwarte : Auf der Suche nach neuen Orten

Nach dem Aus für Ateliers und Kunstaktionen auf der Sternwarte Hoher List haben sich die Kreativen, die dort arbeiten wollten, in „Künstlergruppe VulkanEifel“ umbenannt und orientieren sich jetzt neu. Nicht aufgeben, sondern Kultur an anderen und mehreren Plätzen ist das Ziel.

Der Blick zurück auf jahrelange Bemühungen für Kultur auf dem Areal des ehemaligen Observatoriums ist immer noch von einer Portion Zorn geprägt: „Als 2017 ein Kaufinteressent erschien, der bereit war, die Liegenschaft zu erwerben, als besonderen Ort zu erhalten und Künstlern und Astronomen die Gebäude zu vermieten, rückte das ausdauernd und hart erkämpfte Ziel plötzlich näher“, schreibt die Malerin Jutta Schulte-Gräfen als Vorsitzende der ehemaligen Gruppe „SternwARTe Vulkaneifel e. V.“.

„Seit dieser Zeit wurde das Konzept immer unwidersprochen von allen Beteiligten weiterverfolgt, der Kaufinteressent hielt kontinuierlichen telefonischen und schriftlichen Kontakt zum Vorstand der Künstlergruppe, holte sich Rat, es wurden Kontakte für ihn hergestellt, runde Tische organisiert, über Fördermittel und Unterstützungsmöglichkeiten wurde beraten.

Ein gemeinsamer Förderantrag von Verbandsgemeinde, Künstlergruppe und Kaufinteressent wurde beim Landwirtschaftsministerium in Mainz gestellt. Es wurde offen kommuniziert, dass er das Anwesen für einen symbolischen Euro vom BLB NRW bekommen sollte, da bedingt durch einen hohen Renovierungsrückstau die privaten Mittel hierfür genutzt werden müssten.“

Der Bau- und Liegenschaftsbetrieb Nordrhein-Westfalen habe der Künstlergruppe versichert, man werde nur einen Käufer berücksichtigen, der sich im Sinne der Verbandsgemeinde und der Künstlergruppe einer Öffnung und kulturellen Nutzung für das Gemeinwesen verpflichtet fühlt. „Jedoch hat seit der Besitzübertragung im Januar 2020 spontan und einseitig eine völlig andere Bewertung stattgefunden. Der neue Besitzer hat sich überlegt, jetzt selber das größte, von den Künstlern beanspruchte Gebäude mit seiner Frau zu bewohnen, die Künstler sind nicht mehr erwünscht.“

So weit, so schlecht für das erhoffte „Worpswede der Eifel“ auf dem Kraterrand. Während die Astronomische Vereinigung Vulkaneifel (AVV) und Schalkenmehrens Ortsbürgermeister Peter Hartogh keine Kritik am Zustand äußern – die AVV kann alle Kuppeln nutzen –, verabschieden sich die Kunstschaffenden von „dieser bitteren Erfahrung“ und schauen nach vorn.

Als Erstes haben sie sich in „Künstlergruppe VulkanEifel e. V.“ umbenannt, um die Neuausrichtung deutlich zu machen. „Wir wollen uns jetzt nicht mehr auf einen speziellen Platz fokussieren, sondern auf unsere Kunst konzentrieren“, lautet die Marschrichtung.

Aber die soll trotzdem nicht allein in mehr oder weniger versteckten und verstreuten Ateliers, sondern für die Öffentlichkeit sichtbarer und permanenter wahrnehmbar sein.

„Daher suchen wir jetzt wechselnde Locations für unsere Kunst- und Kulturevents: von Workshops und Veranstaltungen, bei denen man die Kunst im Entstehen erleben kann, über Ausstellungen bis zu Lesungen und Konzerten. Das können Scheunen oder Burgen oder Bauernhöfe sein, alles ist denkbar“, sagt Jutta Schulte-Gräfen.

„Wir hoffen auf ein dichtes Netzwerk mit Bürgerinnen und Bürgern und weiteren Kulturschaffenden, um solche Orte in den Dörfern und Städten zu finden und dort mehrmals im Jahr Aktionen zu machen.“

Als Publikum angesprochen werden sollen dabei nicht nur Einheimische, sondern auch Touristen, so dass sich die Hoffnung auf Vernetzung ebenso an Hoteliers oder Freizeitanbieter wendet: „Wir bauen gerade eine neue Homepage auf und sind froh, wenn sich die Menschen mit Ideen oder Vorschlägen für Kunstorte an uns wenden.“

Die Kunstschaffenden selbst tragen die erhöhte Flexibilität mit, wie die Vorsitzende der umfirmierten Künstlergruppe feststellt. „Obwohl wir viele Mitglieder haben, die eigens wegen der Perspektive von Ateliers auf dem Hohen List eingetreten sind, haben wir nun keine Austritte zu verzeichnen“, ist sie froh.

Und erläutert: „Wir sind natürlich alle auf Aufmerksamkeit angewiesen, darum ziehen wir weiter an einem Strang.“ Und da der Tourismus der Region nach den Einkommenseinbußen durch Corona seinerseits auf eine in die kalte Jahreszeit verlängerte Saison angewiesen ist, sind auch bei den Hoteliers und Gastronomen attraktive Indoor-Angebote für die Vulkaneifel sicher höchst willkommen.