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"Das darf nicht vergessen werden"

"Das darf nicht vergessen werden"

Mit einem ökumenischen Gottesdienst und einem Vortrag ist in Daun an den ersten Bombenangriff auf die Kreisstadt vor 70 Jahren erinnert worden. Friedbert Wißkirchen stellte vor rund 170 Gästen seine Dokumentation dazu vor.

Daun. "Die Uhr blieb um 9.45 stehn", so hat Friedbert Wißkirchen seine Dokumentation über den ersten Bombenangriff auf Daun am 19. Juli 1944 genannt. 65 Menschen starben dadurch. "Beim Gedenken geht es um Gegenwart und Zukunft, denn Kriege sind auch heute in vielen Ländern Gegenwart", betont Stadtbürgermeister Martin Robrecht bei der Gedenkfeier. "Es gilt, alles zu tun, dass Frieden die Zukunft sein wird", erklärt Robrecht weiter. Rund 40 Fotos von Hans Hoffmann, Drogist und Fotograf, hat Wißkirchen in seiner Broschüre zusammengestellt. Sie dokumentieren die Zerstörungen durch die Bomben, die laut Wißkirchen dem Dauner Bahnhof gegolten hatten.
"Ich war zwölf Jahre alt", berichtet Zeitzeuge Alfons Hein, "auf der Speichertreppe hörte ich die ersten Einschläge, lief schnell nach unten." Hein wurde im Haus seiner Großmutter verschüttet: "Ich lag mit den Lippen auf dem Steinboden und merkte, dass ich nicht mehr normal atmen konnte." Seine Rettung verdanke er einem französischen Kriegsgefangenen namens George.
Marlies Hilgers war zum Zeitpunkt des Angriffs zehn Jahre alt. "Meine Oma rief: ,Marlies, geh in die Küche zu Franziska!\' Ein Glück, dass ich nicht auf meine Großmutter gehört habe." Marlies Hilgers wurde durch eine Druckwelle unter einen Tisch geschleudert und überlebte, während die Haushaltshilfe Franziska starb. Auch eine Freundin von Marlies Hilgers wurde getötet: "Ich erkannte sie nur noch an ihren schönen, blonden Locken."
Die Broschüre von Friedbert Wißkirchen kommt ohne Schuldzuweisungen aus und lässt weitere Zeitzeugen berichten. "Das darf nicht vergessen werden", zitiert Wißkirchen den Dauner Ludwig Jung und nennt damit auch seine Motivation. Die Dokumentation, erstellt mit finanzieller Unterstützung der Kreissparkasse Vulkaneifel, wird für drei Euro verkauft. AIX