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Das Eisenkreuz von der Schalkenmehrener „Holl“

Geschichte : Das Eisenkreuz von der Schalkenmehrener „Holl“

Ein silbernes Denkmal erinnert an eine alte Tradition, aber auch an ein tragisches Unglück.

Aber das schmiedeeiserne Kreuzt erinnert noch an etwas anderes – den „Gang zu den sieben Kreuzen“. Diese religiöse Tradition entsprang den „Sieben Fuß- oder Kniefällen“, die eine historische Form des Kreuzwegs waren. Dabei bewegte sich eine Prozession durch das Dorf und die Flur, wo die Kreuze standen. Deshalb wurden sieben Wegkreuze aufgestellt, und auch Bildstöcke oder andere Wegkreuze  gehörten manchmal zu diesen sieben Notkreuzen, bei denen jeweils ein Abschnitt aus der Jesuspassion oder der schmerzhafte Rosenkranz gebetet wurde.

Lag ein Mensch aus der Familie, der Nachbarschaft oder aus dem Dorf auf Leben und Tod, wurde Gott um Hilfe angerufen. Er sollte für eine baldige Genesung oder einen gnädigen Tod ohne Schmerzen sorgen. Dieser Gang zu den sieben Kreuzen wurde noch bis in die 60er Jahre gemacht. Zuerst waren es die Kinder, die sich für Gottes Beistand bei schwerkranken Jungen und Mädchen auf den Weg zu den sieben Kreuzen machten.

Aber viele Holzkreuze sind heute nicht mehr auffindbar. Nikolaus Schommers, einer der ältesten Bürger im Fremdenverkehrsort, erklärt: „Früher gab es mehrere Holzkreuze, die die Dorfgemeinschaft zum Gebet für Mitbürger an den sieben Kreuzen aufsuchte. Wir haben heute noch das Pfarrer-Konter-Denkmal an der St.-Martinkirche, die Sankt-Martin-Pfarrkirche selbst, das Sankt-Johannes-Heiligenhäuschen in der Mehrener Straße und das Hermes-Heiligenhäuschen im Carl-Carstens-Weg, die auch früher zu den sieben Kreuzen zählten.“

Auch das Eisenkreuz war der Witterung ausgesetzt. Schilds Schwägerin Gisela Schneider sagt: „Da wir es wegen des fast vergessenen Brauchs erhalten wollten, haben wir den rostigen Korpus in den 80er Jahren wetterfest silbern gestrichen.“ Sie erinnert  sich auch daran, dass Kreuze in Schalkenmehren errichtet wurden, als die Gemeindekirche von Weinfeld nach Schalkenmehren verlegt wurde.

Der Brauch „Gang zu den sieben Kreuzen“ kommt nicht nur in Schalkenmehren nicht mehr zur Geltung, denn auch in anderen Orten findet man  heute keine oder nur noch wenige Holzkreuze. Vereinzelt gibt es noch Bildstöcke oder in Mauern verbrachte und damit geschützte Kreuze, die die Erinnerung an Traditionen oder menschliche Schicksale aufrechterhalten. Das eiserne Kreuz könnte noch eine weitere Bedeutung erlangen. Vielleicht finden in der Coronazeit Passanten den Weg zu dem Denkmal und bitten um Hilfe in der Pandemie und um deren Ende.