Das Gelübde eines gottesfürchtigen Schäfers

Das Gelübde eines gottesfürchtigen Schäfers

Sieben Kreuze stehen an der Straße von Bongard nach Bodenbach. Errichtet hat sie der Schäfer Lorenz Heintz im 19. Jahrhundert aus Dankbarkeit, dass der heilige Antonius, der Schutzpatron der Haustiere, seine Schafe und ihn vor französischen Soldatentruppen gerettet hat.

Bodenbach. Einem jeden, der von Bongard kommend nach Bodenbach will, fallen sofort am Straßenrand große markante Wegekreuze auf. Aus Bruchsteinen gemauert und mit einem kleinen Giebelkreuz versehen, bergen sie in einer Nische bunte ausdrucksstarke Reliefs aus der Leidensgeschichte Jesu. Sieben Gebetsstätten sind es, die ihre Entstehung alle einem Gelübde eines frommen und gottesfürchtigen Schäfers verdanken.
Dorf geschichte


1794 war der Beginn einer drangvollen Zeit. Die Franzosen waren in die Eifel eingefallen, hielten sie besetzt und zwangen der Bevölkerung ihre Gesetze, Sprache und Kultur auf. Besonders hart hatte die landwirtschaftliche Bevölkerung zu leiden. Schwere Frondienste und hohe Abgaben musste sie leisten, für die Verpflegung von Soldaten, deren Tross und Pferde sorgen. Wie oft wurden ihr Holz, Vieh und Wintervorräte beschlagnahmt.
Wehe, wenn sich einer beschwerte oder sogar wehrte, die blau-weiß-roten Soldaten lachten ihn höhnisch aus, schlugen oft grausam zu oder verhafteten den unschuldig Jammernden. In Kelberg hatten sie sogar einen jungen Mann erschossen, der friedlich sein Recht forderte.
All dies und noch manch weitere angstmachende Nachrichten hörte auch Lorenz Heintz aus Bodenbach. Geboren am 28. November 1767 hatte er wie viele seiner Vorväter den Beruf des Schäfers erlernt. Alle Bauern ringsum in den Dörfern schätzten ihn wegen seines offenen Wesens und seiner Ehrlichkeit und vertrauten ihm alle ihre Schafe an. Mit großer Verantwortung betreute Lorenz diese Herde, die unter seiner Obhut und Pflege prächtig wuchs und gedieh.
Hirte versteckt seine Herde


Um 1800 geschah es erneut: Wieder fielen Soldatentruppen in den Kelberger Raum ein, schlugen ihre Lager auf und begannen mit Plünderungen und Beschlagnahmungen. Als nun Schäfer Heintz erfuhr, dass Franzosen sich, von Nohn her kommend, Richtung Bodenbach näherten, trieb er die Schafherde des Dorfes zusammen, ließ seine bellenden Hunde zurück und versteckte sich tagsüber in den dichten, dunklen Waldungen.
Als er dann dahinten tief drunten im einsamen Trierbachtal den dunkelroten Schein am Himmel sah, der Kunde davon gab, dass die Franzosen wiederum eines Bauern Haus in Brand gesetzt hatten, kniete er nieder und flehte zum Himmel. Den Schutzpatron der Haustiere, den heiligen Antonius, und die Gottesmutter bat er um Unterstützung und Hilfe.
Dabei legte er das Gelübde ab, der Schmerzhaften Muttergottes mit den Sieben Schwertern in der Brust sieben Kreuze zu errichten, wenn Not und Elend wenden und er seine Herde wohlbehalten zurück nach Bodenbach bringen dürfte.
Lorenz Heintz stellte sich den Gefahren der Dunkelheit, versteckte sich und seine Herde tagsüber, gönnte sich weder Rast noch Ruhe, um fernab von menschlichem Treiben und verräterischem Spähen den Feinden zu entgehen. Hunger, Not und Durst litt er, aber nach Jahren der Entbehrung siegten seine Ausdauer, sein kluger Verstand und seine tiefe gottesfürchtige Frömmigkeit.
1814 kehrt Friede in der Eifel ein


1814 vertrieben die Preußen die Franzosen aus dem Eifelraum und machten so der Unterdrückung und Unfreiheit ein Ende. Der Friede kehrte wieder ins Kelberger Land ein.
Auch Schäfer Lorenz Heintz kehrte mit seiner großen und geretteten Herde zurück ins Heimatdorf. 76 Jahre war der allseits geachtete und beliebte Dorfschäfer alt geworden, als er 1843 seine Augen für immer schloss. Sein Gelübde aber hatte er nicht vergessen.
Bereits 1816 hatte er auf eigene Kosten ausgangs des Ortes Bodenbach in Richtung Bongard sieben schlichte und hübsche Gedenksteine errichtet mit bemerkenswerten und kunstvollen Abbildungen aus der Passion Christi. Fußfallkreuze werden sie genannt. 1999 erneut restauriert, sind sie noch heute Ziel frommer Beter aus den Dörfern.

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