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Das Birresborner Märchen

Das Birresborner Märchen

Wie ein Kindertraum in Erfüllung gehen kann, das zeigen Eltern aus Birresborn. Weil in dem Dorf viele Jungs und Mädchen begeisterte BMX-Radfahrer sind, mieteten sie eine alte Industriehalle an und bastelten dort einen modernen Parcours.

Birresborn. Irgendwann hatte Tom Clemens die Nase voll. Der Neunjährige aus Birresborn ist leidenschaftlicher Fan von BMX-Rädern, er tritt so oft wie möglich in die Pedale und versetzt Jugendliche mit seinen spektakulären Rückwärtssalti ins Schwärmen. Doch lange vermisste der Schüler im Dorf eine feste Anlage für sein Hobby. Eine Halle, in der er mit seinen Freunden neue, verrückte Tricks auf dem Rad einstudieren kann. Groß sollte sie sein, mit richtigen Bahnen und Rampen. So ging der Junge mit zwei Kumpels zu seinem Vater und fragte ihn: "Papa, kannst du nicht eine Halle mieten?" Und Guido Clemens antwortete trocken: "Wir gucken mal."
Beim Gucken beließen es die Birresborner aber nicht. Sie setzten den Traum eines Jungen in die Tat um. Inzwischen können sich die Kinder in einer verlassenen Industriehalle auf ihre BMX-Räder und Roller schwingen. Sechs Väter mieteten das Gebäude, in dem ein Landwirt zuvor Heu und Gerümpel gelagert hatte. Mittlerweile beteiligen sich 13 Familien. Dann bauten sie dort innerhalb weniger Monate einen Parcours aus Holz auf. Ganz allein. Mit jeder Menge Herzblut. "Wir haben viele Stunden gearbeitet. Freiwillig. Es bereitet uns einen Riesenspaß", sagt Guido Clemens.
"Wenn die Kinder richtig BMX fahren wollten, mussten sie nach Trier oder Köln fahren. Das sind schon weite Strecken", erklärt der 51-Jährige verständnisvoll. In Birresborn begnügten sich die Schüler lange Zeit mit ein paar Rampen, die auf dem Hof des Fahrradladens von Clemens standen. "Sie fuhren Tag und Nacht. Und wenn es dunkel wurde, nutzten sie noch das Licht aus dem Geschäft. So lange es eben durch die Schaufenster noch auf die Straße schien", erzählt er lächelnd.
Mit weiteren Vätern aus dem Dorf diskutierte er, wie sie den Kindern eine Überraschung bereiten könnten. Sie kamen mit Unterstützung des ehemaligen Bürgermeisters Josef Bach an die alte Halle. Mit 420 Quadratmetern ist sie so groß wie ein Basketballfeld. 3000 Euro steckten die Eltern in Material und das Gebäude, um es in Schuss zu bringen und an die Stromleitung anzuschließen. Bekannte von Guido Clemens spendeten Holz. Eine Schule aus Trier stiftete alte Sportmatten. Somit können die BMX-Fahrer ihre Stunts probieren, ohne sich weh zu tun. "So was gibt es in der nächsten Nähe nur noch in Wuppertal und Eindhoven. Und jetzt auch in Birresborn", berichtet Clemens stolz.
Noch immer werkeln die Männer jeden Mittwoch und Samstag in der Halle. Sie hämmern, bohren, schrauben. Und die Kinder düsen die Strecke entlang. So wie Tom Clemens, der schon oben an der Schanze mit seinem BMX-Rad steht. Dann brettert er los, über die Rampe, um die steile Kurve und im Kreis wieder zurück. Ob er Angst habe vor der Fahrt? "Nö. Das ist doch cool", sagt der selbstbewusste Junge. Auch andere stürzen sich ins Getümmel. "Einige Kinder haben es 1000 Mal probiert - und dann Mut gefasst", meint Guido Clemens und lächelt. "Egal, wie man es macht. Der Parcours wird richtig gut angenommen." In der Tat. Wenn sich die kleinen Birresborner über ihre Smartphones Nachrichten schicken, geht es meistens um die BMX-Halle. In den Ferien treffen sie sich dort sogar zum Frühstück und fahren den ganzen Tag. Edmund Endres, der ebenfalls an der Strecke baut, sieht seine 13-jährige Tochter Ellen meistens nur noch in der Halle. Der Mann aus Mürlenbach findet das gut. "Ich bin früher Mountainbike gefahren und hätte mir so eine Möglichkeit auch gewünscht." Und wenn es mal an die Diskussion gehe, dass auch Schulaufgaben gemacht werden müssen, habe er nun eine neue Drohung, witzelt er."Früher gab es oft ein Handyverbot. Nun zieht nur noch das Hallenverbot."Extra

 Maurice, Moritz, Ellen, Basti, Basti und Tom auf ihrer Anlage. TV-Fotos(2): Klaus Kimmling
Maurice, Moritz, Ellen, Basti, Basti und Tom auf ihrer Anlage. TV-Fotos(2): Klaus Kimmling Foto: klaus kimmling (e_daun )

BMX steht für Bicycle Motocross. Das Fahrrad kann im Gelände fahren und hat extra dicke Reifen von 20 Zoll. So können die Sportler verschiedene Tricks und Stunts ausprobieren. In verschiedenen Disziplinen messen sie sich auch in Wettkämpfen - meistens auf speziellen Bahnen mit Kurven, Sprunghügeln und Hindernissen. Seit 2008 in Peking nehmen die BMX-Fahrer auch an den Olympischen Spielen teil. Seinen Ursprung hat der Sport im US- Bundesstaat Kalifornieren. Dort entstanden in den 1970er Jahren die ersten Bahnen - und eine Jugendkultur, die sich von den Künsten des Motorradsports inspirieren ließ. Jugendliche bauten ihre Fahrräder nämlich um, um den Vorbildern mit ihren Stunts nacheifern zu können. flor