Das Geld rollt weiter an Daun vorbei - Kein Wohnmobilstellplatz für Touristen

Das Geld rollt weiter an Daun vorbei - Kein Wohnmobilstellplatz für Touristen

Gerolstein hat einen, Gillenfeld auch: Fast alle Orte, für die Tourismus ein wichtiges Standbein ist, haben einen Wohnmobilstellplatz - außer der Kreisstadt. Nun wird ein alt bekannter Standort wieder neu ins Gespräch gebracht.

Gäste, die mit dem Wohnmobil anreisen, schauen in Daun in die Röhre: ein spezieller Stellplatz, wie es ihn in Gerolstein, Hillesheim und Gillenfeld gibt - Fehlanzeige in der Kreisstadt.
An der Diskussion über einen Standort will sich Thomas Räthlein, Leiter der Kur- und Freizeitbetriebe der Stadt Daun, nicht beteiligen. Er sagt aus Sicht des Touristikers: "Wir bekommen häuifg Anfragen von Wohnmobilisten, die dann auf Campingplätze in der Umgebung hingewiesen werden müssen."

Ihm wäre es natürlich lieber, wenn diese "interessante und ausgabefreudige Klientel" in der Stadt bleiben würde, wovon "auch die Einkaufsstadt Daun profitieren könnte." Räthleins Fazit: "Die Nachfrage ist da, und wir würden gern einen Wohnmobilstellplatz in unser Marketing aufnehmen." Stadtbürgermeister Martin Robrecht teilt diese Einschätzung: "Daun braucht so etwas. Es ist eine Zielgruppe, die relativ gut situiert ist und Geld in die Stadt bringen könnte."
Nun ist es nicht so, als sei in der Vergangenheit in diese Richtung überhaupt nichts passiert. Über Jahre sind viele Standorte diskutiert und auch intensiv untersucht worden; eine Lösung wurde aber nicht gefunden.(siehe Extra).

Mitte 2015 hatte sich der städtische Bauausschuss festgelegt: Die Mitglieder votierten für den Platz am Wehrbüsch, unterhalb des Hartplatzes mit Panoramablick auf die Stadt. Parallel war aber auch ein anderes Gelände im Gespräch: ein privates Areal in der Verlängerung des Krankenhausparkplatzes an der Landesstraße 46, unterhalb von Auto Hess. Dieses Gelände hätte jedoch von der Stadt gepachtet werden müssen, um es einem Betreiber zur Verfügung zu stellen, der es wiederum die ersten fünf Jahre pachtfrei nutzen wollte. "Die Stadt hätte also mehrere Jahre nur Kosten gehabt, was wir uns nicht leisten wollten und konnten", sagt der Stadtbürgermeister.
Nach längeren Verhandlungen schien dann aber doch ein Kompromiss möglich, zu besseren Konditionen für die Stadt. Aber wie gewonnen, so zerronnen: Der potentielle Betreiber hat der Stadt mitgeteilt, dass er sein Geschäft aufgegeben hat.

Steht also die nächste Hängepartie bevor? Bloß nicht, sagt der Stadtbeigeordnete Manfred Krag. In der jüngsten Sitzung des Stadtrats "ermahnte" er die Kollegen, sich mit diesem Thema noch mal mit Nachdruck zu befassen. Denn er hat ein Ziel: es bis zum Ende der Wahlperiode 2019 endlich zu schaffen, dass es auch in Daun einen Wohnmobilstellplatz gibt.
Für neuen Gesprächsstoff will die die Stadtratsfraktion Wählergruppe (WG) Reineke sorgen - mit einem altbekannten Standort. "Warum nicht noch mal über das Areal Hotzendrees nachdenken?", fragt Fraktionssprecher Gerhard Herzog.

Das Gelände direkt an der Umgehungsstraße (B 257) war schon vor mehr als zehn Jahren ins Spiel gebracht worden. Herzog sieht viele Vorteile: Das Areal sei stadtnah und direkt an der Lieser gelegen, Wanderwege führten vorbei und es sei ein Kanalanschluss vorhanden.
Aber was ist mit der Hochwassergefahr? Die Lieser hatte im Frühjahr 2016 einige Bereiche im Stadtgebiet unter Wasser gesetzt. Herzog hat nur geringe Bedenken und weist darauf hin, dass das Gelände vier bis fünf Meter über der Lieser liegt. Die Herstellung des Areals als Wohnmobilstellplatz sei seiner Einschätzung nach mit geringen Kosten verbunden.

"Außerdem gibt es ganztägig Sonne, aber es können schattige Plätze eingerichtet werden", fügt Herzog an. Und regt an: "Warum sich nicht nochmal Ideen von einer Studentengruppe aus dem Bereich Landschafts- und Raumplanung/Städteplanung, zum Beispiel aus Trier, zum Thema einholen?"
Er spielt damit an auf das Projekt Naturbegräbnisstätte, zu deren Gestaltung maßgeblich Studenten der Alanus Hochschule für Kunst und Gesellschaft in Alfter (bei Bonn) beigetragen hatten. Manfred Krag begrüßt, dass "das das Gelände um den Hotzendrees wieder ins Gespräch kommt. Und grundsätzlich: Es kann doch nicht sein, dass viele andere Städte das mit dem Wohnmobilstellplatz hinkriegen und wir nicht."

Liebe Leser: Ihre Meinung ist gefragt: Was wäre aus Ihrer Sicht der geeignete Standort für einen Wohnmobilstellplatz in Daun? Oder halten Sie so etwas für überflüssig? Schreiben Sie uns eine kurze E-Mail (Name und Wohnort bitte nicht vergessen) an eifel-echo@volksfreund.de Zugegeben: Es ist in Daun wahrlich kein leichtes Unterfangen, den Standort zu finden, der möglichst allen Ansprüchen genügt und auch noch Akzeptanz in der Bevölkerung findet. Aber bei allen Schwierigkeiten: Es ist auch kein Ruhmesblatt für die Stadt, dass es in dieser Dauerdiskussion über eine Anlaufstelle für Gäste, die per Wohnmobil anreisen, nach so vielen Jahren immer noch kein Ende absehbar ist. Deshalb sollte nun die Marschrichtung sein: ein Anlauf noch, aber wird das auch nichts, muss man den Mut haben, zu sagen: Wir kriegen es leider nicht hin. Wofür es ja durchaus gute Gründe haben könnte, beispielsweise, wenn die Stadt dauerhaft größere Summen zuschießen müsste. Eine überschaubare Investition wäre okay, aber ein Wohnmobilstellplatz um jeden Preis nicht.
s.sartoris@volksfreund.deKommentarSTANDORTE FüR WOHNMOBILE

Extra

2010 sind neun Standorte anhand von zwölf Bewertungskriterien untersucht worden. Dazu zählten beispielsweise die Anfahrbarkeit, die Größe, die Sicherheit, die Nähe zu Einkaufsmöglichkeiten und Gastronomie, das Umfeld und - in Daun besonders wichtig - die Verfügbarkeit der Flächen. 36 Punkte konnten erreicht werden. Nur vier Standorte bekamen damals mehr als 20 Punkte: zwei am Rosenberg (am Stadion), Hotzendrees (an der Umgehungsstraße in der Nähe der Eselsbrücke) und Pützborn (auf dem Gelände der früheren Baufirma Meerfeld). Im Mittelfeld lagen die Standorte Liesertal (in der Nähe des Sandplatzes des TuS Daun), Bahnhof und Dronkehof (Feriendorf am Kreuzberg).