Das "Heldengefühl" legte sich rasch

Am 1. September 1939 begann der Zweite Weltkrieg, in dessen Verlauf auch in der Eifel zunehmend Angst, Tod und Schrecken Einzug hielten. 60 Millionen Menschen verloren während des Krieges ihr Leben, darunter fast 4000 Männer, Frauen und Kinder aus dem Vulkaneifelkreis.

 September 1939: Mädchen und Frauen vor dem Hotel Hommes in Daun reichen deutschen Soldaten Getränke und Erfrischungen. Foto: Archiv Alois Mayer

September 1939: Mädchen und Frauen vor dem Hotel Hommes in Daun reichen deutschen Soldaten Getränke und Erfrischungen. Foto: Archiv Alois Mayer

Daun. "Seit 5.45 Uhr wird jetzt zurückgeschossen! Und von jetzt ab wird Bombe mit Bombe vergolten!" Diese aggressiven Worte prägten die im Rundfunk übertragene Reichstagsrede Adolf Hitlers. Das war am 1. September 1939. Weit über eine Million deutsche Wehrmachtssoldaten waren gegen Polen in Marsch gesetzt worden. Zwei Tage später, am 3. September 1939, erklärten Großbritannien und Frankreich Deutschland den Krieg.

In den meisten Dörfern der Eifelkreise riefen Kirchenglocken die Bewohner zusammen. Dann erfuhren sie von der Mobilmachung und dem Beginn des Krieges. Tiefer Schrecken erfasste nahezu alle Menschen. Von der einstigen Begeisterung, die noch den Beginn des Ersten Weltkriegs 1914 bestimmt hatte, war nichts mehr zu spüren.

Noch lange nicht waren die Wunden, Schmerzen und Verluste jenes Krieges vergessen. Viele litten noch an den harten und entbehrungsreichen Jahren nach dem Waffengang. Arbeitslosigkeit und Hunger, Besatzungszeit und Demütigungen - jeder wusste aus eigener Erfahrung darüber zu berichten. So verließen die Soldaten, die ihren Stellungsbefehl erhalten hatten, mit Tränen in den Augen Haus, Hof und Familie. Die Zurückbleibenden spürten, die friedliche Dorfidylle war nun für lange Zeit vorbei. Angst, Tod und Schrecken kehrten dafür ein.

Unruhe und reger Verkehr bestimmten die kommenden Tage und Wochen. Tausende Soldaten marschierten durch die Orte. Kolonne auf Kolonne, alle Richtung Westen. Ständige Einquartierungen waren an der Tagesordnung.

Zahlreiche Arbeiter und Maschinen waren beim Bau der Reichsautobahn eingesetzt, die sich, von Ulmen kommend, durch den Südkreis zog. Tausende Menschen arbeiteten Tag und Nacht an der Fertigstellung des Westwalls. Manche Familien mögen froh darüber gewesen sein, verdienten sie doch so nebenbei noch etwas Geld. Den Kriegsausbruch erlebten manche Jugendlichen jedoch anders. So erinnert sich Helmut S. aus Daun: "Durch die Propaganda, aber auch durch sehr fanatische Lehrer, waren wir Kinder und Jugendliche recht begeistert von Militär und Uniformen. Wir wären am liebsten sofort mitgezogen in den Krieg. Doch ich war gerade aus der Schule und hatte meine Ausbildung begonnen. Als dann der Krieg gegen Polen nach kurzer Zeit beendet war, tat uns das etwas leid. Nun hatte Deutschland den Krieg gewonnen, und wir waren nicht dabei. Doch dieses ,Heldengefühl' legte sich rasch, je länger der Krieg dauerte, und je häufiger Todesmeldungen nach Daun und in die Nachbarorte kamen. Mit 17 Jahren wurde ich dann eingezogen, musste nach Russland, wo ich auch sofort in Gefangenschaft geriet. Heute ist unsere damalige Begeisterung nicht mehr zu begreifen."

Der sogenannte "Blitzkrieg" gegen Polen war zwar nach vier Wochen beendet, aber der Zweite Weltkrieg ging weiter, entwickelte sich zu einem entsetzlichen Weltenbrand, an dessen Ende rund 60 Millionen Menschen ihr Leben verloren hatten. Darunter fast 4000 Männer, Frauen und Kinder aus dem Vulkaneifelkreis.