Das große Muschelsterben

Das große Muschelsterben

Beachtliche Muschelvorkommen im Gerolsteiner Stausee sind vernichtet worden, weil der Wasserspiegel zur Sanierung der Staumauer gesenkt wurde. Naturschützer sprechen von Umweltfrevel. Die Stadtverwaltung sieht kein Vergehen.

Gerolstein. "Zuerst war ich total begeistert, als mein Enkel mit einer so großen Muschel angelaufen kam, die er beim Spaziergang am Stausee gefunden hatte. Dann war ich erschrocken, als ich den großen Haufen abgestorbener Muscheln sah", beschreibt Ewald Wollwert seine jüngsten Erlebnisse am Gerolsteiner Stausee. Zu Hause hat er sich über die Muscheln informiert. Seiner Meinung nach handelt es sich um die so genannte Bach- oder Flussmuschel, die auf der "Roten Artenschutzliste" steht, weil sie von Ausrottung bedroht ist Wollwert wettert: "Es ist ein Skandal, egal um welche Muschelart es sich handelt. Es waren Barbaren, die den Wasserspiegel senkten, ohne sich um die dadurch bedrohten, im Wasser lebenden Tiere zu kümmern." Er fordert einen "sensibleren Umgang mit der Umwelt" von Seiten der kommunalen Behörden. Statt stolz auf solch große Muscheln (die meisten waren größer als eine Zigarrenschachtel) zu sein, die ein Beweis für hervorragende Wasserqualität seien, würden die Vorkommen gedankenlos vernichtet. Muscheln dienen der Wasserqualität

Josef Theisen, Vorsitzender der Stauseefischer, wehrt alle Vorwürfe ab. Er sagt: "Der Verein kann nichts dafür. Die Stadt hat das Wasser ablaufen lassen. Allerdings haben wir nicht damit gerechnet, dass die Muscheln so nah am Ufer sind." Nach dem Absenken des Wasserspiegels habe der Stausee ein "fürchterliches Bild" abgegeben. Theisen vermutet, dass Füchse und Marder sich über die am Ufer freigelegten Muscheln hermachten und die Gehäuse durch die Gegend schleppten. Theisen sagt: "Wir haben die abgestorbenen Muscheln dann in einer Gemeinschaftsaktion zusammen getragen und auf einem Haufen hinter dem Spielareal deponiert." Die Stauseefischer haben die Muscheln vor 30 Jahren zur Verbesserung der Wasserqualität eingesetzt. Stadtbürgermeister Karl-Heinz Schwartz weist auch jegliche Vorwürfe zurück. Er wiegelt ab: "Das war kein Umweltfrevel, sondern ein ganz normaler Vorgang. Die meisten Muscheln waren so nah am Ufer sowieso leer. Es waren bestimmt Ablagerungen vergangener Jahre." Klaus Jansen, Leiter der Abteilung für Lebensgrundlagen und Bauen im Gerolsteiner Rathaus, hat bei der Kreisverwaltung nachgehört. Er erklärt: "Nach Rücksprache mit dem Veterinäramt und der Abfallbehörde wurden die abgestorbenen Muscheln als tierische Produkte eingegraben. Es handelt sich nicht um Abfall." Der Wasserspiegel wurde aus Sicherheitsgründen - wegen der Standsicherheit der Staumauer - um 80 Zentimeter gesenkt. Die Planungen zur Sanierung der Staumauer und des Überlaufes, die mit 266 000 Euro veranschlagt ist, laufen auf Hochtouren. In der nächsten Sitzung des städtischen Bauausschusses am 23. Mai wird über konkrete Maßnahmen entschieden. Jansen rechnet mit einem Abschluss der Arbeiten bis Jahresende.

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