Das braune Gold der Eifel

Das braune Gold der Eifel

Viele Gemeinden in der Vulkaneifel verdienen gut mit ihrem Wald. Grund dafür ist die immer größere Nachfrage nach Holz für die Industrie und die Heizungen zu Hause. Doch die Kommunen dürfen ihren Wald nicht verkaufen, wie es ihnen beliebt.

Daun/Gerolstein. Rheinland-Pfalz ist das waldreichste Bundesland. 42 Prozent der Landesfläche sind mit Bäumen bedeckt. Und auch im Vulkaneifelkreis spielt die Forstwirtschaft eine große Rolle. Die Orte im Kreis profitieren davon. Denn die Überschüsse, die die Forstämter in den Gemeindewäldern erwirtschaften, fließen zu 100 Prozent in den Haushalt der Kommunen. Glücklich können sich da jene Dörfer schätzen, auf deren Gemarkung viele Bäume stehen.
"Der Wald ist unser Standbein", sagt Johann Görgen, Ortsbürgermeister der Gemeinde Meisburg in der Verbandsgemeinde (VG) Daun. 160 000 Euro bescherte der Wald dem Dorf (236 Einwohner) im Jahr 2011. Ein Jahr zuvor flossen 140 000 Euro vom Forst in die Gemeindekasse. Von dem Geld wird jetzt der Friedhof umgestaltet. Im vergangenen Jahr konnte für den Gemeindearbeiter ein kleiner Traktor angeschafft werden. "Wir wollen auf dem Boden bleiben", erklärt Görgen. Einige Hunderttausend Euro Rücklagen hat die Gemeinde inzwischen angespart. "Das ist eine sehr glückliche Situation", sagt der Ortsbürgermeister.
Pellets statt Heizöl


"Der Anstieg der Energiepreise ist ausschlaggebend für den Preis des Holzes", erklärt Martin Mannheller, Leiter des Forstamts Hillesheim. "Solange das Heizöl 30 Cent pro Liter kostete, war Holz als Heizstoff kein Thema. Aber bei 80 Cent sieht das anders aus." Besonders in den vergangenen Jahren steige die Nachfrage bemerkbar (siehe Extra). Holz - das braune Gold der Eifel? "Es ist undenkbar, dass das Holz das Öl eines Tages komplett ablöst." Selbst auf den ländlichen Raum beschränkt werde man das nicht schaffen. Denn um nachhaltig zu wirtschaften, können nicht mehr Bäume gefällt werden als nachwachsen. Und das ist bei Weitem nicht genug, um den Bedarf aller Haushalte zu decken. "Rheinland-Pfalz hat jetzt schon viel Wald, wir wollen den Landwirten nicht auch noch die Flächen wegnehmen. Da stehen wir im Grunde in Konkurrenz mit der Landwirtschaft", erklärt Manheller. Und obwohl das Brennholz "wie wahnsinnig nachgefragt wird", ist es dem Forstamtsleiter lieber, wenn mit dem Holz Möbel gebaut werden. "Dadurch wird Kohlenstoffdioxid viel länger gebunden, als wenn es einfach verfeuert wird."
Gemeinde ist Eigentümer


Dennoch: Eigentümer des Waldes ist die Gemeinde. Was, wenn dort eine größere Anschaffung ansteht? Neuer Putz für das Gemeindehaus, die Erweiterung der Kita? Es wäre doch praktisch, wenn man als Ortsbürgermeister dann auf die Wertanlage im Wald zurückgreifen könnte. "Nein, das geht so einfach nicht", sagt Ulrich Umbach, Leiter des Forstreviers Mannebach bei Kelberg.
Denn die Bewirtschaftung des Waldes richtet sich nach dem Landeswaldgesetz - und darin ist die Nachhaltigkeit verbrieft. "Selbst als Besitzer eines privaten Waldstückchens können sie nicht so einfach ohne Genehmigung Bäume fällen." Nur in Ausnahmefällen seien Sondereinschläge erlaubt. Und auch diese müssen sich nach einem Zehn-Jahres-Plan richten, den Spezialisten für jedes Waldgebiet individuell erstellen.
Dass die Gemeinden heute mit ihrem Wald Geld verdienen, ist nicht selbstverständlich, sagt Umbach. "Das ist das Verdienst der Menschen, die vor 100 Jahren unter schwierigen Bedingungen Bäume gepflanzt haben." Im Frondienst hätten die Menschen in jenen von Armut geprägten Zeiten im Wald gearbeitet. "Das ernten wir heute. Und deshalb müssen wir darauf achten, dass auch die Generationen nach uns noch etwas vom Wald haben", sagt Umbach.
Sturm sorgt für Einnahmen


Umso mehr schmerzt es, wenn Stürme hektarweise Bäume umsäbeln. Dabei können Windwürfe den Gemeinden kurzfristig einen großen Batzen Geld bescheren. So hat der Orkan Xynthia, der im Winter 2010 über die Vulkaneifel strich, einigen Gemeinden nicht wenig Geld in die Kassen gespült. Beispielsweise dem Örtchen Oberelz (113 Einwohner) in der VG Kelberg. Die Gemeinde nahm im Jahr nach dem Sturm mehr als 150 000 Euro durch den Holzverkauf ein. Im Vorjahr waren es gerade 4000 Euro gewesen. Springt der Gemeinderat da nicht vor Freude in die Luft? "Freuen kann man darüber sich nicht ", sagt der Oberelzer Ortsbürgermeister Franz Breitbach. Denn jenes Holz würde in den kommenden Jahren fehlen. Und zudem müsse die Gemeinde jetzt viel Geld in die Aufforstung investieren. "Und das ist teuer."Extra

Auf die Holzpreise haben viele Faktoren Einfluss. "Die wirtschaftliche Lage spielt eine große Rolle", erklärt Norbert Heidingsfeld, Ökonom bei den Landesforsten. Aber auch Wetterphänomene wirken auf den Preis ein. "Nach den Stürmen 1991 gab es europaweit ein großes Überangebot - und der Holzpreis ging in den Keller", sagt Heidingsfeld. Auch nach dem Orkan Xynthia im Jahr 2010 haben die Holzexperten mit einem Preisverfall gerechnet - "aber die Nachfrage war so gigantisch, dass der Preis stabil blieb". Seit 2005 steigt der Holzpreis. So kostete ein Festmeter aus dem rheinland-pfälzischen Staatswald damals durchschnittlich 38 Euro. Heute liegt der Preis bei 64 Euro. sen